Ferienreporter im Altenheim

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Zusammen mit Redakteurin Andrea Klemm begutachten die Ferienreporter die Fotos am Bildschirm.

Waldkraiburg - Es ist weder einsam noch langweilig im Adalbert-Stifter-Wohnheim. Das stand für die jungen Ferienreporter, die dort zusammen mit der Heimatzeitung recherchierten, schnell fest.

Die Zwölf- bis 14-Jährigen schnappten sich Stift und Block und stellten ihre Fragen.

Elf Ferienreporter machten sich gestern mit den Redakteuren der Waldkraiburger Nachrichten auf ins Adalbert-Stifter-Wohnheim. Dort bekamen sie einen Einblick in den Heimalltag, anschließend standen ihnen die älteren Herrschaften sowie Heimleiter Hubert Forster Rede und Antwort.

Kathrin Uhlirsch (14) wollte wissen, welche Pflegestufen es gibt. "Es gibt momentan drei Pflegestufen. Dabei handelt es sich um einen Zuschuss, der von der Kranken- und Pflegeversicherung bezahlt wird", so Forster.

Kathrin: Gibt es Betreuer und ab wann werden sie eingesetzt? "Ja, es gibt Betreuer. Diese sind in erster Linie Verwandte, weil sie in jedem Fall positiv für den Familienangehörigen entscheiden. Es gibt berufsmäßige Betreuer. Sie werden dann eingesetzt, wenn ein Pflegebedürftiger wegen Krankheit nicht mehr selbst für sich entscheiden kann, also seine Selbstständigkeit verliert", erklärte der Heimleiter.

Alina Schiess (14): Wie fühlt man sich, wenn man manches nicht mehr alleine machen kann? "Es ist schrecklich, man weiß aber, dass es Hilfe gibt durch Pfleger oder Mitbewohner. Es gibt auch vier Notrufknöpfe im Zimmer, die man betätigen kann. Trotzdem bleibt die Angst, alleine nicht mehr zurecht zu kommen", berichtete eine ältere Dame.

Pfleger brauchen viel Feingefühl

Wie fühlt es sich für das Pflegepersonal an, die alten Menschen zu füttern oder zu waschen, wollte Alina noch wissen. "Die Pflegerinnen und Pfleger machen das gerne, das gehört zu ihrem Beruf. Man braucht viel Feingefühl, um die entsprechende Atmosphäre zu schaffen und Vetrauen zu den alten Menschen aufzubauen", erklärte Forster.

Juliane Weigand fragte, wie viele Helfer es gibt. Im Pflegebereich seien es 60 bis 70 und im Wohnbereich rund 50.

Wer hilft den alten Leuten beim Anziehen und auf die Toilette gehen, fragte die 13-Jährige weiter. "Das machen die Schwestern, das Pflegepersonal und die Zivis."

Ferienreporter bei den Waldkraiburgern

Ist es den Pflegern unangenehm, die alten Leute zu waschen? "Nein, überhaupt nicht, es gehört dazu. Wenn jemand das nicht machen will, ist er für den Beruf nicht geeignet. Die Einstellung zu dieser Art von Arbeit ist sehr wichtig", erfuhr sie.

Thomas Wiederer (14) interessierte sich dafür, ob man Tiere ins Altenheim mitbringen? "Man darf - in Absprache mit der Heimleitung, je nachdem wie groß sie sind." Vögel, beispielsweise Wellensittiche, seien kein Problem.

Stefanie Zinecker (12): Kann man hier auch einkaufen? "Ja. Es gibt einen Edeka-Hausladen. Eine Frau versorgt die Heimbewohner mit allem, was sie brauchen. Wenn es etwas nicht gibt, besorgt sie es und es ist am nächsten Tag da. Der Hausladen ist an drei Tagen in der Woche ab 14 Uhr geöffnet", so Forster und zeigt den jungen Reportern den kleinen Laden.

Wie groß ist der Anteil der Pflegebedürftigen, wollte sie außerdem wissen. "Es gibt 44 Plätze, man darf nur rein, wenn man die Pflegestufe hat. Es gibt 210 Wohnungen. Insgesamt sind es in unserer Einrichtung 40 Prozent Pflegebedürftige", so die Heimleitung.

Wieviele ältere Leute können sich noch selbst versorgen, fragte sie weiter? "Etwa 60 Prozent versorgen sich noch selbst."

Andreas Timmel stellt die Frage, wie hoch die Preise der einzelnen Pflegewohnungen sind.

Die billigste koste 700 Euro im Monat und die teuerste rund 2000 Euro. Dazu müsse man aber etwa Friseur und Lebensmittelkosten bezahlen.

Wann sind die Besuchszeiten, wollte der Zwölfjährige noch wissen? 24 Stunden am Tag, aber ab 20 Uhr muss man an der Pforte klingeln, da dann die Türe abgeschlossen ist, erfuhr er.

Der 14-jährige Domenic Reibel: Seit wann gibt es das Heim und wer hat es gegründet? Und ab welchem Alter kommen die Menschen zu Ihnen?

"Es enstand vor 42 Jahren und wurde vom Verein Heimwerk e.V. gegründet. Heute ist das durchschnittliche Eintrittsalter bei 85 Jahren. Wartelisten gab es früher häufiger. Jetzt ist immer wieder etwas frei", wie Hubert Forster ihm erklärte.

"Wie viele Leute sind im Heim demenzkrank und wie geht man damit um", wollte Stephanie Franz (13) wissen.

Es seien etwa zehn Prozent, die meisten Mitbewohner seien da sehr offen und bieten ihre Hilfe an. Die meisten an Demenz Erkrankten seien in tagesstrukturierte Gruppen eingeteilt.

Alisa Stefan (12) interessierte sich dafür, wie sich die Heimbewohner beschäftigen können. Was wird zur Unterhaltung angeboten?

Spielenachmittage, Gedächtnistraining, Kinoabend, Lesestunde, Singen und Musizieren, kirchliche Messen. Cafeteria, Grillabende, Gymnastik, Chor und Theater, Kochen und Backen und die Boccia-Bahn. "Es gibt jeden Tag Programm für die rund 250 Bewohner", sagte eine ältere Dame.

Sarah-Katharina Nigl (12): Wer hilft den Menschen, die nicht mehr richtig gehen können und ist es hier manchmal sehr einsam?

Rollator erhält ein wenig Freiheit

"Die meisten haben einen Rollator, einen Rollstuhl, oder die Schwester hilft ihnen beim Gehen. Mit dem Rollator kann man sich gut frei bewegen", berichtete ihr eine aufgeweckte Pensionistin.

Einsam? "Nein", sagen alle im Clubraum. Wenn man wolle, könne man sich zurückziehen, aber die meisten seien den ganzen Tag auf Tour. Man könne Freundschaften schließen und sich treffen, zum Karteln oder zum Kaffee.

Laut Forster entstehe Einsamkeit mit der steigenden Hilfsbedürftigkeit. Dann müsse sich das Personal halt noch mehr kümmern.

Nadine Gebhard (13) fragte: Wird das Essen angeliefert oder selbst gekocht?

Es wird in der großen Küche selbst gekocht. Aber man kann auch in den kleinen Küchen selber kochen. Rund 200 Leute können im Speisesaal gleichzeitig essen, erklärten ihr die Senioren.

Wie viele Leute können zum Essen das Zimmer nicht mehr verlassen, hakte das Mädchen nach.

Der größte Teil isst im Saal, einige wollen auf dem Zimmer essen. Rund 50 Leute essen auf dem Zimmer, weil sie zum Beispiel krank sind und das Zimmer nicht verlassen können. "Die sind dann ganz froh, wenn sie dann wieder mit den anderen essen können", war eine Dame überzeugt.

kla/hsc/Mühldorfer Anzeiger

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