Keiner braucht längere Öffnungszeiten

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Eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten über 20 Uhr hinaus "wäre tödlich für Familienbetriebe und hilft nur Geschäften in Citylagen und Konzernen", sagt Adi Schäftlmaier, stellvertretender Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk in Waldkraiburg.

Waldkraiburg - Eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten wäre für "Familienbetriebe tödlich", so Adi Schäftlmaier, stellvertretender Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk. Was sagen Sie? Diskutieren Sie mit!

Eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten wäre für "Familienbetriebe tödlich", sagt Adi Schäftlmaier. Der stellvertretende Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk steht mit der Ablehnung längerer Öffnungszeiten im Einzelhandel nicht allein, wie eine Umfrage in der Waldkraiburger Innenstadt beweist

In neun von 16 Bundesländern sind die Ladenschlusszeiten an Werktagen mittlerweile freigegeben. Nur in Bayern und im Saarland sind die Öffnungszeiten noch gesetzlich auf 6 bis 20 Uhr fixiert.

Eine Liberalisierung beim Ladenschluss, ein Lieblingskind der FDP, hätte fatale Folgen, meint Adi Schäftlmaier. Der Inhaber eines Sportgeschäfts ist überzeugt: Davon profitieren nur Citylagen und Konzerne, nicht aber Standorte wie Waldkraiburg. Eine Liberalisierung führe zum Abbau von Arbeitsplätzen. Denn während "die Großen ihr Personal ausdünnen", könnten kleinere inhabergeführte Einzelhändler nicht mehr mithalten und würden verdrängt.

Dem Großteil der Kunden verbleiben nach Abzug der Fixkosten wie Miete oder Auto noch 30 bis 40 Prozent des Nettogehalts zur freien Verfügung. Dieses Geld könne der Konsument nur einmal ausgeben. Der Umsatz werde mit längeren Öffnungszeiten nicht höher. Das habe sich schon bei der Umstellung von 18 auf 20 Uhr gezeigt.

"Ich brauche keine längeren Öffnungszeiten. Berufstätigen, Schichtarbeitern zu Beispiel kommt es aber vielleicht entgegen", meint Wolfgang Ziegler. Der Aschauer spricht sich grundsätzlich dafür aus, das Ladenschlussgesetz ganz wegfallen zu lassen. "Jeder Händler sollte frei entscheiden können."

Weitere Befürworter dieser Liberalisierung finden sich bei einer - nicht repräsentativen - Straßenbefragung aber auch unter Verbrauchern nicht. "Wer es bis 20 Uhr nicht schafft, alles zu besorgen, der schafft es auch bis 22 Uhr nicht", sagt Karolin Feicht aus Wasserburg. "Längere Öffnungszeiten brauche ich nicht", meint die junge Mutter Silvana Haberger.

Und Anita Losbichler betrachtet das Thema aus der Sicht derjenigen, die wie sie im Verkauf tätig sind. "Für die Mitarbeiter ist das ein riesen Nachteil. Da kann man ja gleich sein Bett in der Arbeit aufstellen." Im Verkauf seien hauptsächlich Frauen tätig. Einerseits sollen die spätabends arbeiten, "andererseits heißt es dann wieder, sie kümmern sich nicht um ihre Kinder".

"Vor allem die Familien leiden drunter", sagt auch Richard Fischer. Der Gewerkschafter und SPD-Stadtrat ist gegen eine Ausweitung von Öffnungszeiten. Den Frauen im Einzelhandel, deren Verdienst vergleichsweise gering sei, werde schon jetzt ein großes Maß an Flexibilität abverlangt. Selbst an manchen Sonntagen müssten sie arbeiten.

Auch Franz Kleisinger, Leiter des Bau- und Gartenmarktes der BayWa hält die Ausweitung der Öffnungszeiten über 20 Uhr hinaus "nicht für sinnvoll". Im Lebensmitteleinzelhandel mag das möglich sein, so Kleisinger. Bei Fachmärkten, etwa im Elektro- oder Baubereich, sieht er das allerdings anders. Dafür fehle es an Fachberatern. "Die Beratungsqualität würde enorm darunter leiden."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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