Günter Manz: Bei solchen Triezereien sterben kleine Christkindlmärkte - Landratsamt klärt auf

Lebensmittelüberwacher verunsicherte

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Das selbstgemachte Quittengelee von Günter Manz Frau war dem Vertreter der Lebensmittelüberwachung ein Dorn im Auge. Er wollte den Verkauf auf dem Aschauer Christkindlmarkt untersagen, weil Herstellungs- und Verfallsdatum fehlten sowie der Nachweis über die Inhaltsstoffe. "Bei dieser Art der Kontrolle sterben kleine Christkindlmärkte".

Aschau - Auf dem Christkindlmarkt hatte ein Lebensmittelkontrolleur für Unruhe gesorgt. Wegen fehlender Gesundheitszeugnisse von ehrenamtlichen Helfern drohte er, den Markt zu schließen.

Aus der Rubrik der OVB-Heimatzeitungen "Was mich freut - Was mich ärgert":

Ein Vertreter der Lebensmittelüberwachung aus dem Bereich Verbraucherschutz hat am Freitag auf dem Aschauer Christkindlmarkt während der Eröffnung der Kunstausstellung für Verunsicherung und Unruhe unter den Standbetreibern gesorgt. Er wollte "Vorschriften durchsetzen" und den "Verbraucherschutz" gewährleisten, drohte einigen mit der Schließung ihres Standes, weil sie die Inhaltsstoffe ihrer Speisen nicht ausgewiesen hatten. Oder weil nicht alle das Gesundheitszeugnis - das man in der alten Form gar nicht mehr braucht - hatten, berichtet Günter Manz, der auch mit ihm zu tun hatte.

Gabi Reiter vom Kindergartenförderverein, der den Markt organisiert, erzählt auf Anfrage, sie habe am Gesundheitsamt eigens eine Prüfung abgelegt, zusammen mit zwei weiteren Vereinsmitgliedern. "Es hätte gereicht, wenn einer von uns diese Bescheinigung vorweisen kann. Für die anderen Ehrenamtlichen reicht eine Unterweisung, die ich ihnen geben darf; und eine Unterschrift auf einer zweiseitigen Belehrung", so Reiter. Sie habe dem Vertreter vom Gesundheitsamt gesagt, er sei nicht auf dem aktuellen Stand der Vorschriften. Aber er habe von allen ein Gesundheitszeugnis sehen wollen und gedroht, sie zu sperren. Alle Mitwirkenden seien - abgesehen vom Mandelstand Stey - keine gewerblichen Betreiber, sondern Ehrenamtliche, die für den guten Zweck arbeiten: für die Jugend und die Kinder.

Befürchtung, dass keiner mehr kochen oder backen will

Günter Manz, der an einer Bude für die Kuratie St. Josef Aschau-Werk Selbstgemachtes verkaufte, spricht von "Triezen" und "Drangsalieren". Der Mann von der Lebensmittelüberwachung verlangte eine Etikettierung etwa der Plätzchentüten. "Das macht uns keiner mehr mit. Omis und Mamis, die für uns Plätzchen backen, können doch nicht tagelang Etiketten ausdrucken, was in ihrem Plätzchen oder Marmeladen drin ist", stellt Reiter fest. Vom geforderten Verfallsdatum oder dem Allergikerhinweis ganz zu schweigen. Da wisse doch niemand, was er draufschreiben soll.

Genau das wollte der Mann vom Amt auch von Günter Manz. Er wollte ihm den Verkauf von Quittengelee, das Manz' Frau gemacht hatte, untersagen. Und die 250-Gramm-Tütchen mit Plätzchen waren ihm auch nicht ausreichend beschriftet. Da sollte der Macher draufstehen. Der Aschauer Gemeinderat ließ sich auf eine rund 45-minütige Diskussion mit dem jungen Mann ein, der auf ihn einen sehr unerfahrenen Eindruck gemacht habe, so Manz.

Den Ministranten habe der Kontrolleur gedroht, er werde ihren Stand schließen, wenn sie nicht binnen einer Stunde die Inhaltsstoffe ihrer Speisen - Gulaschsuppe und etwa Schinken-Käse-Toast - aushängen. Einer der jungen Leute fuhr rasch heim und druckte sich die Infos aus dem Internet aus, berichtet Manz, der diese Art von Kontrolle noch nie erlebt hat.

"Gnädigerweise sah der junge Mann darüber hinweg, dass nicht an allen Lebensmittelbuden fließendes Wasser zum Händewaschen vorhanden war", erzählt er weiter, denn das habe er sich auch noch anhören müssen. Er sei sehr verärgert über diese Vorgehensweise. "Da sterben solche kleinen Christkindlmärkte. Das sind lauter freiwillige Helfer, die haben keine Lust, sich drangsalieren zu lassen."

Wer Plätzchen & Co. auf Märkten verkauft, tut es gewerbsmäßig

Das Landratsamt Mühldorf reagiert mit einer Stellungnahme. Im Lebensmittelrecht sei nur die Abgabe von Lebensmitteln im häuslichen Bereich "nicht gewerbsmäßig". Bei einem Christkindlmarkt werden Lebensmittel gegen Entgelt abgegeben und der Besuch des Marktes stehe einem uneingeschränkten Personenkreis offen, so Pressesprecherin Sandra Schließlberger.

Allerdings hätte nach dem Infektionsschutzgesetz die Prüfung, die Gabi Reiter gemacht hatte und die Unterweisung ihrer Mitarbeiterinnen mit Unterschrift ausgereicht. "Jeder, der Lebensmittel verkauft, muss diese schriftliche Infektionsschutzbelehrung bei sich tragen", sagt die Sprecherin des Landratsamtes und glaubt an ein Verständigungsproblem. Die Marktbetreiber und Lebensmittelunternehmer verwenden die Wörter "Gesundheitszeugnis" und Infektionsschutzbelehrung" nebeneinander. Bis zum Stichtag 1. Januar 2001 hieß die Erstbelehrung "Gesundheitszeugnis", seit diesem Zeitpunkt lautet die offizielle Bezeichnung "Infektionsschutzbelehrung". Laut Schließlberger konnten die Verkäufer am Aschauer Christkindlmarkt diese nicht vorlegen.

Auch Selbstgemachtes muss gekennzeichnet werden

Sie erklärt weiter, die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung sage aus, Lebensmittel in Fertigpackungen müssen aus Gründen des Verbraucherschutzes gekennzeichnet sein. Die geforderten Angaben: Wer ist der Hersteller? Mindeshaltbarkeitsdatum, Zutaten, Hinweise auf allergene Stoffe, Füllmenge oder Gewicht sowie die genaue Bezeichnung des Produktes, also die "Verkehrsbezeichnung". "Zu Fertigpackungen zählen aus selbstgemachte Lebensmittel, die in Abwesenheit des Käufers abgepackt und verschlossen werden und anschließend zum Verkauf angeboten werden", erklärt Schließlberger.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

Zurück zur Übersicht: Region Waldkraiburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser