Miteinander Hoffnung gepflanzt

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Der Kindergarten, in dem Erzieherin Mpendwa Daud Mkisi (Bild oben links) mit großer Begeisterung arbeitet, ist nur ein Beispiel von vielen: Die Partnerschaftsarbeit trägt Früchte. Davon konnten sich die Besucher aus der Kirchengemeinde Waldkraiburg (rechts oben von links), Basti Moser, Marianne Pawel, Karin Gleim, Erna Meindl, Joachim Grytzyk, Kai Klein und Elsbeth Grytzyk, überzeugen.

Waldkraiburg - Seit 20 Jahren gibt es die Partnerschaft zwischen den Christen im evangelischen Dekanat Traunstein und im Dekanat Mpwapwa in Tansania.

"Es ist schön zu sehen, wie diese Partnerschaft seitdem gewachsen ist", sagt Elsbeth Grytzyk. Mit einer Gruppe aus der Waldkraiburger Kirchengemeinde besuchte die Partnerschaftsbeauftragte des Dekanats vor kurzem die afrikanischen Freunde.

In 20 Jahren sind gute Kontakte gewachsen. Wie hier in einem Assaidorf wurde die Partnerschaftsbeauftragte in vielen Gemeinden herzlich empfangen.

"Nach 20 Jahren können wir sagen, dass wir dabei geholfen haben, Entwicklungschancen zu schaffen", bilanziert Grytzyk nach dem Besuch, der sie drei Wochen lang in mehrere Gemeinden im Partnerdekanat führte. "Diese Partnerschaft wächst. Sie wächst im gegenseitigen Vertrauen. Man hört einander zu und man macht was draus."

Wie gut das Verhältnis ist, das zeigte nicht zum ersten Mal der unglaublich herzliche Empfang in Tansania. Schon am Flughafen in Daressalam wurden sie von Dekan Amon Kinyunyu erwartet und in Kongwa, der ersten Station und Waldkraiburger Partnergemeinde, mit Gesang, Trommeln und Blumenketten empfangen.

Die zehnköpfige Gruppe aus Deutschland, zu der neben Elsbeth Grytzyk auch ihr Mann Joachim, Karin Gleim, Erna Meindl, Marianne Pawel, Sebastian Moser und Kai Klein sowie drei Mitfahrer aus Traunstein und München gehörten, waren die ersten Besucher, die in den Gästezimmern des neuen Pfarrhauses übernachten durften.

Große Freude löste der Hilfscontainer aus, der aus Deutschland nach Mpwapwa ging. Mit Stühlen und Tischen aus der Bunkerkirche wird das neue Pfarrhaus in Kongwa möbliert.

Das Gebäude, das Wohnung für Pfarrer Daniel Salowa und seine Familie und zugleich ein für alle offenes Gemeindezentrum ist, stellte die Gemeinde zum Großteil aus eigenen Kräften auf die Beine. Nur wenige tausend Euro Spenden sind laut Grytzyk dafür geflossen. Im Beisein der Besucher wurde das neue Pfarrhaus, das ein Lehmhaus mit drei Zimmern ablöst, mit einer großen Feier eröffnet. Der Bibelvers "Nehmt einer an wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob", steht auf einem Schild, das als Ausdruck der Verbundenheit der evangelischen Kirchengemeinde Waldkraiburg mit der Partnergemeinde Kongwa dort angebracht wurde.

Das neue Pfarrhaus ist ein äußeres Zeichen dafür, dass sich in der Partnergemeinde etwas bewegt. Vor allem über die Fortschritte im Kindergarten und in der Schule freut sich Elsbeth Grytzyk. Erzieherin Mpendwa Daud Mkisi, die mit Unterstützung aus Deutschland ausgebildet wurde, arbeitet mit großer Begeisterung. Das Mittagessen für die Kinder sei zu einer Selbstverständlichkeit geworden.

