Den Rätseln der eigenen Familie auf der Spur

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Verfolgen die Spur ihrer Ahnen - auch mit Hilfe des Internets (von links): Sieglinde Flamm, Anton Sterr, Dietmar Heller und Ella Fischer. Die vier diskutieren über ihre Fortschritte bei der Suche nach Vorfahren.

Waldkraiburg - Wie hießen meine Urgroßväter und in welchen Verhältnissen lebten sie? Eine Gruppe von Ahnenforschern beschäftigt sich mit solchen Fragen.

Das Rätsel der eigenen Abstammung gemeinsam lösen: Mit dabei sind die beiden Stadträte und erfahrenen Ahnenforscher Dietmar Heller und Anton Sterr sowie Ella Fischer, die gerade erst mit der Suche nach Vorfahren begonnen hat.

Bis ins 13. Jahrhundert kann Dietmar Heller die Spur seiner Ahnen zurückverfolgen. "Der älteste Vorfahre muss wohl um 1250 gelebt haben", sagt der 66-Jährige. Jeder Ahne ist auf Hellers Homepage im Internet verzeichnet. Andere Forscher, die sich für einen Zweig der Familie interessieren, können auf diese Weise mit Heller in Kontakt treten

Denn Stammbäume überschneiden sich natürlich und oft sucht der Waldkraiburger noch nach einem Vorfahren, den ein anderer Forscher schon gefunden hat. So erleichtert das Internet den Genealogen, wie die Familienforscher im Fachjargon heißen, die Arbeit immer mehr.

Verwandt mit Karl dem Großen

Insgesamt 18000 Ahnen hat Dietmar Heller inzwischen zusammengetragen. Möchte man den weit verzweigten Stammbaum ausdrucken, müsste das Blatt mehr als 500 Meter lang sein. Die Familie von Dietmar Hellers Vaters stammt hauptsächlich aus Franken, Württemberg und Schwaben, die der Mutter aus dem Sudetenland. Auch die berühmten Fugger aus Augsburg kommen im Stammbaum des Waldkraiburgers vor. "Und die Frau meines zwölften Urgroßvaters war sogar mit Karl dem Großen verwandt", erzählt er stolz.

Mit dem Virus Ahnenforschung hat sich Heller - wie sollte es anders sein - bei seinen Vorfahren angesteckt: "Mein Großvater und mein Vater haben schon einiges zusammengetragen. Vor ungefähr 15 Jahren habe ich dann selbst angefangen, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Und es hat mich nie wieder losgelassen."

Die Aufzeichnungen der Familie waren bis dahin nur auf Papier vorhanden. Mit der Hilfe seines Stadtratskollegen Anton Sterr, der schon länger mit großer Begeisterung in der eigenen Familiengeschichte gestöbert hatte, übertrug Heller die Forschungsergebnisse in ein Computerprogramm. Ohne digitale Hilfe wäre er wohl nie auf so viele Ahnen gestoßen.

Austausch über Archivbesuche

Inzwischen geben Sterr und Heller ihr Wissen an andere weiter. Einmal im Monat treffen sie sich mit einer Gruppe von Familienforschern in Waldkraiburg und diskutieren über Computerprogramme, Archivbesuche und Fortschritte bei der eigenen Suche. Für jedes Treffen bereitet Anton Sterr eine Präsentation mit nützlichen Tipps vor. Besonders groß ist das Interesse der Waldkraiburger an der Ahnenforschung in den Ostgebieten. Denn viele sind Heimatvertriebene, deren Vorfahren im heutigen Polen oder Tschechien lebten. Die meisten waren deshalb auch schon einmal in einem Archiv außerhalb Deutschlands, um in alten Geburts- oder Heiratsregistern nach bekannten Namen zu suchen.

Jeden Monat kommen mehr Menschen zum Treffen der Ahnenforscher. Beim letzten Mal waren es schon weit über 20. Einige sind schon richtige Experten, die sich mit anderen austauschen wollen, um vielleicht doch noch eine Lücke im Stammbaum zu schließen. Andere haben noch nicht viel Erfahrung mit der Genealogie und wollen sich hier ein paar Tipps holen. Zu dieser Gruppe gehört Ella Fischer.

Die 81-Jährige stammt aus dem Egerland und wurde nach dem Krieg mit ihrer Familie von dort vertrieben. Über alte Urkunden, die ihr die Eltern hinterlassen haben, kann sie die eigene Familiengeschichte bis etwa 1840 zurückverfolgen. "Aber ich möchte noch viel mehr über meine Vorfahren wissen. Ich hatte wohl auch einen Bruder, der als Kind verstorben ist", sagt Fischer.

Noch oft reist sie in die alte Heimat, um mit Bekannten über ihre Familie zu sprechen. Manchmal studiert sie auch die Inschriften der Grabsteine dort, um Hinweise auf Ahnen zu finden. Die Ergebnisse notiert sie dann in einem großen Buch. Bisher ist Ella Fischer bei ihren Recherchen ohne das Internet ausgekommen: "Aber falls ich es einmal brauche, könnte mir meine Tochter bestimmt helfen."

Die Ahnenforscher treffen sich jeden ersten Freitag im Monat um 19 Uhr - ab jetzt im Toerringhof. Das nächste Treffen ist am 4. Mai.

bea/Waldkraiburger Nachrichten

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