Nie in Jeans zum Bewerbungsgespräch

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Kleider machen Leute. Das wissen (von links) Stefan Fuchs, Gerhard Geier und Handja Nenad spätestens seit dem "Berufsknigge"-Kurs im BFZ. Ausbilderin Susanne Wintersteiger und Modeexperte Peter Krause (rechts) zeigen den Bildungskunden, was man beim Vorstellungsgespräch tragen kann und was nicht angemessen ist.

Waldkraiburg - Kleider machen Leute! Was man beim Bewerbungsgespräch anziehen soll und worauf en detail zu achten ist, erfahren die BFZ-Umschüler im neuen "Berufsknigge"-Kurs.

"Zu einem Vorstellungsgespräch würde ich nie in Jeans gehen", sagt Peter Krause vom Geschäft Mode Meinl. Heute findet hier ein "Berufsknigge"-Kurs statt. Ausbilderin Susanne Wintersteiger freut sich, dass sich Peter Krause und seine Frau Edith Meinl als Berater zur Verfügung stellen. Beim "Berufsknigge" geht es auch um Tischregeln, den Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten, Regeln bei Telefongesprächen und etwa Pünktlichkeit.

Die Bildungskunden aus den Bereichen Automobil- und Immobilien- oder Tourismuskaufleute sowie Gesundheitskaufleute und Sozialwirte müssen mit einem entsprechenden Auftreten überzeugen, erklärt Susanne Wintersteiger, die den Kurs leitet. "Damit haben sie mehr Erfolg beim Vorstellungsgespräch und später im Berufsleben", ist sie überzeugt. Heute hat sie drei Männer vor sich, die eine Umschulung zum Immobilienkaufmann machen.

Gerhard Geier war Fliesenleger. Diesen Beruf musste der 40-Jährige gesundheitsbedingt aufgeben. Er hatte Probleme mit dem Rücken, den Knien und erlitten mehrere Hörstürze. "Jetzt gehe ich ganz neue Wege", sagt der Altöttinger und schlüpft in ein Sakko. Es sitzt wie angegossen. Früher brauchte er selten ein Sakko und wenn er eins trug, passte es nicht richtig, obwohl er vom Gegenteil überzeugt war.

Nun wird seine Jeans diskutiert. Peter Krause schüttelt den Kopf. "Man will sich präsentieren und dazu gehört korrekte Kleidung", sagt der Experte. Gibt es mehrere qualifizierte Bewerber, gebe oft den Ausschlag, was der Einzelne beim Bewerbungsgespräch anhat. Von einem Immobilienverkäufer erwarte man ein seriöses Auftreten. Was dazu gehört, erklärt er den Knigge-Schülern, die verschiedene dezente, aber elegante Anzüge anprobieren. "Ein schwarzer Anzug geht immer", erklärt Krause. Dazu empfiehlt er ein mint- oder rosefarbenes Hemd.

Zu dem eleganten Auftritt passen Geiers Turnschuhe, die er so gerne trägt, gar nicht. Auch die Ohrringe sowie die blonden Strähnen wird er weglassen müssen, sagt BFZ-Ausbilderin Wintersteiger. Außerdem sind seine Haare im Nacken zu lang, lautet ihr Urteil.

Lieber sollen die Herren durch eine feine Krawatte oder das "Pochette", das Einstecktuch, auffallen. Je nach Kragen und Revers empfiehlt Krause den passenden Krawattenknoten, die meisten tragen einen "einfachen Windsor".

Handja Nenad aus München wechselt vom Hotelfach ins Immobiliengewerbe. Früher hat er in der Küche gearbeitet, wegen der Lautstärke dort hat er heute Probleme mit dem Hören. In dem Anzug, den er gerade probiert, fühlt sich der 41-Jährige wohl, da darf es auch etwas bunter sein. Natürlich nur beim Hemd und der Krawatte. Die Schuhe sollen harmonisch zum Anzug passen, die Socken natürlich auch - das verlangt die Etikette. Von mehrfarbigen Budapestern rät Peter Krause ab. "Die kommen nur für den Golfplatz in Frage, oder aber in Sizilien", sagt er augenzwinkernd.

Handja Nenad fragt nach dem passenden Mantel, wenn der Winter kommt. Da wird ihm ein Gehrock empfohlen, der gut über sein Sakko passt, aber auch ein Trenchcoat sieht schick aus.

Gerhard Geier findet es schwierig zu unterscheiden, was ein "Muss" ist und wo man individuell entscheiden kann. Wintersteiger empfiehlt hier im Einklang mit den Modeexperten Meinl und Krause, immer auf der klassischen Linie zu bleiben.

Edith Meinl merkt an, dass sich nirgends die Meinung so schnell ändere wie in der Mode. Daher sei es schwer, richtige "No-Gos" festzulegen.

Stefan Fuchs hat auch den richtigen Anzug für sich gefunden. Er ist hellgrau, dazu wählt er ein weißes Hemd sowie eine lilafarbene Krawatte und das passende Eintecktuch dazu. Der 29-Jährige ist gelernter Tischler und war zuletzt in der Versicherungsbranche tätig. "Gesundheitsbedingt", nennt er als Ursache für einen erneuten Jobwechsel.

Zum BFZ-"Berufsknigge" gehören auch eine Farb- und Stilberatung sowie Hand-, Körper-, Gesichts- und Haarpflege, die in der BFZ-Kosmetikabteilung stattfindet. Gepflegt will der Kunde seinen Berater haben. Das wird hier vermittelt. Auch für Frauen gelten gewissen Regeln. Beim Vorstellungsgespräch sollte die Dame eine lange Bluse oder ein leichtes Twin-Set tragen. Make-up und Schmuck bitte nur dezent, sagt Wintersteiger. Beim Arbeiten sind ärmellose Oberteile aus hygienischen Gründen tabu. Außerdem haben Leggins und Minirock im Büro nichts verloren, erklärt Susanne Wintersteiger.

Gekauft haben die drei Männer heute noch nichts. Doch jetzt wissen sie, dass ein gutsitzender Anzug schon für 300 Euro zu haben ist.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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