"Wir sind stinksauer"

Waldkraiburg - Die Ankündigung des Bürgermeisters, die Beschriftung der Ortseingangsschilder in Pürten und anderen Waldkraiburger Ortsteilen zu ändern, sorgt in den betroffenen Dörfern für helle Aufregung.

"Pürten - Stadt Waldkraiburg" - so steht es auf den Ortseingangstafeln des Dorfes, "Pürten" in großer Schrift, "Stadt Waldkraiburg" kleiner drunter. Und entsprechend sieht die Aufschrift bei den anderen in den 70er-Jahren eingemeindeten Ortsteilen wie Ebing und St. Erasmus aus. Die Stadt beabsichtigt nun, den Text zu ändern in "Stadt Waldkraiburg - Ortsteil Pürten". Dies hatte Bürgermeister Siegfried Klika angekündigt (wir berichteten) und dafür zwei Gründe genannt. Zum einen schlage sich die Eingemeindung der Orte nach über 30 Jahren dann auch in den Ortsschildern nieder. Zum anderen, und dies ist wohl der Anlass für die Ankündigung zum jetzigen Zeitpunkt, steht dieser Schritt im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion um die Autobahnbeschilderung. Mit der neuen Beschriftung der Ortstafel in Pürten wird nach Klikas Worten dokumentiert, dass eine überregional wichtige Straße, die Staatsstraße 2091 durch das Stadtgebiet führt. Immer wieder sei in den Diskussionen um die Autobahnbeschilderung zu hören, Waldkraiburg sei bei der Kennzeichnung von Nah- und Fernzielen in einer schlechteren Position, weil keine überregional wichtige Straße durch die Stadt geht.

Im Stadtteilgespräch vor einigen Wochen in Pürten hatte Klika dies angekündigt. Einwände seien damals nicht erhoben worden, sagt der Bürgermeister, der dies als Bestätigung wertete.

Der Widerspruch fällt jetzt umso deutlicher aus. In Pürten will man sich mit einer neuen Beschriftung jedenfalls nicht abfinden, erklärt Toni Brunnhuber. Der Kirchenpfleger hat darüber schon mit Vereinsvorständen und Bürgern gesprochen. "Mich haben wahnsinnig viele Leute angesprochen. Alle waren der Meinung: Das können wir uns nicht gefallen lassen." Sogar vom Boykott von Veranstaltungen in der Stadt sei da schon die Rede. Auch eine Unterschriftenaktion ist im Gespräch.

Die Tatsache, dass sich bei der Versammlung in Pürten vor einigen Wochen niemand zu Wort meldete, erklärt Brunnhuber damit, dass der Bürgermeister dies "ganz zum Schluss und nebenbei gesagt" habe. "Das hat keiner mehr mitgekriegt."

In Pürten sieht man keine Notwendigkeit für die Änderung der Ortstafel. Schließlich gebe es die Ortschaft "schon ewig lang", so Brunnhuber. Mit der bisherigen Regelung seien alle gut zurecht gekommen. "Dass Pürten zur Stadt Waldkraiburg gehört, steht ja jetzt auch schon auf den Schildern." Damit sei auch klar, dass die Staatsstraße durch die Stadt führt.

Auch in Ebing wird dieses Thema diskutiert. Das bestätigt Franz Belkot, Vorsitzender der Eisschützen in Ebing. "Die meisten wollen unsere Ebinger Schilder behalten." Damit komme auch die Eigenständigkeit der Dörfer zum Ausdruck. Weil Ebing, anders als Pürten, an keiner Staatstraße liege, hofft Belkot aber, dass in seinem Dorf alles beim Alten bleiben könnte.

Als "seltsam" bezeichnet es Toni Brunnhuber, dass für das Auswechseln von Ortsschildern Geld da ist, während der Bürgermeister den Pürtnern nach seinen Worten nicht zusichern wollte, dass die Stadt im kommenden Jahr die Mittel für die Dorferneuerung bereitstellt.

"Einen Schildbürgerstreich" nennt Franz Mittermeier aus St. Erasmus die Ankündigung. Sollten tatsächlich alle Schilder der Ortsteile betroffen sein, gehe es um gut und gerne 40 Stück. Auch Josef Haunreiter, Vorsitzender der Eisschützen von St. Erasmus, ist strikt dagegen.

Und Wolfgang Hintereder, der in Holzhausen wohnt und zum Vorstand des Pfarrgemeinderates Pürten/St. Erasmus gehört, verweist auf die gewachsene Identität in den Ortsteilen: Trasener und Pürtener gehören zur Stadt Waldkraiburg. "Das ist auch in Ordnung so." Aber sie identifizieren sich vor allem mit ihren Orten. "Und deshalb ist auch die Reihenfolge wie bisher sinnvoll."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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