Den Schlagstock gab es nicht

Waldkraiburg/Mühldorf - Ein 25-Jähriger musste sich wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verantworten. Der junge Mann beschuldigte aber auch die Polizisten: Er sei von ihnen misshandelt worden!.

Schwer belastet hat ein 25-Jähriger zwei Bereitschaftspolizisten aus München. Beim Tag der Jugend auf dem Volksfest 2009 benahm er sich daneben, sie sollen ihn nach dem Abführen mit Schlagstöcken misshandelt haben, weil er sich wehrte. Gegen die Beamten wurde ermittelt - zu Unrecht.

Unter anderem wegen falscher Verdächtigung musste sich der junge Mann nun vor dem Amtsgericht Mühldorf verantworten.

Der Volksfestabend im vergangenen Jahr soll sich folgendermaßen zugetragen haben: Der 25-jährige Stefan B. (Name von der Redaktion geändert) aus Pfeffenhausen war betrunken und von Securities des Zeltes verwiesen worden, weil er angeblich eine Geldbörse gestohlen hatte.

Er stritt sich mit den Sicherheitsmännern lautstark, beschimpfte einen als "blöden Deppen" und drohte, auf ihn zu warten, um ihn totzuschlagen. Er bekam eine Anzeige wegen Beleidigung, die Bedrohung ging in dem Tumult unter, vermutlich nur die zwei Bereitschaftspolizisten, die in zivil unterwegs waren und zu der Szenerie stießen, haben sie gehört. (Die Strafverfolgung wegen der Bedrohung wurde eingestellt.)

Um weitere Straftaten des jungen Hitzkopfes zu verhindern, gaben sich die Männer als Polizisten zu erkennen und führten ihn ab zum Dienstauto, das beim nahegelegenen Netto-Parkplatz stand.

Der alkoholisierte Bursche wehrte sich mit Leibeskräften, so dass die Beamten Mühe hatten, ihn niederzuringen und zu fixieren, ein dritter Polizist der PI Waldkraiburg, ein Hundeführer, kam ihnen zu Hilfe. Auch ein Pfefferspray zeigte keine Wirkung. Der Angeklagte lag mit dem Gesicht nach unten, die Beamten knieten sich auf ihn drauf und verpassten ihm Handschellen.

Von dem Gerangel trug er blaue Flecken am Rücken, sogenannte Prellmarken, die ihm auch ein Arzt attestierte, davon. "Ich hatte Schmerzen, mein Rücken war blau", berichtet der 25-Jährige, der versucht habe, sich freizurangeln.

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte nennt das der Gesetzgeber, Misshandlung mit Teleskop-Schlagstöcken nannte es der Angeklagte und bekräftigte das nochmal in der späteren Vernehmung durch Markus Steinmaßl, stellvertretenden PI-Leiter in Waldkraiburg und eine weitere Beamtin.

Das Problem dabei: Zu keiner Zeit hat der Angeklagte einen Schlagstock während der Rangelei gesehen, er hat aufgrund seiner Prellmarken darauf geschlossen, dass die Polizisten ihn damit misshandelt haben. Dass es nur die Knie der Beamten in seinem Rücken waren, darauf ist er nicht gekommen. Die Polizisten in zivil hatten keine Schlagstöcke dabei, auch nicht der Waldkraiburger Hundeführer, so Steinmaßl.

Zwar hat der Angeklagte bei der Nachvernehmung gesagt, er wolle die Beamten nicht anzeigen.

Aber nach solchen Beschuldigungen muss ihm klar gewesen sein, dass gegen die Polizisten behördlich ermittelt wird, sind sich Staatsanwalt Thilo Schmidt und Richter Thorsten Hengel einig. Und das ist der Knackpunkt für das Strafmaß, weil es das Gericht als erwiesen ansah, dass er eine Belastungsabsicht hatte.

Hier konnte sein Verteidiger Franz Brehm aus Rottenburg ein noch so leidenschaftliches Plädoyer für seinen Mandanten halten, der schon jugendstrafrechtlich in Erscheinung getreten ist und Probleme auf seinem beruflichen Weg hat.

Der Staatsanwalt: "Es ist ein Unterschied, übertriebene Härte darzustellen oder einen Schlagstock zu erfinden, den es gar nicht gab." Und: Man sollte ein Zeichen setzten gegen Widerstand gegen Polizisten.

Das Urteil: Sechs Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt. kla

Rubriklistenbild: © pa

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