"Wunsch nach Media Markt - aber ich bin Realist"

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Zum "Zehnjährigen" überraschten die Sekretärinnen Petra Schebesta und Katja Zerwesz Bürgermeister Siegfried Klika mit einer Brezen-10.

Waldraiburg - Fast wäre Siegfried Klika sein zehnjähriges Dienstjubiläum als Bürgermeister entgangen. Im Interview sprach er über seine Leistungsbilanz und welche Ziele er noch verfolgt.

Fast wäre es Bürgermeister Siegfried Klika entgangen, dass er seit genau zehn Jahren im Amt ist. "Kein Mensch hätte dran gedacht. Ich auch nicht", lacht er. Die Redaktion hat ihn an das "Zehnjährige" erinnert und folgendes Interview mit ihm geführt. Die Redaktion der Waldkraiburger Nachrichten hat ihn an das "Zehnjährige" erinnert und folgendes Interview mit ihm geführt.

Herr Klika, Sie sind seit 1. Mai 2002 Bürgermeister von Waldkraiburg. Mit welchem Gefühl schauen Sie auf dieses Jahrzehnt?

Überwiegend positiv. Als Zweiter Bürgermeister bin ich ja nicht uninformiert ins Amt gekommen. Ich hatte schon einen gewissen Einblick und Kontakte zu wichtigen Akteuren und Mitarbeitern.

Gleich im ersten Jahr mussten Sie einen Nachtragshaushalt aufstellen. Die schwierige städtische Finanzsituation hat Sie bis heute begleitet. Macht das Amt überhaupt Freude in Zeiten knapper Kassen und leerer Hände?

Vor meiner Amtszeit war ich im sozialen Bereich tätig. Da war es immer so, dass man mit wenig Mitteln zurecht kommen musste. Mit diesem Problem sind wir immer sehr vernünftig umgegangen. Sicher hätte ich mir größere finanzielle Spielräume gewünscht. Das war für mich aber nicht so tragisch wie für manch anderen.

Was war der glücklichste Tag Ihrer Amtszeit?

Als bei der Geothermie das Wasser gesprudelt ist. Drei Jahre zuvor mussten wir uns in letzter Minute gegen die Bohrung entscheiden, weil die Preise total aus dem Ruder gelaufen waren. Das war wohl die schwerste Entscheidung dieser zehn Jahre. Viele haben es uns nicht mehr zugetraut. Umso schöner ist es, dass wir dieses entscheidende Zukunftsprojekt für die Stadt dann doch erfolgreich auf die Beine gestellt haben.

Was sehen Sie als Ihren größten persönlichen Erfolg an?

Ich mag in diesem Zusammenhang nicht von persönlichem Erfolg reden. Das haben wir gemeinsam geschafft. Und die Grundidee für die Geothermie geht ja schon auf Altbürgermeister Jochen Fischer zurück.

Ein persönliches Anliegen war das Programm Sicherheit-Ordnung-Sauberkeit. Wie fällt Ihr Fazit dazu aus?

Wir haben dieses Thema gut auf die Schiene gebracht. Das belegt der äußere Eindruck der Stadt, und das lässt sich im Hinblick auf das Thema Kriminalität auch den verschiedenen Statistiken entnehmen. Das Thema Vandalismus ist mit unseren liberalen rechtlichen Vorschriften nicht besser in den Griff zu kriegen. Da müsste man härter durchgreifen. Wichtig war mir auch der Ausbau der Kinderbetreuungs- und Senioreneinrichtungen. Da steht Waldkraiburg gut da. Wir gehören zu den Kommunen mit der besten Versorgung, vor allem auch was die Vernetzung mit dem Ehrenamt angeht. Viel kritisiert wurde das Fehlen von Baugrundstücken für junge Familien. Am Fichtenweg, am Grünen Weg oder im Adolph-Kolping-Weg wurden Baugebiete auf den Weg gebracht. Und bei der energetischen und optischen Sanierung der Sozialwohnungen in Waldkraiburg-Süd sind wir trotz angespannter Haushaltslage gut voran gekommen.

Was war für Sie die größte Entäuschung?

Enttäuschungen haben immer mit Erwartungen zu tun. Ich kalkuliere vorher beide Situationen, Erfolg und Misserfolg, ein. Das Leben geht nicht immer so, wie man es sich denkt.

Große Erwartungen etwa im Hinblick auf die Entwicklung des Einzelhandels in Waldkraiburg gab es aber doch mindestens in der Bevölkerung.

Es ist klar, dass sich die Bürger einen Media-Markt wünschen. Aber ich bin Realist. Ich kenne die Probleme und Handicaps der Stadt und ihre Ausgangsposition in der Landesplanung. Wir müssen kämpfen. Und wir haben einige Erfolge erzielt, zum Beispiel wurde uns ein etwas größerer Verflechtungsbereich zugeordnet. Das reicht noch nicht. Aber es gab Teilerfolge, allen voran dass die Jahrzehnte alte Hertie-Ruine beseitigt wurde. Ich habe mich auf dicke Bretter eingestellt. Manche Löcher haben wir reingekriegt.

Also eine Amtszeit ohne Enttäuschungen?

Manchmal würde ich mir wünschen, dass die Bürger intensiver am politischen Leben teilnehmen. Die verbreitete Passivität, die geringe Wahlbeteiligung machen uns die politische Arbeit, vor allem die Vertretung Waldkraiburger Interessen im Kreistag, schwerer als notwendig.

Wie hat sich Ihre Einstellung zum Amt verändert?

Nicht die Einstellung zum Amt hat sich verändert. Verändert hat sich vielleicht mein Auftreten. Ich bin etwas lockerer geworden. Und ich habe mich immer darum bemüht, authentisch zu bleiben. Zum Glück habe ich gute Freunde, auch außerhalb der Partei, mit denen ich über die Stadtpolitik diskutieren kann und die mich kritisch begleiten.

In zwei Jahren geht Ihre Amtszeit zu Ende. Was wollen Sie in dieser letzten Phase unbedingt noch erreichen?

Das Thema Wohnen in Waldkraiburg möchte ich noch mal beackern. Wir haben nur noch wenige Grundstücke für Familien, die wir zur Baureife bringen müssen. Den weiteren Ausbau der Staatsstraße 2091 zumindest bis zur Pürtener Kreuzung sollten wir hinbringen. Ich möchte dafür sorgen, dass die Stadt den Rechtsanspruch auf Krippen- und Kinderbetreuungsplätze sicherstellen kann, und den Schulstandort Waldkraiburg stabilisieren. Ein Ziel ist die Schaffung eigener Räumlichkeiten für die VHS.

2014 gehen Sie in Ruhestand. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Auf die neu gewonnene Freiheit und Freizeit. Auf meine Basteleien und unseren Garten, den ich in den letzten Jahren sündhaft vernachlässigt habe. Ich habe nicht vor, mich dann noch groß in öffentlichen Ämtern einzubringen. Dann bin ich 67 Jahre und habe 53 Jahre Berufstätigkeit hinter mir.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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