In Neuseeland den Moment gelebt

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Beim gemeinsamen Kochen mit Bewohnern der Behinderteneinrichtung "Hohepa" in Christchurch engagierte sich Michael Friedrich aus Aschau (rechts) als Zivildienstleistender.

Aschau – Ein Hauch von Wehmut schwingt mit, wenn Michael Friedrich seine Erinnerungsfotos zeigt und von der Zeit im Ausland erzählt. In Neuseeland hat er ein Jahr als Zivi gearbeitet.

"Ich leiste meinen Zivildienst im Ausland ab." Das stand für den heute 22-jährigen Michael Friedrich aus Aschau schnell fest, als es um die Frage nach dem Wie und Wo ging. Der gelernte Immobilienkaufmann stellte eigene Recherchen an und fand bald eine ihm sympathische Trägerorganisation, die verschiedene und spannende Angebote in der ganzen Welt aufbieten konnte.

Beim Ausflug mit der Fähre durch den 15 Kilometer langen Fjord "Milford Sound" in Süd-Neuseeland.

Nachdem Michael sich offiziell beworben hatte, bekam er schon bald freie Stellen in Australien und Neuseeland angeboten. Da er Neuseeland, das Land der Kiwis, schon zuvor favorisiert hatte, fiel ihm die Entscheidung zur Zusage leicht. "Bereits vier Monate im Voraus musste ich unzählige Formulare ausfüllen und jede Woche lag ein neues wichtiges Schreiben im Briefkasten", erzählt er. "Als es dann im August vergangenen Jahres schließlich soweit war und die Abreise bevorstand, kamen mir schon ein paar Gedanken, ob ich das wirklich machen soll und wie es mir fernab der Heimat ergehen wird", erinnert er sich. Erst musste auch noch ein einführendes Grundlagen-Seminar in Deutschland absolviert werden.

Doch er blieb bei seiner Entscheidung und arbeitete zunächst vier Monate lang auf einer Farm, die an eine Einrichtung für Behinderte in Christchurch an der Ostküste Neuseelands angegliedert war. Nachdem die Landwirtschaft wegen mangelnder Rentabilität abgestoßen wurde, gab man Michael schließlich die Chance, als Hilfskraft mit behinderten Menschen in der Tagesstätte zusammenzuarbeiten.

"Ich konnte da nach kurzer Einarbeitung schon bald sehr viel mit den Menschen machen, es war wirklich eine tolle Erfahrung", sagt er heute und erzählt vom gemeinsamen Kochen, von Ausflügen und Badetagen mit den liebevoll "residents" genannten Bewohnern. "Man musste sich nur trauen und als die Angestellten merkten, dass ich gut mit behinderten Menschen arbeiten kann, durfte ich auch alleine Gruppen betreuen."

Die Verständigung zwischen dem Deutschen und seinen neuseeländischen Mitmenschen sei kein großes Problem gewesen, meint Michael. Er hätte zwar früher immer Schwierigkeiten mit dem Englischen gehabt, aber durch regelmäßiges Sprechen und Üben wäre das nach kurzer Zeit nicht mehr der Fall gewesen.

Untergebracht war er zusammen mit einem Zivi-Kollegen aus Nordrhein-Westfalen in einem kleinen Wohnhaus. Für die Verpflegung hat es Gutscheine gegeben und zusätzlich sind pro Monat 150 Euro Taschengeld von der Organisation aus Deutschland überwiesen worden.

Seine Urlaubstage hat Michael Friedrich genutzt, um die beiden Inseln, aus denen Neuseeland besteht, mit dem Auto zu erkunden. "Ich habe wirklich das ganze Land mit seiner so unterschiedlichen und faszinierenden Landschaft gesehen", schwärmt er. "Die Menschen dort sind viel offener und hilfsbereiter als hier in Deutschland und leben den Moment. Die machen etwas einfach hier und jetzt, weil sie eben gerade Lust darauf haben."

Zu seinen Eltern und Freunden hielt er durch regelmäßige Anrufe und per Internet Kontakt. So konnte er ihnen stets erzählen, was er in der Ferne alles erlebte. Zum Beispiel, dass er Weihnachten mit Barbecue im Sommer gefeiert hat oder bei seiner Ankunft im August gerade Winter war, mit Temperaturen um die zehn Grad.

Aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis habe er eigentlich nur positive Rückmeldungen auf sein Engagement im Ausland erhalten, sagt Michael. Und als er nach elf Monaten Abschied von den Arbeitskollegen, Bewohnern und neuen Freunden nehmen musste, stimmte ihn das sehr traurig. "Ich wusste ja immer, dass ich meine Leute in Deutschland nach der Zivildienstzeit bald wieder sehe. Aber ob ich meine neuen Freunde aus der Einrichtung jemals wieder treffe, ist ungewiss."

Immerhin wird ihn sein Kollege, mit dem er zusammen gewohnt hat, in zwei Wochen in Aschau besuchen. Und dann können sie noch einmal in aller Ruhe in alten Erinnerungen schwelgen, bevor es im Oktober wieder ernst wird und Michaels Studium zum Wirtschaftsingenieur in Schweinfurt beginnt.

reg/Mühldorfer Anzeiger

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