Wer lange hustet, lebt wirklich lange!

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Dr. Susanne Modaberri, Fachärztin für innere Medizin (Zweite von links) erklärt das Bronchoskop

Waldkraiburg - Diese Volksweisheit erklärte Chefarzt Dr. Christian Wiesner auf dem "Tag der Atemwege und der Lunge" im Haus der Kultur als richtig.

Mit seinem Vortrag gehörte er zu den Fachärzten der Kreiskliniken Mühldorf und Haag, die neben der Volkshochschule zu den Ausrichtern der Veranstaltungsreihe "4x4 der Gesundheit: Medizin - Anschauen, Anfassen, Mitmachen" zählten.

Zu den kostenlosen Aktionen, Serviceangeboten, Informationsständen und Fachvorträgen waren zeitweise bis zu 100 Besucher gekommen, so dass zusätzliche Stühle in den kleinen Saal getragen werden mussten und die Schlange am Stand zur Lungenfunktionsmessung kaum abriss.

Beim "Tag der Atemwege und der Lunge" am vergangenen Samstag im Haus der Kultur.

Vor allem Frauen und Männer in der zweiten Hälfte des Lebens drängten sich am Stand zur Funktionsdiagnostik im Bereich Lunge, ließen Blutdruck und die Sauerstoffsättigung ihres Blutes messen oder testeten mit einem Zwicker auf der Nase durch Ein- und Ausatmen in den Pneumotachographen ihre Lungenfunktion.

Einer der Fachärzte, die die Daten auswerteten, war Dr. Wiesner. Er wurde dabei oft in spezielle Patientengespräche verwickelt. In dem Zusammenhang konnte der Experte auch auf die seit März diesen Jahres bestehende Interdisziplinäre Lungenstation im Mühldorfer Kreiskrankenhaus verweisen, die eine Behandlung von der Diagnostik bis zur Nachsorge in nur einer Abteilung erlaubt.

Seine Kollegin Dr. Susanne Modaberri führte am Nachbarstand eine Bronchoskopie mit Ultraschallkopf an einem Bronchomodell vor. Dabei folgten interessierte Besucher dem Gang durch die Atemwege, wie er durch die Präsentation des neuen endobronchialen Ultraschalls am Monitor darstellbar ist.

Die gewonnenen Bilder im Organinneren können dann gespeichert und später weiterverwendet werden. Überdies erläuterte die Fachärztin, dass sich mit der winzigen Punktionsnadel Gewebe zur Testung auf Krebszellen entnehmen ließe.

Schlafbezogene Atemstörungen, aber auch Bewegungsstörungen der Beine, Schlaflosigkeit und ausgeprägte Schläfrigkeit beschäftigen täglich Dr. Cristina Bartos, Leiterin des Schlaflabors an der Klinik Haag, die an ihrem Stand gern Auskunft über Untersuchungsmethoden gab.

Dazu war am Bildschirm ein Auswertungsdiagramm zu sehen, auf dem etwa die Atembewegungen, der Kohlendioxidgehalt des Blutes, Hirnströme, Augenbewegungen und die Muskelanspannung bei den Patienten gemessen worden waren.

In Nachbarschaft dazu befand sich die Vertretung der Neufahrner Fa. Vivisol, deren Geräte bei der Versorgung von Patienten mit Schlafapnoe und Sauerstoff -Langzeitpatienten zum Einsatz kommen. Richard Fox, einem von ihnen, begegneten die Besucher am Stand der Deutschen Sauerstoffliga LOT.

Er warb mit Informationsmaterial und seinem Erfahrungswissen für die Bildung eine Selbsthilfegruppe mit Sauerstoff-Langzeitpatienten auch in unserer Region.

Währenddessen zeigen Chefarzt Dr. Wolfgang Richter bzw. Dr. Lutz Woldrich aus der Mühldorfer Chirurgie an einem Dummy, wie schwierig es ist, mit der sogenannten Schlüssellochchirurgie präzise Eingriffe an der Lunge vorzunehmen. Die Probanden aus dem Besucherkreis durften dazu das verlängerte Chirurgenbesteck durch eine minimale Öffnung führen und mit viel Fingerspitzengefühl kleine Gummibären herausholen, was den meisten erst nach einigen Fehlversuchen gelang.

Diese minimal-invasive Chirurgie ermögliche jedoch eine schnellere Wundheilung, senke die Schmerzen und könne auch ambulant vorgenommen werden, war dabei zu erfahren.

Schließlich warb die Volkshochschule unter dem Motto "Gesundheit und Fitness" für die Teilnahme an passenden Veranstaltungen, wie "Die Heilkraft der Stimme" im Einklang mit Atmung und Körper sowie mit Besuchen in der Kirchweihdacher Salzgrotte für Erwachsene und Kinder mit Atemwegsproblemen.

Besonderes Interesse weckten bei den Waldkraiburgern und ihren Gästen die zweimal am Tag gehaltenen Fachvorträge zu den Themen "Wer lange hustet, lebt lange!?" (Dr. Wiesner), "Rauchen aufhören - wie geht's?" (Dr. Modaberri) und "Erholsamer Schlaf - Tipps und Tricks" (Dr. Bartos), bei denen oft alle Plätze besetzt waren.

Die Experten betrieben dabei vor dem Publikum Ursachenforschung für die Entstehung bestimmter Krankheiten und Abhängigkeiten, sprachen über wirksame Therapiekonzepte und beseitigten landläufige Irrtümer.

Beim Verlassen der Veranstaltung hatten die Besucher das gute Gefühl, als medizinischer Laie ernstgenommen und um einiges wissender geworden zu sein.

Mühldorfer Anzeiger

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