Kinder aus Au füllen Bunker mit Leben

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Fleißig gewerkelt wird derzeit im alten Teistler-Haus. Maurer Siegfried Kreidl (stehend) und Herbert Pokorny mauern Türen zu, die nicht mehr gebraucht werden.

Waldkraiburg - Ins Teistler-Haus kehrt ab September Leben ein. Die Stadtbau saniert derzeit das ehemalige Pförtnergebäude des Steinlagers, um dort Kinderbetreuung zu ermöglichen.

Das Teistler-Haus, in dem bis in die 90er-Jahre Zahnarzt Albin Teistler seine Patienten behandelte, basiert auf den Grundrissen eines alten Bunkers. Einst war es das Pförtnergebäude des Steinlagers. Die Überreste des Bunkers werden nun im Zuge der Sanierung sichtbar, etwa die Betonwände und das angeschrägte Dach, das durch die Aufstockung zum späteren Zahnarzthaus durch Holzböden verdeckt wurde.

Umbaukosten: 150.000 Euro

Der Umbau wird, so Stadtbauchef Hermann Karosser, in eigener Planung und zum großen Teil von Mitarbeitern der Stadtbau, zum Teil von Fremdfirmen erledigt. Es handle sich um eine Teilsanierung, die den Ansprüchen der Tagesstätte genügt. So werden neue Fenster und eine neue Heizung eingebaut, auf Vollwärmeschutz wird verzichtet.

Die geschätzten Kosten betragen rund 150.000 Euro. Die Miete ist kostendeckend, aber kein Gewinn. "Uns war wichtig, dass das Haus eine Nutzung bekommt und dass es eine erzieherische Einrichtung wird, die ins schulische Umfeld passt", so Karosser. Ein positiver Effekt dabei sei, dass Waldkraiburger Kinder, die in der Tagesstätte betreut werden, nicht nach Au fahren müssen.

Allerdings sei diese Belebung des Teistler-Hauses nicht als Dauerlösung gedacht. Der Mietvertrag mit dem Träger, den Franziskanerinnen aus Au am Inn, sei auf fünf Jahre angelegt. Man will sich absichern, für den Fall, dass in diesem Bereich ein Fachschul- oder Fachhochschulprojekt realistisch wird.

Maurer Siegfried Kreidl und Herbert Pokorny sind derzeit in dem Gebäude, das innen einem Rohbauzustand gleicht, dabei, Türen, die nicht mehr gebraucht werden, zuzumauern. Außerdem werden Heizkörpernischen verschlossen und nicht mehr benötigte Kamine abgerissen.

"Für die Statik ziehen wir im ersten Obergeschoss einen Stahlträger ein", erklärt Pokorny. Die Grundrisse werden nur geringfügig verändert.

Authentisches Anschauungsmaterial unter den Dachbalken.

Der Balkon bekommt als ersten Rettungsweg eine Fluchttreppe. "Das Gebäude hält viele Überraschungen bereit", sagt Stadtbauchef Karosser. Es sei total verschachtelt, habe tiefer gehängte Decken, unerwartete Hohlräume und etwa verlassene Wespennester unter den Dachbalken.

Die Idee: Man will die Nester erhalten und mit einer Plexiglasscheibe sichern, so- dass die Kinder den faszinierenden Insektenbau aus nächster Nähe sehen können.

Schon ab September soll Leben in das Haus einziehen. Es wird "St. Agnes" heißen. "Sie war eine Weggefährtin des heiligen Franziskus", erklärt Elfriede Unterstöger, Gesamtleiterin des Franziskushauses. Die Heilpädagogische Tagesstätte wird eine Filiale des Haupthauses in Au und des Kindergartens "St. Theresa" im Föhrenwinkel, denn da geht einfach der Platz aus, wie Unterstöger berichtet.

Geistig behinderte Schulkinder

Die Ankündigung: Ab September beherbergt das Teistler-Haus die Heilpädagogische Tagesstätte des Franziskushauses Au am Inn.

Zwei Gruppen werden ins Teistler-Haus ziehen. In der einen werden zehn geistig behinderte oder von Behinderung bedrohte Schulkinder sozial- und heilpädagogisch und therapeutisch betreut sowie gefördert und zwar von 12 bis 16.30 Uhr nach ihrem regulären Unterricht an den Schulen.

In der anderen Gruppe sind Vorschulkinder, die aufgrund ihrer Lebenssituation oder durch einen Entwicklungsrückstand mit sich oder ihrer Umgebung Schwierigkeiten haben und daher häufig mit Verhaltensauffälligkeiten reagieren. "Diese Kinder können in den Regeleinrichtungen nicht entsprechend gefördert werden", wie Unterstöger erklärt. Sie werden wochentags von 8 bis 15 Uhr im Haus betreut sein.

Ziel der Einrichtung sei eine umfassende und ganzheitliche Förderung der Kinder. Wichtig dabei sei, dass die Kinder in ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld - Familie, Kindergarten, Schule, Freundeskreis - zurechtkommen und ihren Platz finden können.

Intensive Begleitung der Eltern

Der Mitarbeit der Eltern komme eine besondere Bedeutung zu. "Eine enge vertrauensvolle Zusammenarbeit ist unverzichtbar für unsere Hilfeform und ganz entscheidend für den Erfolg", so die Leiterin. Die Förderziele werden gemeinsam mit den Eltern erarbeitet, sie werden in Erziehungsfragen intensiv beraten und begleitet.

Der Kostenträger ist die überörtliche Sozialhilfe des Bezirks Oberbayern und in Einzelfällen tragen die Kosten die Jugendämter. In der neuen Tagesstätte werden pro Gruppe zwei Fachkräfte und ein Praktikant tätig sein. Zudem gibt es einen gruppenübergreifenden Fachdienst für Psychologie, Ergo- und Physiotherapie sowie Reit- und Musiktherapie.

kla/Mühldorfer Anzeiger

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