Katholisch-islamische Hochzeit

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Waldkraiburg - Sandra Vorwallner und Ergün Kahraman trauen sich. Am 25. September geben sich die Katholikin und der Muslim in der Waldkraiburger Christkönigskirche das Ja-Wort.

Das Besondere an diesem Gottesdienst: So wie Pfarrer Martin Garmaier wird auch ein islamischer Geistlicher den Ehebund segnen und Gebete sprechen.

Bei dieser interreligiösen Trauung handle es sich um einen Gottesdienst im katholischen Ritus, der durch Riten und Gebete aus der islamischen Tradition ergänzt werde, erklärt Pfarrer Martin Garmaier. So sei es durch das katholische Kirchenrecht vorgegeben. Die entsprechende Genehmigung des Bischofs liege bereits vor.

Vom Bischof genehmigt

"Viele wissen nicht, dass das möglich ist." Doch Trauungen mit nichtkatholischen Partnern sind nichts Neues und immer dann möglich, wenn der Partner der anderen Religion dazu sein Einverständnis erklärt. So habe er, so Garmaier, auch schon katholische und buddhistische Partner verheiratet. Neu ist für den Waldkraiburger Pfarrverbandsleiter, dass bei dieser Feier ein Geistlicher einer anderen Religion dabei ist.

Sandra Vorwallner und Ergün Kahraman sind dem Pfarrer sehr dankbar dafür, dass er sich bereit erklärte, den Gottesdienst zu zelebrieren.

Eine religiöse Feier gehört für die 28-jährige Braut und den 33-jährigen Bräutigam "einfach dazu". Da sind sie sich einig, obwohl sie sich beide nicht als "streng religiös" einschätzen. Seit neun Jahren sind sie ein Paar und nehmen an der Religion des anderen Anteil, wie sie erzählen. "Wir haben die Bibel und den Koran daheim." Er feiert Weihnachten mit, geht auch mit in die Kirche, sie gratuliert seinen Verwandten zu den islamischen Feiertagen wie dem Zuckerfest und hat ihn auch schon in die Moschee begleitet, wenn dort Frauen und Männer nicht getrennt sind.

Ein Übertritt zur Religion des anderen kommt für beide nicht in Frage. "Das geht aus Respekt voreinander nicht", sagt sie. "Ich glaube an meinen Glauben und respektiere auch den ihren", sagt er.

Hochzeiten zwischen deutschen und türkischen Parnern sind heute zwar keine Seltenheit mehr. Was sich die beiden Brautleute in den Kopf gesetzt haben, ist allerdings noch immer die große Ausnahme. "Aber es kann doch nicht sein, dass nur einer den Segen seiner Religion bekommt", sagt Kahraman, der nicht locker ließ, bis sich ein Weg fand.

Das Telefon lief heiß, bis er auf Hossein Fatimi stieß. Der islamische Geistliche und Theologe aus Karlsruhe wird zu der Trauung nach Waldkraiburg kommen. Der 67-Jährige, der in Afghanistan Theologie und in Bonn Chemie studierte, steht keiner Moscheegemeinde als Imam vor, er begleitet Muslime unter anderem in der Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge. Und er hat nach eigenen Angaben bereits an "mehr als zehn Trauungen" mit christlichen Partnern mitgewirkt. "Auch andere Geistliche tun das, machen es aber nicht öffentlich."

Fatimi weiß, dass viele Bedenken haben, eine solche religionsverschiedene Ehe könnte den Glauben eines der Partner schwächen. Er teilt diese Ängste nicht. Er befürchtet vielmehr, die Menschen von der Religion "zu vertreiben", wenn man ihnen den Segen in einer religiösen Feier verweigert. "Sie stärkt die Liebe und den Glauben der beiden Partner."

Bedingung für die Eheschließung ist nach seinen Worten, dass der nichtmuslimische Partner ebenfalls "an einen Schöpfer und einen Gott glaubt". Eine Eheschließung mit einem Atheisten sei nicht möglich.

"Der Islam und das Christentum haben die gleichen Wurzeln und das gleiche Glaubensfundament", betont Hossein Fatimi. Auch in der Sichtweise der Ehe gebe es viele Übereinstimmungen.

Auf diese Gemeinsamkeiten verweist ebenso Pfarrer Martin Garmaier. So gelte etwa in beiden Religionen die Ehe als unauflöslich. Beide erwarten "das Ja zum Kind" von den Ehepartnern. Darüber hinaus müsse der katholische Partner, so Garmaier, sein Bemühen versprechen, die Kinder im katholischen Glauben zu erziehen, "soweit dies in ihrer Ehe möglich ist. Da müssen sich die Partner einigen."

"Sie sollen beide Glauben, Christentum und Islam, kennenlernen", haben sich die Brautleute vorgenommen. Sie freuen sich riesig auf ihre Hochzeit. "Meine Familie und Freunde sind fasziniert und freuen sich total auf die Trauung", erzählt Sandra Vorwallner. Ihr künftiger Mann musste in seiner Familie dagegen mehr Überzeugungsarbeit leisten. "Es gab viele Fragen." Absagen gab es nach seinen Worten nicht. Alle 200 geladenen Gäste kommen. "Wir haben Glück, dass unsere Familien hinter uns stehen."

Sandra und Ergün haben alle Vorbereitungen für ein bayerisch-türkisches, katholisch-muslimisches Fest getroffen. Nicht nur die Speisekarte nimmt auf die religiösen Vorschriften Rücksicht. Für die weltliche Feier sind zwei Bands, eine tükische und eine deutsche, organisiert. Am Morgen wird er von einer türkischen Trommlergruppe geweckt, im Freien wird getanzt. Und wie auf einer traditionellen bayerischen Hochzeit, gibt es Anstecksträußchen, "alle handgemacht".

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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