Krankheit läuft nebenher

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Lebt seit acht Jahren mit Parkinson: Bernhard Förster.

Waldkraiburg - "Parkinson hat 100 Gesichter", sagt Bernhard Förster. Der 69-Jährige bekam vor acht Jahren die Diagnose, an der Krankheit zu leiden.

Alles fing damit an, dass seine Feinmotorik nachließ, dass der Schreiner sein Werkzeug nicht mehr halten konnte. Als Regionalleiter der Parkinson Selbsthilfe Gruppe will er Betroffene aufklären und ihnen Mut machen. Sein Rat: Nicht verrückt machen!

Bernhard Förster bekam vor acht Jahren die Diagnose "Morbus Parkinson" - eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung, auch bekannt als "Schüttelkrankheit".

Försters Sehnen und Gelenke wurden steif, seine Feinmotorik ließ nach, bis der Schreiner sein Werkzeug nicht mehr halten konnte. "Ich merkte, dass etwas nicht stimmt", so der 69-Jährige aus Jettenbach. Aber erst der dritte Neurologe habe ihm Gewissheit verschaffen können, schließlich habe die Krankheit viele Facetten, er spricht von "100 Gesichtern". Anlässlich des Welt-Parkinson-Tages am 11. April berichtet er, wie er mit der Krankheit lebt.

"Tabletten können helfen, aber heilbar ist Parkinson nicht", so Förster, der heute Regionalleiter der Parkinson Selbsthilfegruppe in Waldkraiburg ist. Weltweit leben über sechs Millionen Menschen mit Parkinson - allein in Deutschland sind es fast 300000 Betroffene, die sich ihrer Krankheit täglich stellen müssen, klärt die Deutsche Parkinson Vereininigung in Neuss auf. Förster fährt zu Konferenzen nach Neuss und hat auch sonst allerhand mit seiner Selbsthilfegruppe zu tun.

Noch schränkt ihn die Krankheit nicht zu sehr ein. Er sei gut auf Medikamente eingestellt, die Symptome haben sich auf einem Level eingependelt, mit dem er klar komme. Die medikamentöse Behandlung sei bei jedem Patienten eine ganz individuell abgestimmte Therapie, die auch mit seinen Tabletten fürs Herz und Osteoporose in Einklang gebracht werden müssen. Die Behandlung ist teuer, die Medikamente kosten jeden Monat rund 1500 Euro - die zum Glück die Krankenkasse übernehme.

"Parkinson läuft bei mir nebenher, ich mache mir keine allzu großen Gedanken. Man darf sich einfach nicht verrückt machen." Derzeit sei er zufrieden mit seinem Zustand, mache fast täglich Sport, "damit die Gelenke nicht einrosten". Das halte die Krankheit auf. Wie der Verlauf "seines Parkinsons" weiter gehe, sei ungewiss. Dass die Beweglichkeit weniger wird, darauf stellt er sich ein. Bis jetzt fährt er kurze Strecken noch selbst mit dem Auto - vorsichtig, wie er betont. Er will kein Risiko eingehen. "Wenn es nicht mehr geht, muss ich es sein lassen."

Er lebt mit seiner Krankheit, die auch von seiner Familie und der Lebensgefährtin mitgetragen wird. Nicht jeder Betroffene kann mit der Diagnose so gut umgehen. Ihnen rät Förster, sich psychologische Hilfe und Unterstützung vom Neurologen zu holen. Auch seine Selbsthilfegruppe kann eine Stütze sein.

Sie besteht in Waldkraiburg seit zehn Jahren und hat derzeit 30 Mitglieder. Jeden Freitag trifft sich die Gruppe von 14.30 bis 16 Uhr im Haus Unterm Regenbogen in der Siemensstraße 1d. Bei den Treffen redet man über alle Probleme, die Parkinson mit sich bringt. "Wir machen gemeinsam Gymnastik und uns gegenseitig Mut", so Förster, um nicht zu verbittern, zu resignieren oder gar depressiv zu werden. Betroffene sollen lernen, den Alltag trotz Erkrankung so schön wie möglich zu gestalten.

Infos bei Bernhard Förster unter Telefon 08638/ 72624.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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