Laufclub Bayern vor Zerreißprobe?

Waldkraiburg - Turbulenzen beim Laufclub Bayern: Präsidentin Rosi Ober hat ihren Rücktritt erklärt. Der Grund: Kompetenz-Streitigkeiten!

Die Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Gründer und Ehrenvorsitzenden, Erwin Fladerer, und der verbliebenen LC-Vorstandschaft um den kommissarischen Vorsitzenden Dieter Matzner stellen den Verein vor eine Zerreißprobe.

Er ist über die Läuferszene hinaus Stadtgespräch: der Konflikt im LC Bayern, der auch bei einem Treffen von Fladerer und Teilen des Vorstands Anfang der Woche offensichtlich nicht beigelegt werden konnte.

Ausgelöst wurde er durch ein Gespräch, das Erwin Fladerer mit den Vorsitzenden der LG Mettenheim über eine Zusammenarbeit der beiden Laufvereine, etwa im Bereich der Jugendarbeit, geführt hatte. Auch eine Fusion der Vereine war dabei Thema. Das Gespräch verlief ergebnislos. Doch es sorgte für große Aufregung in der LC-Vorstandschaft, die 2009 das Erbe des Gründungsvorsitzenden angetreten hatte.

Das Gespräch, über die Rosi Ober, LC-Präsidentin und Lebensgefährtin Fladerers, die Vorstandschaft im Nachhinein informierte, wurden im Gremium als klare Kompetenzüberschreitung Fladerers gewertet. In der Sitzung, in der Ober von ihrem Amt zurücktrat, wurden mehrheitlich Konsequenzen beschlossen: Fladerer wurden die Schreibzugriffsrechte auf die Homepage des Clubs sowie die Nutzung der zentralen Email-Adresse entzogen und damit Arbeiten, die er seit Gründung des Vereins bis zuletzt geleistet hatte.

In einem Schreiben an die Mitglieder, das der Redaktion vorliegt, begründet die Vorstandschaft diese Schritte mit dem Alleingang des Ehrenvorsitzenden "hinter ihrem Rücken". Ausdrücklich werden zwar Einsatz und Verdienste Fladerers gewürdigt, zugleich aber festgestellt: Als Ehrenvorsitzender habe dieser keine Sonderrechte. Als weiteren Grund für den Entzug der Zugriffsrechte auf die Homepage werden "zunehmend kritische und provokante Formulierungen" genannt.

Weitere Schritte, wie die Herausgabe des zweiten Postfachschlüssels und die Rückgabe von Vereinseigentum, droht der Vorstand in dem Brief an. Sie wurden bislang nicht vollzogen.

Mit dem Schreiben hatte das Führungsgremium auf eine vorangegangene Mail reagiert, mit der der Ehrenvorsitzende, der den 230 Mitglieder starken Verein 2001 gegründet hatte, seine Sicht der Dinge darstellt. In einem "Schnellgericht" seien ihm über Nacht alle Kompetenzen genommen worden, ohne mit ihm vorher zu sprechen, heißt es da. Die Vorstandschaft mache "sein Lebenswerk zunichte". Fladerer bittet die Mitglieder um Unterstützung und deutet die Möglichkeit an, zusammen mit Rosi Ober den Verein zu verlassen: "Vermutlich" werde er "zu neuen Ufern aufbrechen".

Auch nach dem jüngsten Gespräch weist Fladerer den Vorwurf der Kompetenzüberschreitung zurück. Er habe keinen Fehler gemacht, so der Ehrenvorsitzende, der diese Rolle allerdings ganz anders interpretiert als seine Kritiker. "Auch Bayern-Ehrenpräsident Beckenbauer sitzt nicht in Salzburg und dreht Daumen, sondern bringt sich weiter in das Geschehen ein." Bei den Gesprächen sei es ihm allein um das Wohl des Vereins gegangen. "Ich wollte mein Kind LC Bayern nicht verkaufen." Es sei völlig klar, dass die Entscheidung über eine Zusammenarbeit nicht bei ihm, sondern bei der gewählten Vorstandschaft liege.

Dass es doch noch zu einem Kompromiss kommt, diese Hoffnung hatte Ex-Präsidentin Rosi Ober an das Gespräch Anfang der Woche geknüpft. Wie mit Erwin Fladerer umgegangen worden sei, "ist menschlich nicht in Ordnung". Von Anfang an seien zwei Mitglieder des Vorstands gegen ihn eingestellt gewesen, so Ober, die sich im Herbst 2009 zur Wahl gestellt hatte, damit es mit dem Verein weitergehe. "Ich saß zwischen allen Stühlen", begründet sie ihren Rücktritt im August.

Dieter Matzner will die Vorkommnisse nicht öffentlich kommentieren. Es handle sich um einen "vereinsinternen Vorgang, den nicht wir hinausposaunt haben". Er wolle durch keine Äußerungen negativ in den laufenden Prozess eingreifen, so der kommissarische Vorsitzende.

Laut Fladerer haben sich beide Seiten nach dem Gespräch eine Woche Bedenkzeit ausgebeten. Wie es dann weitergeht, lässt er offen.

Eine Rückkehr in ein Vorstandsamt kann er sich ebenso wenig vorstellen wie Rosi Ober. Beide sind weiterhin bei Lauftreffs und Trainings aktiv. "Ich will nicht hinschmeißen, wir haben so vieles aufgebaut."

Der Ehrenvorsitzende fordert allerdings die "volle Rehabilitation". Er bestehe nicht auf die Rücknahme der beiden Maßnahmen, doch er erwarte eine Entschuldigung, so Fladerer gestern gegenüber unserer Zeitung. Andernfalls schließt er einen Ausstieg aus dem Verein nicht aus. "Ein großer Teil der Mitglieder wird sich anschließen", glaubt er. Er habe "mindestens 50 Mails erhalten, in denen Mitglieder ihre Enttäuschung über die Vorstandschaft ausdrücken".

hg/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © pa

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