"Lass die Sonne in dein Herz hinein"

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Christian Miler, lässig und cool in seinem Rapper-Outfit in seinem eigenen kleinen Studio. Hier schreibt er seine Liedtexte und produziert dazu Sounds und Beats.

Waldkraiburg -  "Du bist mein Star!" So sehr schätzen sich Christian Miler und seine 12-jährige Tochter und drücken das gemeinsam in einem seiner Lieder aus.

Vieles hat der 37-Jährige in seinem Leben durchgemacht: Heim, Drogen, Knast und Krieg. Nun verarbeitet der Waldkraiburger seine Sorgen und Wünsche in seinen Liedern und hilft Jugendlichen mit seiner Musik ihren Weg im Leben zu finden.

Zehn Jugendliche des AWO Jagus Projekte-Hauses führte Christian Miler heuer anlässlich des Stadtjubiläums in die Kunst des Rappens ein. Sie schrieben gemeinsam ein Geburtstagslied für Waldkraiburg und gaben es am Stadtfest und bei der "Miss und Mister Waldkraiburg Wahl" zum Besten. "Happy birthday Waldkraiburg, happy birthday to you, happy birthday, ruf ich dir zu!", rappen sie im Lied.

Die Jugendlichen haben sich vom Rap-Fieber anstecken lassen und pflegen die Freundschaft mit Miler, die während des einmaligen Projektes entstand, heute noch. Musik verbindet, sagt er und erzählt, dass diese Jugendlichen aus zerrütteten Familien stammen und es schätzen, dass sie jemand respektiert und ihnen viel zutraut.

In seinem Leben ist auch nicht alles rosig verlaufen und er musste sich durchbeißen. "Ich weiß, wie sich die Kids fühlen", sagt er und hofft, dass er die Jugendlichen von der Straße ziehen kann. Er ist in seinen jungen Jahren an die falschen Leute geraten und hat viel Mist gebaut. Mit seiner Musik und der Zusammenarbeit mit den Jugendlichen möchte er ihnen seine Erfahrungen mitteilen und ihnen die Illusion nehmen, dass man als Gangster auf der Straße viel erreichen kann.

Da das Projekt ein großer Erfolg war, nimmt der 37-jährige das nächste Konzert in Angriff. Mit vielen verschiedenen Künstlern will er Anfang Oktober ein Riesen-Konzert aufziehen. Die Schenkerhalle würde sich seiner Meinung nach dafür eignen.

Bis zu seinem achten Lebensjahr wohnte er in Waldkraiburg, und zog dann mit seiner Mutter nach München. "Back to the roots", so bezeichnet der Rapper seine Rückkehr nach Waldkraiburg vor sechs Jahren. "Hier konnte ich wieder zu mir selbst finden und meine Vergangenheit hinter mir lassen", sagt er. Auf seine Vergangenheit sei er nicht stolz, berichtet er, aber nun gehöre sie einmal zu seinem Werdegang.

Von Deutschland die Nase voll, haute er zwischendrin ab nach Kroatien, wo er Verwandte hat. Im Kroatienkrieg während der Balkankonflikte in den 90ern wurde er von den Kriegsschrecken geprägt und schlief nachts aus Angst mit Handgranaten.

Mit 20 Jahren schrieb er seinen ersten Song, und danach ließ ihn die Musik nicht mehr los. "Musik gibt mir Kraft." Mit seinem Bruder, der in München das Label "Flow and Flavour Records" besitzt, arbeitet er eng zusammen und mischt dort seine Lieder. Zusätzlich hat er sich in seiner Wohnung ein kleines Studio eingerichtet, wo er in Ruhe seine Texte schreiben und dazu den Sound und die Beats produzieren kann.

Der derzeitige Hartz-IV-Empfänger sandelt nicht rum, sondern gestaltet seinen Alltag sinnvoll, wie er sagt. "Ich sehe mich nicht im Büro einer Fabrik sitzen. Ich möchte mit meiner Musik durchstarten", sagt er zielsicher. Drei Jahre lang arbeitete der Künstler an seinem Album, das bald fertig sein wird. 34 Songs schrieb er in dieser Zeit, von denen er die besten zwölf für sein Album rausgepickt hat.

Seine Lieder handeln von Liebe und einer besseren Welt. "Lass die Sonne in dein Herz hinein", rappt er und will damit sagen, dass man offen für das Leben sein soll und das Lächeln dabei nie vergessen soll. Musik sei für ihn ein Sprachrohr, sagt er, mit dem er die Gesellschaft zum Besseren verändern möchte.

Sein Glaube an Jesu ist ihm sehr wichtig, jedoch möchte er in seinen Songs niemanden mit Religion "erschlagen". Deswegen kommt das Thema Religion in seinen Texten so gut wie nie vor.

Von "Bushido", "Sido" und weiteren Berliner Rappern hält er nichts. Zu menschenverachtend seien ihre Texte. Aber er ist der größte Fan von "Xavier Naidoo" und den "Söhnen Mannheims". Auch von den berührenden Texten Grönemeyers und Peter Maffays ist er begeistert.

Er liebt die Zusammenarbeit mit Jugendlichen und möchte sie mit seiner Musik unterstützen. "Ein Studio, in dem die Kids unentgeltlich ihre Musik produzieren können, das fehlt in Waldkraiburg", beklagt er und möchte das ändern. Im Kreisjugendring gibt es ein Tonstudio, das gemietet werden kann. Es sei nur "schweineteuer", sagt er und fragt sich, wie sich Jugendliche das leisten sollen.

Für seine Zukunft wünscht er sich, vor einem großen Publikum seinen Rap aufführen zu können. "Gentlemen-like mit Anzug und Rose auf der Bühne stehen", so stellt sich Miler sein Erkennungszeichen vor.

bos/Mühldorfer-Anzeiger

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