"Keiner darf verloren gehen"

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Die Referenten: Hermann Tischler (im Bild zu sehen), Daniela Snajder, Jutta Müller, Manuela Keller und Dr. Marcel Huber.

Ampfing - Ihr gemeinsames Bemühen, schwächeren Schülern gute Perspektiven bei der Berufswahl zu ermöglichen, haben Vertreter aus Schulverwaltung, Wirtschaft, Jugendarbeit, Politik und Arbeitsagentur im Ampfinger Hof vorgestellt.

Zu der Informationsveranstaltung "Schüler ohne Abschluss - keiner darf verloren gehen" hatte der CSU-Arbeitskreis Schule, Bildung und Sport (AKS) eingeladen.

Als Eröffnungsreferenten stellte die AKS-Kreisvorsitzende Roswitha Mayerhofer Kultusstaatssekretär Dr. Marcel Huber vor. Das Kultusministerium habe sich die Maxime gesetzt, für jeden den richtigen Weg zu finden, sagte Huber: "Wir brauchen Eliteförderung in allen Bereichen, aber auch bestens ausgebildete Handwerker. Und vor allem müssen wir uns um die kümmern, die Probleme haben, weil sie nicht können, nicht wollen, von zu Hause keine Hilfe bekommen oder gar behindert werden."

Durchschnittlich 2,5 Prozent aller Jugendlichen eines Jahrganges beenden ihre Schulpflicht nach neun Jahren ohne Abschluss, gemeinsam mit den Abbrechern anderer Schularten und den Förderschulabgängern hätten in Bayern 6,45 Prozent der Jugendlichen keinen Hauptschulabschluss. 8,5 Prozent beenden die Berufsschulpflicht ohne Ausbildungsplatz.

Diese Zahlen unterstrich Jutta Müller, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Pfarrkirchen. Im Agenturbezirk waren im Dezember 2009 über 970 Jugendliche unter 25 Jahren arbeitslos, ein Drittel davon ohne abgeschlossene Ausbildung. Gleichzeitig würden rund zehn Prozent der im vergangenen Jahr 2537 geschlossenen Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst. Aus den Zahlen der Agentur ergebe sich zudem, dass vor allem das Handwerk Auszubildende aus den Reihen der Hauptschulabsolventen rekrutiere, so Müller.

Gemeinsam mit KJR-Leiterin Daniela Snajder und Berufspate Hermann Tischler stellte sie die Projekte der erweiterten vertieften Berufsorientierung vor, wie das Pilotprojekt "Ausbilder in Schulen". Koordiniert werden alle diese Projekte vom Regionalen Bildungskonzept "Bildungslandschaft Mühldorf" des Landkreises Mühldorf, erklärte AKS-Mitglied Reinhard Deinböck. Bei "Lernen vor Ort" solle ein Netzwerk für die Akteuere geschaffen werden, um systematischer kooperieren zu können, erklärte er.

Fördern wenn nötig, fordern wenn möglich

"Fördern wenn nötig, fordern wenn möglich und keinen verlieren", das sei das Leitmotto der Arbeit an den Hauptschulen, betonte Schulamtsdirektor Paul Schönstetter im Gesprächsforum mit dem Leiter der Berufsschule 1, Wolfgang Gaigl, dem Rektor des Förderzentrums Waldkraiburg, Franz Göhl, und dem Leiter des Bildungszentrums der Handwerkskammer, Jochen Englmeier. Ihre Akzeptanzprobleme habe die Hauptschule völlig zu Unrecht, seit Jahren führe sie die Schüler mit zahlreichen Projekten mit Kammern und Arbeitsagentur konsequent auf die Berufsorientierung hin. Deshalb sei es zentral, zuerst das Selbstwertgefühl der Schüler wie der Lehrer zu stärken, sagte Schönstetter.

Die Zahl der Schüler ohne Ausbildungsstelle an der Berufsschule sei in den vergangenen Jahren um 40 Prozent zurückgegangen, bestätigte Gaigl. Und mit den sogenannten "JoA-Klassen" sei auch für diese Schüler ein zielführendes Angebot geschaffen worden. Nach dem Straubinger Modell werden die derzeit 40 "Jugendlichen ohne Ausbildung" an Haupt- und Berufsschule zu gleichen Teilen beschult; ein Sozialpädagoge sowie die Handwerkskammer betreut sie bei der Suche nach Praktikumsstellen. 30 Prozent haben schon in ein Ausbildungsverhältnis ab September vermittelt werden können, so Gaigl.

"Wir können niemanden zwingen"

"Wir müssen es schaffen, den jungen Leuten ein Ziel mitzugeben", betonte Englmeier, dann hätten auch die Lerninhalte für sie einen Sinn und die Motivation sei viel höher. Das bestätigten Erkan Özen und Philip Conrad, beide Schüler der Haupt-Berufschul-Kooperationsklassen. Ihre Noten hätten sich verbessert, sie haben Praktika absolviert und seien einen großen Schritt vorangekommen in Richtung Berufswahl, berichteten die beiden 16-Jährigen.

Zunehmend wichtig sei der Kontakt zwischen Wirtschaft und Schulen, betonte Manuela Keller, Vorsitzende der Industriegemeinschaft Waldkraiburg. Neben fachlicher Bildung werde aber auch auf Werteorientierung, soziale und persönliche Kompetenzen in den Betrieben großen Wert gelegt, berichtete sie. Nach dem Motto "Wer fordert, muss auch geben", sei die Wirtschaft durchaus bereit mit den Schulen zusammenzuarbeiten, versicherte sie.

"Wir haben eine Vielzahl von Angeboten für diese Jugendlichen", betonte Dr. Huber, "aber wir können niemanden zwingen sich ausbilden zu lassen." Hier sei es an den Jugendlichen, diese Angebote auch anzunehmen.

nl/Wasserburger Zeitung

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