Missklänge bei Dirigentenwahl

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Klaus Ertelt beendet im November nach 30 Jahren Dirigentenpult die musikalische Leitung in der Waldkraiburger Orchestergemeinschaft.

Waldkraiburg - Eigentlich sollte die Versammlung der Orchestergemeinschaft einen Nachfolger für den langjährigen Dirigenten Klaus Ertelt bestimmen. Doch die Entscheidung ist vertagt.

Mehrere Orchestermitglieder waren nicht einverstanden damit, dass die Vorstandschaft unter vier Kandidaten bereits eine "Vorauswahl" getroffen hatte. Sie sehen darin einen klaren Verstoß gegen die Statuten.

Nach 30 Jahren am Dirigentenpult wird Klaus Ertelt mit dem Jahreskonzert im November seine Tätigkeit als musikalischer Leiter des Orchesters beenden. Dies hatte der 75-Jährige bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Für seine Nachfolge hatten sich vier Bewerber interessiert. Ihnen wurde ein Fragebogen zugestellt, auf dessen Grundlage der Vorstand "eine gewisse Reihung" vorgenommen habe, wie Geschäfts- und Schriftführerin Christina Müller sagte.

Klarer Favorit des Vorstands ist Ferenc Szelim Bene aus Ampfing, der seit 20 Jahren als Musiklehrer an der städtischen Musikschule arbeitet und auch die Jugendblaskapelle des Musikvereins leitet. Mit ihm verbindet sich die Hoffnung, wieder mehr junge Musiker der Musikschule an das Laienorchester heran zu führen.

Bene war als einziger der Kandidaten zu der Versammlung erschienen und hatte Gelegenheit, seine Ziele vorzustellen. Den Schwerpunkt will er auf die Wiener Klassik legen, auch auf Barockmusik. Moderne Musik kommt für ihn "nur diesseits der Zwölftonmusik" in Frage. Bene setzt auf Literatur, die mit eigenen Kräften zu bewältigen ist und - soweit möglich - ohne zugekaufte Musiker von auswärts.

Die drei übrigen Kandidaten waren nicht gekommen. Eine Bewerberin aus Isen hatte laut Müller bereits zurückgezogen. Den beiden anderen, einem Bewerber aus Reichenhall und Erwin Altmayer, dem ehemaligen Dirigenten des Mühldorfer Orchesters, hatte die Geschäftsführerin schriftlich mitgeteilt, dass sie sich keine Hoffnungen auf Ertelts Nachfolge machen können.

Nicht nur Klaus Seelmann kritisierte dieses Verfahren. Mit dem Schreiben seien die anderen Kandidaten "im Vorfeld ausgebootet" worden. Auch wenn die Bewerber zur Versammlung eingeladen wurden, sei dieser Brief eine klare Absage, hieß es. Und: Bei nur vier Kandidaten sei eine Vorauswahl nicht sinnvoll.

Orchestermitglied Dr. Johannes Huber, der wie andere deutlich machte, dass sich die Kritik nicht gegen den Kandidaten Ferenc Bene richte, sprach von einem "klaren Verstoß gegen die Statuten". Diese sehen eine Wahl durch die derzeit 28 wahlberechtigten aktiven Musiker vor. Huber: "Uns ist die Wahlmöglichkeit und die Möglichkeit, die Kandidaten zu befragen, genommen worden. Die Kandidaten sollen sich präsentieren können."

Der amtierende Dirigent Klaus Ertelt wollte die "Vorauswahl" als "Empfehlung", nicht aber als Vorentscheidung verstanden wissen. Müller räumte ein, dass der Brief ein Fehler war. Das Vorstands-Ranking hatte sie zuvor unter anderem mit dem Hinweis auf Altmayers Verpflichtungen in anderen Ensembles und das Alter der Kandidaten begründet. Altmayer wird 59, Bene ist 40. "Wir wollen Kontinuität und nicht in fünf oder zehn Jahren einen neuen Dirigenten wählen." Vorstandsmitglied Gertraud Kesselgruber sprach von einem "unglücklichen" Brief, bekräftigte zugleich, dass Bene aus Sicht des Vorstands sehr günstige Voraussetzungen mitbringe.

Und Bürgermeister Siegfried Klika, kraft Amtes Vorsitzender der Orchestergemeinschaft, der erst gegen Ende der Sitzung zur Versammlung stieß, sagte, dass angesichts der Kassenlage nicht zuletzt finanzielle Erwägungen bei der Entscheidung eine Rolle spielen. Klika zu den Orchestermitgliedern: "Sie haben als ehrenamtliches Orchester ein gewaltiges Wort mitzureden, wer Dirigent wird." Als Bürgermeister müsse er aber auch auf die Kosten schauen.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass die Entscheidung über den künftigen Dirigenten vertagt würde. Altbürgermeister und Ehrenvorsitzender Jochen Fischer hatte sich für eine Wiederholung der Versammlung ausgesprochen. "Sonst gehen einige mit ärger nach Hause." Die Wahl soll nun in der Jahreshauptversammlung voraussichtlich am Donnerstag, 24. September, stattfinden. Die Versammlung kam überein, dazu Bene und Altmayer einzuladen.

Ob Altmayer seine Bewerbung aufrecht erhält, ist nicht klar. Er war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Bewerber aus Reichenhall scheidet, nicht zuletzt wegen der weiten Fahrwege, aus Kostengründen als Kandidat aus. Darüber war sich die Versammlung einig. Unter Angabe der Gründe soll ihm abgesagt werden.

Ein ursprünglich geplantes gemeinsames Jahreskonzert mit dem alten und neuen Dirigenten im November wird aufgrund der Verzögerung unwahrscheinlich. Die Amtsübergabe wird nun wohl erst nach der Weihnachtspause im Januar 2010 erfolgen.

hg

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