Blicke auf unsere Region

Der Inn zwischen Jettenbach und Töging

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der Inn zwischen Jettenbach und Töging ist ein letztes Stück unverbauter Natur

Er ist ein letztes Stück unberührter Natur: Der Inn zwischen Jettenbach und Töging. Zu verdanken ist dies einer Renaturierung, die vor über 20 Jahren begonnen hat.

Schon in der Römerzeit um 105 bis 109 wurde der Inn, von Sextilius Felix, der zum Einnehmen des Uferflusses geschickt wurde, schriftlich erwähnt. Die Römer nannten ihn Ainos oder Aenus, im Mittelalter schrieb man über den Enus und Oenus und im 17. Jahrhundert wird er Yn, Ihn und Yhn genannt.

Blicke auf unsere Region:

In unserer neuen Serien "Blicke auf unsere Region" berichten wir ab sofort jeden Mittwoch über eine Sehenswürdigkeit unserer Region.

Unter den Alpenflüssen ist der Inn einer der wasserreichsten. Um die zwei Drittel des Flusses liegen im Alpengebiet. Er entspringt aus dem Lunghinsee in 2.484 m Höhe beim Malojapass im Schweizer Engadin. Auf seinem Weg 517 km nach Passau, wo er in die Donau mündet, fließt das Gewässer durch die Schweiz, Österreich und Deutschland. Auf deutschem Boden im Bereich zwischen Jettenbach und Töging fließt der letzte freie Abschnitt des Inns. In den anderen Teilen ist der Fluss laut Wasserwirtschaftsamt Rosenheim seit 1924 zu einer Kette aus Kraftwerken mit vierzehn Stauhaltungen ausgebaut worden.

Im Interview spricht Michael von Berg, Abteilungsleiter für den Landkreis Mühldorf, die Stadt Rosenheim und den nördlichen Landkreis Rosenheim Nord beim Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, über Kraftwerke, Renaturierung und Hochwasserschutzmaßnahmen in dem frei fließenden Stück des Inns.

innsalzach24.de: Seit wann gibt es das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim?

Michael von Berg: Das Amt gibt es seit zirka 110 Jahren, damals war in Rosenheim die "Wildbachsektion" gegründet worden.

Seit wann sind Sie der Abteilungsleiter für die Bereiche Landkreis Mühldorf, Stadt Rosenheim und Landkreis Rosenheim Nord?

Von Berg: Seit vierundzwanzig Jahren für den Landkreis Mühldorf am Inn, die anderen Bereiche kamen später hinzu.

Welche Aufgaben umfasst Ihr Zuständigkeitsbereich?

Von Berg: Alle Fragen, die mit dem Einwirken auf das ober- und unterirdische Wasser in den genannten Landkreisen zu tun haben, also auch das Aus- und Umbauen und die Renaturierung des Inns.

Handelt es sich dabei um Außen- oder Innentätigkeiten?

Von Berg: Es handelt sich um 20 bis 30 Prozent Außentätigkeit, der Rest ist Bürotätigkeit.

Wodurch wird der Hochwasserschutz am Inn erreicht?

Von Berg: Der Technische Hochwasserschutz wird in erster Linie durch Deiche, aber bei engen Platzverhältnissen auch durch Mauern, oft aus Beton, erreicht.

Welche dieser Maßnahmen ist umwelt- und naturfreundlicher?

Von Berg: Das sind ganz klar die Deiche. Eine große Rolle spielt die Vorsorge in den Einzugsgebieten des Inns. Hier beraten wir die Gemeinden. Wirkungsvoller Hochwasserschutz kann auch durch Flutpolder erreicht werden, am Inn braucht man dazu sehr große Flächen.

Sind im Landkreis Mühldorf am Inn Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser am Inn vorhanden?

Von Berg: Für Kraiburg am Inn und Waldkraiburg gibt es seit zwanzig Jahren einen Schutz gegen Hochwasser. Für Mühldorf am Inn ist eine Schutzmaßnahme in Planung.

An welcher Stelle in Mühldorf ist der Hochwasserschutz geplant?

Von Berg: Wenn Sie aus Altötting kommend nach Mühldorf über die Innbrücke fahren, dann sind Schutzmaßnahmen auf der rechten Seite der Brücke in den bebauten Bereichen vorgesehen.

