Klimaschutztag in Waldkraiburg

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Waldkraiburg - Klimaschutz geht alle an. Das dürfte mittlerweile bekannt sein. Umso beschämender ist es, dass beim Klimaschutztag des Landkreises, der im Haus der Kultur stattfand, nicht mehr Besucher anzutreffen waren.

Auch Landrat Georg Huber sprach sein Bedauern darüber aus.

"An Fukushima kommt keiner vorbei", sagte Dr. Marcel Huber in seiner Ansprache beim Klimaschutztag und sprach den drastischen Bruch des Vertrauens in diese Technik an. Die Kernkraftnutzung müsse schnell und mit kühlem Verstand beendet werden, daher brauche man ein "kluges Management der Energiewende". "57 Prozent unseres Stromes stammt aus der Kernkraft, die sehr CO2-sparend ist. Bei der Abschaltung wird uns dieses Thema entgegenschnalzen", so der Staatskanzleichef, schließlich gelte es auch, 40 Prozent CO2 einzusparen. Es brauche einen großen Konsens in der Bevölkerung. "Wir benötigen die Akzeptanz von Windrädern, Biogas und Fotovoltaik in der Landschaft", so Dr. Huber.

Klimaschutztag in Waldkraiburg

Landrat Georg Huber betonte, der Klimaschutz könne nicht nur vom Landkreis vorgegebenen werden. "Es sind die Städte und Gemeinden und dann die Bürger, die gefordert sind." Jeder sei vom Klimawandel betroffen. Es gelte nun, die Betroffenen zu Beteiligten zu machen. Er erklärte, Klima- und Umweltschutz sei längst nicht mehr nur ein Betätigungsfeld für "grüne Spinner" und "Sozialromantiker". Gleichzeitig kündigte er den Auftakt des Klimaschutzfahrplanes des Landkreises an und verwies auf die Vorbildfunktion der Landkreise und der Kommunen, die Klimaschutz-Management betreiben.

Professor Wolfgang Seiler, Direktor am Institut für Meteorologie und Klimaforschung sprach in seinem Vortrag über das Thema "Warum müssen sich Kommunen für den Klimaschutz einsetzen?"

Der Klimawandel sei unausweichlich, er komme schneller und umfangreicher als erwartet. International werde gefordert, den Klimawandel auf plus 2 Grad Celsius zu stabilisieren. Unfangreiche CO2-Emissionsminderungen werden gebraucht und das müsse da erfolgen, wo die Emission herkommt: beim Bürger, also auf kommunaler Ebene.

Berichtete von den erfolgreichen geothermischen Bohrungen in Waldkraiburg: Professor Johann Goldbrunner.

Der Klimawandel habe neben den ökologischen und ökonomischen auch soziale Auswirkungen. Weil der Wandel so schnell geht, entstehen immer höhere Schäden durch Stürme, Regengüsse: zerstörte Felder, zerstörte Ernte, zerstörte Häuser. Seiler verwies auf statistische Zahlen von großen Versicherern. Die Sommer bis 2070 werden stetig sehr viel heißer werden, was viele Erkrankungen und sogar Tote mit sich bringen werde.

"Die fossilen Ressourcen sind begrenzt", so der Klimaforscher. Die Förderung von Erdöl wird immer teurer, die Preise werden explodieren, was wieder soziale Probleme verursacht. Auch Nahrungsmittelpreise werden drastisch steigen. Er ließ die brisante Frage "Biomasse auf dem Teller oder im Tank?" im Raum stehen.

Wenn man Energie aus dem Ausland zukauft, geht die Wertschöpfung verloren und fließt ans Ausland. Daher seien Einsparungen nötig sowie eine regionale Energiebereitstellung. "Dann bleibt das Geld bei uns, schafft neue Arbeitsplätze und sichert den sozialen Frieden", so der Professor.

