MÜ 25: Wachtel legt Aschauern ein Ei

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Aschau - Neue Diskussionen um die MÜ 25: Weil die naturschutzrechtlichen Gutachten nicht vollständig waren, musste der Baubeginn verschoben werden. Dabei kam auch ein überraschendes Ergebnis ans Licht.

Der Baubeginn der MÜ 25 neu musste verschoben werden. Die naturschutzrechtlichen Gutachten waren noch nicht vollständig. Bis Montag lief noch die "saP" (spezielle artenschutzrechtliche Prüfung). Ein Ergebnis: Im Großraum der Trassierung sind einige Wachtelbrutpaare kartiert worden.

Die Wachteln waren in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Aschau kürzlich Thema (wir berichteten). Beim Auslegungsverfahren des Bebauungsplanes wurden die Träger öffentlicher Belange gehört - unter anderem der Bund Naturschutz, der in seiner Stellungnahme, die der Redaktion vorliegt, darauf hinwies, dass im geplanten Baubereich das Bruthabitat der größten im Landkreis bekannten Population der Wachtel gequert wird. Das sei in der Planung nicht berücksichtigt, ebenso wenig das Vorkommen der Feldlerche.

Über diese Stellungnahme unter anderem wunderten sich Gemeinderat und auch die Planerin Doris Marowski von "KomPlan".

Auf Nachfrage erklärte Gerd Ruchlinski, Erster Vorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, die endgültigen Ergebnisse der "saP" seien zum Zeitpunkt der Auslegung noch nicht vorgelegen. "Unsere Aufgabe als Bund Naturschutz ist es, auf artenschutzrechtliche Probleme aufmerksam zu machen und das Optimum als Ausgleichsmaßnahmen vorzuschlagen", erklärt Ruchlinski, der darauf hinweist, dass die Resultate einer "saP" in der Planung berücksichtigt werden müssen - was bis dato nicht der Fall gewesen sei.

Das kann nun nachgeholt werden, denn die "saP" ist seit vorgestern abgeschlossen, wie Landschaftsökologe Harry Lipsky aus Falkenberg bestätigte. Er wurde vom Landratsamt unter anderem mit der Kartierung der Wachteln beauftragt. Er konnte genügend Daten erheben, wie er sagt. Anhand der Rufe der Männchen wird kartiert. "Im Großraum sind mehrer Brutpaare vorhanden, aber sie sind nicht alle direkt vom Straßenbau der MÜ 25 neu betroffen", so Lipsky. Die "saP" habe ergeben, der Landkreis brauche als Bauträger verschiedene artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigungen.

In einer Stellungnahme erklärt das Landratsamt, der Bau der neuen Kreisstraße im Bereich Haigerloh/Thann sei nicht gefährdet. Man habe umgehend die vorläufigen Unterlagen für die "saP" vor etwa vier Wochen zur Prüfung an die Regierung von Oberbayern weitergeleitet. "Die zuständigen Stellen haben uns eine vollständige und zeitnahe Prüfung zugesagt", so Karin Huber von der Pressestelle im Landratsamt.

Der Termin für den Baubeginn der neuen Trasse kann also erst festgelegt werden, wenn die Regierung nach der vollständigen Prüfung aller Erhebungen, die nun ja vorliegen, grünes Licht gibt.

Damit dürften nun auch die Gerüchte verstummen, die Wachteln, die in dem vier Hektar großen Bereich vorkommen, seien einem Züchter in Howaschen entlaufen. Zum einen wären Zuchtwachteln kleiner und beringt. Zum anderen hätten diese Exemplare in der freien Natur "keine Überlebenschance", sagt Ruchlinski.

Der Vertreter des Bund Naturschutz nutzt die Gelegenheit, zu betonen, man sei nicht generell gegen die neue MÜ 25, obwohl es sich um eine Neutrassierung handle, bei der neue Flächen versiegelt werden. "Es ist nicht unser Ziel, diesen Straßenbau zu verhindern."

Der Bund Naturschutz achte darauf, dass die Ausgleichsmaßnahmen dem Artenschutz etwa von Wachtel und Feldlerche gerecht werden, dafür gebe es auch geeignete Möglichkeiten, allerdings Streuobstwiesen würden da nicht ausreichen. Man brauche ein Management und müsse sich mit den Bauern absprechen, nicht alle Felder umzuackern und etwa Wiesenränder stehen zu lassen. Bei der Brücke über die Howaschen erklärt Ruchlisnki, der Vorschlag, sie vier Meter hoch zu machen, sei der optimale Fall. Dass das nicht ins Landschaftsbild passt und zu teuer wird, stehe auf einem anderen Blatt. "Wir könnten damit leben, dass der Bereich unter der Brücke durchlässiger gemacht wird - etwa für Eidechsen und Libellen". Auch der Rückbau der alten MÜ 25 sei nur ein Vorschlag gewesen, keine Forderung. "Wenn es nicht möglich ist, ist es nicht möglich", so Ruchlinski abschließend.

Die Zeit für den Baubeginn drängt, alleine wegen der Fördergelder. Umso verwunderlicher ist es, warum die "saP", die in der Regel ein halbes Jahr dauert, erst so spät gemacht wurde, schließlich handelt es sich um zwingendes europäisches Recht bei einem Straßenbau in dieser Größe. Der Wachtel darf man an den Verzögerungen jedenfalls keine Schuld geben.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

Zurück zur Übersicht: Region Waldkraiburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser