"Kinder mit Medien nicht allein lassen"

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Damit auch die Kleinsten von Anfang an einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien lernen, haben ihre Erzieherinnen einen Kurs zur Medienqualifizierung bei der VHS absolviert unter der Leitung von Sozialpädagogin Annette Neumann (kleines Bild rechts). Schon der zweite Kurs mit 40 Stunden Weiterbildung läuft dieser Tage aus, für Januar sind zwei weitere Schulungen geplant.

Waldkraiburg - Damit die Erzieherinnen an den Kindergärten bei der medialen Begleitung ihrer Schützlinge nichts falsch machen, absolvieren sie einen Kurs zur Medienqualifizierung.

Einen Trickfilm auf Picasa selbst machen, ein Namenslotto erstellen oder mit "Billi Banny" Bilder und Formen zuordnen. Das geht am PC und zwar schon zum Teil ab zwei Jahren. Damit die Erzieherinnen an den Kindergärten bei der medialen Begleitung ihrer Schützlinge nichts falsch machen, absolvieren sie bei der VHS einen Kurs zur Medienqualifizierung.

"Die tollste Wissens-CD-Rom hat keinen Lerneffekt für Kinder, wenn man sie bei der Nutzung nicht begleitet", sagt Sozialpädagogin Annette Neumann, die derzeit wieder einen Kurs "Medienqualifizierung für Erzieherinnen und Erzieher" bei der VHS leitet.

Elf Erzieherinnen aus Kindertageseinrichtungen in Waldkraiburg und Neumarkt-St. Veit haben in den Herbstferien die 40-stündige Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen. Eine weitere Gruppe aus Waldkraiburg, Neumarkt-St.Veit und Unterreit besucht derzeit einen Abendkurs, der nächste Woche endet, wie Sabine Meyle, Geschäftsführerin der hiesigen VHS, berichtet. Für jede Teilnehmerin gibt es am Ende ein Zertifikat für die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfonds geförderte Weiterbildung - und sie müssen nichts dafür bezahlen.

In dem Kurs vermittelt Annette Neumann, die eigens eine spezielle Schulung absolviert hat, Basiswissen über den Computer und seine Programme und erprobt mit den Erzieherinnen, was man mit den kleinen Schützlingen alles damit machen kann und wie die Software für den Arbeitsalltag in den Kindertageseinrichtungen genutzt werden kann.

Neumann bringt einen alten PC mit, jeder kann sich das Innenleben anschauen. Natürlich steht auch die Software von Picasa bis Word auf dem Stundenplan.

In Praxiseinheiten erfahren die Teilnehmer, wie sie mit einem Kind am PC ein Namenslotto in Schriftarten, die sich der Knirps aussuchen darf, erstellen. "Das Kind lernt so, seinen eigenen Namen zu erkennen", erklärt Neumann. Schöne Möglichkeiten biete auch das Bildprogramm Picasa, man könne etwa einen Trickfilm herstellen. "Die Kinder schauen zu und lernen, dass Filme von Menschen gemacht werden und nicht die Realität darstellen."

Warum müssen Kinder eigentlich so früh - im Kindergartenalter - mit digitalen Medien konfrontiert werden? Laut Neumann sei die Welt bereits voller Computer. Etwa bei Ikea die Spielcomputer oder in Bussen die Bildschirme, die die Fahrpläne anzeigen. "Kinder müssen von klein auf lernen, damit sinnvoll umzugehen. Und der Kindergarten ist der erste offizielle Ort für Bildung - natürlich spielerisch", erklärt die Sozialpädagogin.

Ein Fehler, den Eltern machen können: Kinder mit digitalen Medien allein lassen. Ohne Begleitung kein Lerneffekt. Dabei gäbe es viele sinnvolle Möglichkeiten, kleine Kinder an digitale Medien heranzuführen. Etwa das Programm "Paint" von Windows. Die kleinen User können am PC malen, lernen mit der Maus umzugehen, einfache Symbole zu verstehen, einfach einen Computer zu bedienen.

Im Hinblick auf die spätere Grundschulzeit schadet das sicher nicht, schließlich, so Neumann, werden da schon zum Teil Hausaufgaben per E-Mail verschickt. Gut, wenn die Abc-Schützen den Umgang mit der Maus schon kennen.

Schon für Zweijährige gibt es eine Software, die logisches Denken fördert sowie das Text- und Hörverständnis: "Billi Banni".

Die 32-jährige Kinderpflegerin Anja Wozniak war nach der Teilnahme am Kurs ganz begeistert, was man mit Kindern am Computer alles machen kann. "Das ist sehr vielfältig, daheim hätte ich mir das nicht angelernt", sagt die Mutter zweier Kinder, die den Kurs "nur empfehlen kann".

Annette Neumann rät Eltern von Kindern ab zwei Jahren, sie nicht länger als 20 Minuten etwa zweimal die Woche an den PC zu lassen. Natürlich sei die Qualität des Bildschirms wichtig. Aber heutzutage nutze man hauptsächlich Tft-Bildschirme, die nicht flimmern und ein scharfes Bild geben. Laut Kursleiterin schärfer als viele Fernseher. "Und vom Fernseher können die Kinder nichts lernen."

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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