Klare Worte gegen braune Umtriebe

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"Gute Arbeit - Gerechte Löhne - Soziale Sicherheit!" Das Motto des 1. Mai trugen die Teilnehmer der Kundgebung auf Fahnen und Transparenten durch die Straßen. Begleitet wurden sie von der Egerländer Trachtenkapelle. Redner Richard Fischer (rechts) forderte unter anderem einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro.

Waldkraiburg - Zu Wachsamkeit und einer aktiven Auseinandersetzung mit Neonazis rief der DGB-Kreisvorsitzende Richard Fischer gestern bei der zentralen Maikundgebung auf.

Zu Wachsamkeit und einer aktiven Auseinandersetzung mit Neonazis und anderen braunen Gruppen und ihrer Gesinnung rief Richard Fischer gestern bei der zentralen Maikundgebung der Gewerkschaften für den Landkreis im Graf-Toerring-Hof in Waldkraiburg auf.

In einer engagierten Rede erteilte der Regionssekretär der IG BAU und Kreisvorsitzende des DGB rechtem Gedankengut eine klare Absage. Mit erfolgreichen Gegendemonstrationen wie in Mühldorf oder Burgkirchen sei es nicht getan. Einen Auftrag der Politik und der Gewerkschaften sieht der SPD-Kommunalpolitiker darin, schon im Kleinen, im Dialog an Stammtischen und mit jungen Leuten gegen diese Tendenzen Front zu machen. Das "braune Gesocks" greife mittlerweile auch Arbeitnehmerprobleme auf, um sie für ihre Agitation zu nutzen und versuche sogar, den Maifeiertag für sich zu vereinnahmen.

"Das dürfen wir nicht zulassen! Wir müssen gegensteuern!", so Fischer unter dem Beifall von rund 150 Zuhörern, unter ihnen Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer, die Bürgermeister von Waldkraiburg und Mühldorf, Siegfried Klika und Günther Knoblauch sowie Altbürgermeister Jochen Fischer.

Das Mai-Motto "Gute Arbeit für Europa - Gerechte Löhne - Soziale Sicherheit" gelte für alle Arbeitnehmer, so der Gewerkschafter, der ausdrücklich die ausländischen Kollegen, ob Türken, Griechen, Araber oder Vietnamesen, einschloss. "Ihr seid uns alle willkommen! Für uns gibt es nur eine Sorte Fremde: Die Braunen!"

Dass die Vertretung der Rechte und Forderungen der Arbeitnehmer bei den Gewerkschaften in guten Händen ist, suchte Fischer mit scharfer Kritik an "absurden Fehlentwicklungen" auf dem Arbeitsmarkt deutlich zu machen. Trotz der wirtschaftlichen Erholung Deutschlands nehmen Leiharbeit, befristete Beschäftigung, unsichere Arbeit und Lohndumping stetig zu. Ausdrücklich nannte Fischer in diesem Zusammenhang den Schlachthof in Waldkraiburg, kritisierte "unmenschliche Arbeitsbedingungen" und kündigte unter Beifall an, dass die Gewerkschaft weiter genau hinschauen werde, was in dem Betrieb passiert.

Das Modell des Kombilohns in Deutschland, dass bei extrem niedrigen Löhnen staatliche Leistungen notwendig macht, um auf Hartz IV-Niveau zu kommen, nannte er "eine Sauerei".

Ein deregulierter Arbeitsmarkt im Schatten des Exportsbooms der deutschen Industrie bringt nach seinen Worten Verunsicherung und Spaltung in die Gesellschaft.

Eine Neuordnung der Arbeitswelt sei deshalb notwendig, so der Redner. Für unabdingbar hält er die Einführung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns von mindestens 8,50 Euro.

Eine Absage erteilte er der Rente mit 67. Bei allen demografischen Veränderungen zeige sich, dass kaum ein Arbeitnehmer in handwerklicen Berufen aber auch in anderen Bereichen, wo zum Beispiel Schichtarbeit angesagt ist, mit 63 noch ihrer Tätigkeit nachgehen können. Die "Fehlentscheidung" müsste deshalb korrigiert werden, mindestens dürfe es bei 44 Beschäftigungsjahren keine Abzüge bei der Rente geben, so der Redner, der an dieser Stelle allerdings Zwischenrufe aus dem Publikum hervorrief, dass dafür so wie für die Hartz IV-Gesetzgebung seine Partei mitverantwortlich sei.

Kritik übte der Gewerkschaftssekretär am bayerischen Bildungssystem, das keine Gerechtigkeit in der Bildung herstelle, sondern Kinder aus Akademiker- und wohlhabenden Haushalten eindeutig gegenüber Kindern aus einem Arbeiterhaushalt bevorzuge. Viel zu früh, so Fischer, werden in Bayern die Kinder auf die verschiedenen Schultypen verteilt. "Wir brauchen die Gesamtschule."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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