Wann gab es das hundertjährige Hochwasser in Mühldorf am Inn?

Von Berg: Das war im August 2005.

Welche Renaturierungsmaßnahmen sind in Mühldorf am Inn umgesetzt geworden?

Von Berg: Im Landkreis Mühldorf renaturieren wir den Inn zwischen Jettenbach und Töging seit über 20 Jahren, seit 2001 gibt es eine Vereinbarung über die Beteiligung der Kraftwerksbetreiber dazu. Viele Maßnahmen im Flussbett und auch in den Auen sind seitdem umgesetzt worden, zum Beispiel Steinschwellen zur Stützung der Flusssohle, die Anlage von natürlichen Ufern und die Wiedervernässung trockengefallener Auenbereiche. Wir haben dazu auch viele Uferflächen am Inn erworben. Der Inn mit seinen Auen soll wieder so natürlich werden, dass alle hier typisch vorkommenden Tiere und Pflanzen einen möglichst guten Lebensraum finden.

Hat diese Renaturierung einen Bezug zu einer europäischen Richtlinie?

Von Berg: Ja, wir befinden uns hier in einem durch die Europäische Flora Fauna Habitat-Richtlinie - abgekürzt FFH-Richtlinie - geschützten Gebiet. Darüber hinaus sind unsere Renaturierungsmaßnahmen am Inn absolut geeignet, den guten Zustand, den die Europäische Wasserrahmenrichtlinie – WRRL – fordert, zu sichern oder wiederherzustellen.

Auf welchem Stück des frei fließenden Inns wird die Inn-Renaturierung noch vorangetrieben?

Von Berg: Am Wehr Jettenbach ist ein Umgehungsbach mit einer Länge von zirka 900 Metern entstanden. Eine der Aufgaben, die er erfüllen soll, ist, den unterbrochenen Flusslauf durchgängig zu machen, so dass die Fische und auch andere Wasserorganismen stromauf- oder –abwärts wandern können. Außerdem stellt er einen neuen wichtigen Lebensraum dar und dient als Laichgewässer.

Der Inn zwischen Jettenbach und Töging

Haben die Stauanlage Jettenbach, die Kraftwerke Jettenbach und Töging und der Innkanal negative Auswirkungen auf den Inn?

Von Berg: Das Eingreifen des Menschen am Inn hat sehr früh begonnen. Schon im 19. Jahrhundert hat man vielerorts versucht, dem Inn ein definiertes Gewässerbett zu bauen. Damals wurden vor allem die Ufer befestigt, ab da tiefte sich der Inn mehr und mehr ein. Mit Beginn der Wasserkraftnutzung im 20. Jahrhundert wurde dem Inn zusätzlich viel Wasser entnommen, bis zu 340 m³/s, sowie das Geschiebe, das der Fluss ursprünglich aus den Bergen mitbrachte, zurückgehalten. Im Mittel kommen im Sommer rd. 500 m³/s Wasser an, aber es sind dann aufgrund der Ausleitung nur 160 m³/s Wasser, die ab dem Jettenbacher Wehr im Inn weiterfließen. Im Winter war lange Zeit nur ein Restwasser von 5 m³/s vorgeschrieben, das wurde seit 2001 deutlich erhöht. Wesentliche Folgeerscheinungen des Flussausbaus und der Wasserkraftnutzung sind neben der eingeschränkten Wasserführung auch die Eintiefung des Flussbetts, das Absinken des Grundwasserstandes in den Uferbereichen und damit eine Veränderung der ökologischen Verhältnisse in den Flussauen. Mit unseren Renaturierungsmaßnahmen, an denen auch zu einem großen Teil der Wasserkraftbetreiber beteiligt ist, sind diese Defizite wesentlich zurückgegangen.

Welchem Anbieter gehören die Wasserkraftwerke Jettenbach und Töging am Inn?

Von Berg: Sie gehören der Firma Verbund AG aus Wien.

Bleibt der Inn zwischen Jettenbach und Töging auch in Zukunft unverbaut?

Von Berg: Ja.

Interview: Rafael Raaber

Zurück zur Übersicht: Jettenbach (Oberbayern)

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser