Der letzte Schliff fürs Glasmuseum

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Mit dem Glasmuseum zeigt die Stadt, welche Schätze nordböhmischer Glasproduktion sie zu bieten hat.

Waldkraiburg - Anfang des Jahres wurde die erste Abteilung eröffnet. Das Glasmuseum Waldkraiburg bekommt mit der Fertigstellung des zweiten und letzten Teils den letzten Schliff.

Die Stadt Waldkraiburg präsentiere "im neu gestalteten Glasmuseum einen Schatz von historischen Gläsern aus Nordböhmen, der in der Region einzigartig ist". Mit begründetem Selbstbewusstsein kündigt das Haus der Kultur die Eröffnung des Museums an. 2000 Objekte gehören laut Museumsleiterin Elke Keiper zum Bestand, etwa ein Drittel wird im Museum zu sehen sein.

Elke Keiper und Denise Rott bei letzten Arbeiten vor der Eröffnung.

Was mit der engagierten Sammlungstätigkeit des ehemaligen Zweiten Bürgermeisters Erich Kieslich begann und sich über die von Dr. Carsten Carstens konzipierte Glassammlung fortsetzte, findet mit der Eröffnung des Glasmuseums jetzt seinen repräsentativen Abschluss. Das neu gestaltete Museum überzeugt hinsichtlich der Zahl und Vielfalt der Objekte ebenso wie ihrer musealen Aufbereitung.

Der bereits bekannte erste Teil vermittelt anhand von Filmmaterial, Fotos, Dokumenten und Objekten einen Überblick über die Herstellung von Glas sowie die verschiedenen Techniken seiner Veredelung durch Bemalen, Schliff oder Gravur. Der zweite Abschnitt widmet sich nun der Präsentation der ältesten Glasobjekte aus dem 18. Jahrhundert, herausragender Einzelstücke und Schwerpunkte der Sammlung. Inszeniert in Schaukästen, die liegenden Gläsern nachempfunden sind, sowie in Glasvitrinen werden 300 Jahre nordböhmischer Glasgeschichte beleuchtet.

Kunstvoll veredelte Stücke aus dem 19. und aus dem frühen 20. Jahrhundert werden gezeigt, aus der Zeit des Biedermeier, des Historismus und des Jugendstils etwa. An die Werkstatt des bedeutenden Glasmalers und Unternehmers Friedrich Egermann aus Haida, dem Zentrum der nordböhmischen Glasproduktion, ist ebenso Thema wie die "Glasfamilie" Pfohl, die stellvertretend steht für die generationenübergreifende Weitergabe des Wissens und die Tradition des Glasgewerbes.

In dieser reichen Tradition steht auch die ehemalige Waldkraiburger Glashütte, die von 1950 bis 1970 betrieben wurde, eines der ersten großen Unternehmen in der Stadt, die bis zu 120 Menschen in der Hütte und vielen Hunderten in den Veredelungsbetrieben Arbeit gab. Auch dieser Bereich ist gut bestückt. Nicht nur auf zahlreiche Informationen von ehemaligen Mitarbeitern und Kennern der Hütte konnte die Museumsleiterin zurückgreifen. Keiper freut sich über zahlreiche Schenkungen: farbige Gläser, aufwändig bemalte oder kunstvoll geblasene Stücke, die die Vielfalt der Waldkraiburger Produktion dokumentieren.

Etwa zwei Jahre lang hat Keiper intensiv am Museum gearbeitet, mit Unterstützung unter anderem von Museumsvolontär Dietrich Maurer und zuletzt in Zusammenarbeit mit einem Museumsgestalter.

Die Pesonalkosten nicht eingerechnet, habe das Glasmuseum gut 100000 Euro gekostet, sagt die Museumsleiterin. Die Stadt - trotz schwieriger Finanzlage - und der Förderverein Stadtmuseum, der viele Spenden akquirierte, haben an einem Strang gezogen, um das Projekt zu realisieren.

Am Sonntag, 6. November, wird das Museum in einem Festakt um 15 Uhr der Öffentlichkeit übergeben.

hg / Mühldorfer Anzeiger

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