Und die Schule, die seit vielen Jahren Partnerschule der Grundschule an der Graslitzer Straße in Waldkraiburg ist und das auch in großen Buchstaben auf die Fassade geschrieben hat, entwickelt sich immer besser. Unter 120 Schulen im Distrikt nahm sie noch vor einigen Jahren im staatlichen Ranking einen der hinteren Plätze ein. "Heute steht sie an dritter Stelle, wird von Lehrern anderer Schulen besucht", freut sich die Waldkraiburgerin. "Es hat etwas gebracht, dass heute mehr Raum für die Schüler zur Verfügung steht, dass sie mehr Bänke und Lehrmaterial haben." Vieles wurde nur möglich durch die Unterstützung der Waldkraiburger Partnerschule. Freilich, Klassen mit fast 100 Schülern sind auch heute noch Alltag.

Bei allen Verbesserungen bleibt viel zu tun. Auch bei Gesprächen mit ehemaligen Schülern des Stipendienfonds des Dekanats Traunstein sei dies deutlich geworden: Schule allein reicht nicht. Es brauche darüber hinaus Betreuung, weitere Förderung, Ausbildungs- und berufliche Angebote. Man wolle deshalb mithelfen, zum Beispiel Berufsberatung und regelmäßige Betreuung anzubieten, um Stipendiaten zu motivieren. Deren Eltern, die noch immer zu mindestens 50 Prozent weder schreiben noch lesen können, sind damit überfordert.

Eine enorme Herausforderung für die Kirchengemeinden ist auch die große Zahl von Aidswaisen. Die Besucher aus Waldkraiburg lernten mehrere Familien kennen, die Waisen zu sich genommen haben. In der Öffentlichkeit werde mittlerweile sehr offen über das Thema Aids gesprochen, an der Basis sei es noch immer ein Tabu zu sagen: Ich leide an Aids. _0_0_070911In Kongwa habe man es geschafft, dass die Frauengruppe und die Jugendgruppe der Gemeinde sich um die Aids-Waisen kümmern. Zur Unterstützung der Familien sei ein Projekt gestartet worden. Jede Familie, die ein Waisenkind aufgenommen hat, erhält eine Ziege. Das erste Zicklein müsse sie verschenken, dann gehöre die Milchziege ihnen.

"Wir brauchen noch viele Paten", sagt die Partnerschaftsbeauftragte vor diesem Hintergrund zum Patenprojekt, dem sich in Waldkraiburg bislang etwa 30 Paten angeschlossen haben, die zehn Euro pro Monat für einen Aidswaisen spenden.

Hilfe zur Selbsthilfe, das ist auch das Stichwort für eine Aktion für besonders arme Familien, die aus Spendengeldern je drei Hühner und einen Hahn bekamen.

Welche Freude und Begeisterung die Hilfscontainer aus Deutschland auslösen, das konnten die Besucher aus Waldkraiburg diesmal selbst erleben. Beim Auspacken des Containers, der im Mai auf den Weg gebracht wurde, waren sie dabei. Fahrräder, Kleidung, Möbel, Solarlampen und -material für eine Solarwerkstatt in Mpwapwa wurden mit diesem Container nach Afrika gebracht. Man könne sich kaum vorstellen, welche Freude alte Werkzeuge, Schaufeln, Sägen, Hammer auslösen, erzählt Elsbeth Grytzyk.

Die alten Stühle und Tische, die nach der Neumöblierung der Bunkerkirche in Waldkraiburg nicht mehr gebraucht werden, tun in Tansania gute Dienste, rund 70 Stühle und zwei Tische zum Beispiel im Pfarrhaus in Kongwa.

17 Gemeinden zählte das Dekanat, als die Partnerschaft Anfang der 90er-Jahre begann. Bis heute ist ihre Zahl auf fast 50 Gemeinden und Sprengel gewachsen. Einige davon besuchte die Delegation, hatte Gelegenheit, mit Frauengruppen, Jugendgruppen und Kirchenvorständen zu sprechen. Elsbeth Grytzyk kam unter anderem auch nach Graino, der Partnergemeinde von Mühldorf und Ampfing, wo sie den Grundstein für ein Gästehaus der Gemeinde legen durfte. Ob derlei freudige Ereignisse oder schwierige Gespräche über Probleme der Gemeinden, fast alle Begegnungen endeten mit dem Partnerschaftslied, das gemeinsam in Deutsch und Kisuaheli gesungen wurde. Es trägt den Titel "Miteinander Hoffnung pflanzen". In 20 Jahren Partnerschaft ist daraus schon manch ansehnlicher Baum gewachsen.

hg/Mühldorfer Anzeiger

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