"Das Ziel Einsparen im Allgemeinen und Ersetzen der Kernenergie im Speziellen ist keine Utopie!" Heute gebe es dazu alle technischen Voraussetzungen, es fehle nur der Leidensdruck und der politische Wille. Professor Seiler fordert ganzheitliche integrierte Systemlösungen und Finanzierungsinstrumente für die Bürger, die etwas fürs Klima tun wollen.

Jetzt müsse gehandelt werden. Denn wenn erst die Energiepreise so hoch sind, können sich viele Menschen das Heizen nicht mehr selber leisten und belasten die Kommunen im Bereich Sozialleistungen. "Das Geld für den Klimaschutz fehlt dann."

Hans Urban, stellvertretender Geschäftsführer der Schletter GmbH in Haag stellte die Chancen der e-Mobilität für die Region vor. "380 Quadratkilometer könnten die ganze Welt mit Strom versorgen, wenn man sie mit Solarmodulen bestücken würde", berichtete der Diplom-Ingenieur. Er warb für gemeindliche Freiflächenfotovoltaik. Oder Fotovoltaik auf Carports vor öffentlichen Einrichtungen; so werden keine zusätzlichen Flächen versiegelt und die Kommune schaffe eine Infrastruktur für die Mobilität der Zukunft: die Elektrofahrzeuge, die es mehr und mehr gibt. Man erhalte ein innovatives und dadurch attraktives Image und eine viel bessere Luftqualität in der Stadt der Zukunft. Ein Solarstellplatz erwirtschafte für ein Elektroauto über 10.000 Kilometer Laufleistung pro Jahr.

Über den Energiespeicher Riedl referierte Diplom-Ingenieur Bernhard Gerauer. "Der Energiespeicher Riedl ist Baustein einer nachhaltigen Energiezukunft und liefert bei Bedarf umweltfreundlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Der Energiespeicher ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte in Niederbayern und liefert einen essentiellen Beitrag zur Versorgungssicherheit."

Dr. Armin Baumgartner von der Verbund AG Grenzkraftwerke und Donaukraftwerk Jochenstein erklärte die "umweltfreundliche Wasserkraftnutzung der Salzach mit einem Fließgewässerkraftwerk" im Tittmoninger Becken.

Energie kann man mit einem Passivhaus sparen - auch Altbestand kann umgerüstet werden. Wie das geht, erklärte Architekt Richard Kröff und erörtete, was ein Passivhaus ausmacht. Das Wichtigste sei die kompakte Form, eine umlaufende Wärmedämmung sowie eine luftdichte Hülle. Fenster sollten möglichst alle nach Süden ausgerichtet sein, nach Norden am besten keine. Neben dreifachverglasten Scheiben sei eine kontrollierte Wohnraumbe- und -entlüftung das A und O. Heute werde kaum mehr ein Haus ohne Lüftungsanlage gebaut. "80 Prozent der Wärme, die sonst beim Lüften verloren geht, bleibt im Haus." Der Restwärmebedarf werde je nach Geschmack geregelt - über Kaminofen, Sonnenkollektoren oder etwa Erdwärmepumpen.

Wie kommunale Liegenschaften energetisch gecheckt und auf den neuesten Stand gebracht werden, erzählte Peter Pospischil von der Energie-Agentur Chiemgau-Inn-Salzach. Derzeit werden die Daten erhoben und man befinde sich in der Sondierungsphase, so der Diplom-Physiker und sprach etwa die Realschule und die Förderschule an.

Im Foyer präsentierten sich Energieberater neben dem Passivhauskreis und etwa der Vermarktungsgenossenschaft "Region aktiv", die nur regional produzierte Waren anbietet. Vor dem Haus der Kultur stand das Eon Energiespar-Mobil, wo man sich informieren konnte, wie man daheim am besten die Stromrechnung und die Energiebilanz entlastet. Auf dem Volksfestplatz stellten verschiedene Autohäuser und Betriebe Hybrid- und Elektrofahrzeuge vor. Landrat Huber und Bürgermeister Siegfried Klika wagten die ein oder andere Probefahrt.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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