"Die Schule ist mein Ding"

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Waldkraiburg - Maria Klopsch-Wesel ist Sonderschullehrerin mit Leib und Seele. Jetzt übernimmt sie die Schulleitung des Sonderpädagogischen Förderzentrums Waldkraiburg.

Mit 58 Jahren fühlt sich Maria Klopsch-Wesel keineswegs zu alt, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Sie wird im neuen Schuljahr die Leitung des Sonderpädagogischen Förderzentrums an der Josef-Eichendorff-Schule übernehmen. Offiziell hat sie ihr Amt bereits am 1. August überrnommen. Entsprechend sitzt Maria Klopsch-Wesel schon jetzt täglich in ihrem neuen Büro, um sich einzuarbeiten. Da galt es, eine grobe Jahresplanung aufzustellen, die Aufgabenverteilung mit ihren beiden Konrektoren zu besprechen sowie die Lehrerstunden auf den stationären und mobilen Dienst zu verteilen. "Eine Woche Urlaub habe ich mir gegönnt."

Ihr Ziel ist es, gut in das neue Schuljahr zu starten. Sie ist zuversichtlich, dass es nach einer gewissen Übergangsphase wieder leichter laufen wird.

Die engagierte Sonderschullehrerin ist bereits ein "alter Hase" im Förderzentrum. Schon seit 1976 ist sie hier als Lehrerin aktiv, seit 2004 als Mitglied der Schulleitung. Nachdem Franz Göhl am Ende des vergangenen Schuljahres in Ruhestand ging, bewarb sie sich um dessen Nachfolge. Sie habe zwar lange überlegt, doch die positiven Signale aus ihrem Umfeld haben ihren Entschluss bestärkt. "Ich fühle mich von meinen Kollegen unterstützt und auch mein Vorgänger hat die Bewerbung befürwortet", so Klopsch-Wesel.

Eine Portion Aufregung werde schon dabei sein, wenn sich am ersten Schultag die Türen öffnen. Allerdings freut sie sich auf ihre Aufgaben. "Es wird auf alle Fälle spannend", so die neue Schulleiterin. Einziger Wermutstropfen sei für sie, dass sie nur noch einige Stunden Unterricht geben könne und der Rest mit Verwaltungsaufgaben ausgefüllt ist. Doch eine eigene Klasse hatte sie sowieso schon lange nicht mehr, da sie ja bereits als Erste Konrektorin die Außenstellen des Förderzentrums zu betreuen hatte.

Schon in ihrer eigenen Schulzeit war für Maria Klopsch-Wesel klar, dass sie Sonderschullehrerin werden will. Den Ausschlag hat der Besuch beim Sonderpädagogischen Förderzentrum Ursberg gegeben. Erst studierte die gebürtige Stuttgarterin in Augsburg Grundschullehrerin und hängte dann in München ein zweijähriges Aufbaustudium Sonderpädagogik dran. Dazwischen war sie - während der Referendarszeit - bereits in einer Behinderteneinrichtung in Ramsau tätig. Nach dem Ende der Ausbildung kam sie dann bereits nach Waldkraiburg, wo sie ab 2004 als Zweite Konrektorin und ab 2007 als Erste Konrektorin tätig war. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit waren der Mobile sonderpädagogische Dienst (MSD), die Arbeit in der Schulvorbereitenden Einrichtung (SVE) und die Schulaufnahme.

Ein großes Anliegen der neuen Schulleiterin ist es, den Zusammenhalt unter den Kollegen zu fördern und zu erhalten. Der Zusammenhalt gelte auch für die Unterrichtsgestaltung, so Klopsch-Wesel. Hier wünscht sie sich eine vergleichbare Linie, um den Schülern die Arbeit zu erleichtern. Ein weiteres großes Thema ist die sogenannte "Inklusion". Davon haben, so die Rektorin, viele noch eine falsche Vorstellung. Inklusive Pädagogik bedeutet das Recht aller Schüler, unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen sowie von ihrer ethnischen, kulturellen oder sozialen Herkunft gemeinsam unterrichtet zu werden.

"Inklusion" in der Diskussion

Bisher wurde die sogenannte integrative Pädagogik verfolgt. Hier wird beispielsweise zwischen Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Kindern ohne sonderpädagogischem Förderbedarf unterschieden. Das führte eben auch zur Einrichtung der Sonderpädagogischen Förderzentren (früher Sonderschule), um die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf dort entsprechend ihrer Fähigkeiten zu schulen.

"Inklusion ist etwas ganz anderes, da wird nirgends ausgesondert, sondern alle Schüler sind überall gleichberechtigt", erklärt die neue Schulleiterin. Für sie wäre die inklusive Schule "eine Revolution, die aber nicht kommen wird". Sie sieht dabei die Gefahr, dass Schüler, die eigentlich erhöhten Förderbedarf hätten, nicht mehr an die Förderschule geschickt werden.

Sorge um das Fortbestehen des Sonderpädagogischen Förderzentrums braucht sie sich aber derzeit keine machen. Rund 350 Schüler werden auch im kommenden Schuljahr das Förderzentrum in Waldkraiburg mit all seinen Einrichtungen besuchen; auch die Zahl der Klassen bleibt gleich.

Bedarf an Schulsozialarbeit und Ganztagesklasse

Ein weiteres Thema brennt Maria Klopsch-Wesel aber auch noch unter den Nägeln; und das betrifft die Schulsozialarbeit. Von einer eigenen Stelle für einen Schulsozialarbeiter kann die neue Schulleiterin auch im kommenden Schuljahr nur träumen. "Sie wird nicht kommen", bedauert sie.

Dabei wurde bereits im Jahr 2000 der Bedarf dafür festgestellt. Man hatte damals eine Fördergruppe für soziale Fertigkeiten. Auf die halbe Stelle dieser Gruppe wurde dann zu Gunsten des Sozialpädiatrischen Förderzentrums in Altötting verzichtet. Allerdings, so Maria Klopsch-Wesel, habe sich sehr schnell herausgestellt, dass dies nicht ausreichend sei. Daher sei die Stelle für einen Schulsozialarbeiter jedes Jahr wieder beantragt worden; bislang aber ohne Erfolg. Ebenfalls nicht kommen wird eine Ganztagesklasse. Hier sei der Bedarf da, die Einrichtung scheitere aber an fehlenden Räumlichkeiten, bedauert die neue Schulleiterin. "Die Grundschüler sind einigermaßen versorgt, doch für die Mittelstufe wäre die Ganztagsbetreuung dringend nötig."

hsc/Mühldorfer-Anzeiger

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