Ein Jahr nach Kritik an Innwerkkanal-Baustelle im Kreis Mühldorf

"Wissen Sie, mit den Anwohnern sind wir immer gut zurecht gekommen ..."

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Projektleiter Bernhard Gerauer und sein Team stellen sich den Fragen der Anwohner und anderen Interessierten auf der Innkanal-Baustelle.
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Jettenbach - Ein Jahr nach den Kontroversen um die Innkanal-Bauarbeiten in den Stadträten von Mühldorf und Waldkraiburg lud der Verbund wieder einmal zu einem Baustellenbesuch.

Zahlreiche Interessierte haben sich an diesem Abend beim "Brotzeitstüberl" nahe der Anlage eingefunden.Es wird geplaudert die Stimmung scheint gelöst. Schließlich werden Warnwesten und Schutzhelme für die Besucher verteilt, dann geht es auf die Wehranlage, von der aus man einen sicheren Überblick über die Baustelle hat. Projektleiter Bernhard Gerauer und sein Team stellen sich den Fragen. Weiter herrscht Plauderton. Teils wird gefachsimpelt und diskutiert. Eine wirklich kritische Haltung scheint es nicht zu geben. "Ja, manchmal ist die Baustelle schon etwas laut. Aber es hält sich im ertragbaren Ausmaß", berichtet eine Anwohnerin.

Kritik im Vorjahr

Vor etwa einem Jahr hatte es dagegen ausgesehen, als sei das Verhältnis zum Innkanal in der Region ein kritischeres. "Ich weiß ja nicht, ob von Ihnen jemand dort in letzter Zeit mal spazieren war", klagte SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Engelmann in einer Sitzung des Waldkraiburger Stadtrats, "Aber das ist eine Umweltzerstörung ersten Grades! Da steht keine einzige Pflanze mehr!" Auch im Mühldorfer Stadtrat gab es kritische Stimmen. Daraufhin erschien Gerauer dort und erklärte die Maßnahmen zur Renaturierung, den Ausgleichsflächen und dem Umweltschutz bei dem Bauvorhaben. 

Bilder vom Besuch der Innwerkkanal-Baustelle bei Jettenbach

"Wissen Sie, mit den Anwohnern sind wir immer gut zurecht gekommen. Viele von den Leuten hier sind quasi alte Bekannte", bemerkt er an diesem Abend. "Das kam aber nicht von ungefähr. Wir haben sie auch von Anfang an mit ins Boot geholt. Diese Baustelle wurde keinem davon einfach vor die Nase gesetzt." Auch die Stadträte seien eigentlich frühzeitig und umfangreich informiert worden. "Ein bisschen wundern muss man sich dann schon, warum daher solche Fragen aufkamen ..." Er bestreitet nicht, dass es durchaus auch einmal Probleme gibt. "Aber dafür haben wir extra ein 'Sorgentelefon' für die Anwohner. Egal ob die Lärmbelastung zu hoch wird, eine Straße von unseren Baustellenfahrzeugen verschmutzt ist oder es einfach nur Fragen gibt. So konnten wir bisher eigentlich immer alles wieder ausräumen." Ein Teil der Öffentlichkeitsarbeit seien auch Baustellenbesuche wie dieser.

Nicht wenig hängt von Projekt ab

Schon seit einiger Zeit laufen die Vorarbeiten für das neue Wasserkraftwerk in Töging im Inn. Von der geplanten Fertigstellung im Jahr 2022 hängen auch einige andere Projekte in der Region ab. Beispielsweise muss man deswegen in Aschau am Inn mit dem Ausbau der Unterführung in Klugham noch warten. Wiederum in Mühldorf am Inn wird derzeit geprüft, ob die Pläne für eine Unterquerung des Kanals trotz der Arbeiten möglich sind.

So erklärt der Verbund das Projekt:

  • Es soll bei gleichzeitig höherer Effizienz kleiner werden als ursprünglich geplant. 
  • Nach Fertigstellung sollen drei Turbinen mehr Strom liefern, als die 14, die derzeit im bestehenden Kraftwerk in Betrieb sind.
  • Pro Jahr sollen so rund 700 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Die zusätzliche Produktion entspräche dem Verbrauch von etwa 40.000 durchschnittlichen bayerischen Haushalten.
  • Eine Stellschraube dabei sei die Erhöhung des Wasserspiegels beim Wehr Jettenbach um 70 Zentimeter um eine Erhöhung der Fließgeschwindigkeit von derzeit 403,35 mVS auf 404,05 mVS.
  • Diese neue Wasserspiegellage in Jettenbach erfordere auch eine entsprechende Anpassung der Abdichtung des Innkanals bis hin zum Kraftwerk in Töging.

hs

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