Jagen wie einst Kaiser Friedrich II.

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Florian Sax mit beiden Bussarden: Die Haube des Männchens (rechts) dient - für Menschen schwer vorstellbar - zur Beruhigung des Vogels. In der Dunkelheit kommt er nicht in die Verlegenheit zu jagen.

Kraiburg-Ensdorf - Florian Sax aus Ensdorf hat ein exotisches Hobby: In seiner Freizeit widmet sich der ausgebildete Feinwerkmechaniker der Pflege und dem "Abtragen" (Abrichten) von Greifvögeln.

Jäger gibt es in Bayern natürlich einige, schließlich genießt die Jagd nach wie vor ein hohes Prestige und gilt vielen als Kulturgut. Doch nur wenige Jäger schließen an den Jagdschein auch noch den Falknerschein an. Anders Florian Sax aus Ensdorf: Er ist mit der Jagd aufgewachsen, auch sein Vater ist Jäger. Doch der 20-Jährige ist der einzige Falkner in der Familie. "Ich habe mit 16 den Jagdschein gemacht, das dauerte so etwa ein Dreivierteljahr", erzählt er. "Beim Jagdschein hab ich auch etwas über Vögel gelernt und anschließend den Falknerschein gemacht, das dauerte nochmal rund ein halbes Jahr."

Sax ist stolzer Besitzer von vier Greifvögeln: Neben zwei Wüstenbussarden (einem Männchen und einem Weibchen) kümmert er sich auch um einen männlichen Gerfalken und eine weibliche Hybride (Mischling) aus einem Gerfalken und einem Lannerfalken.

"Die Kunst, den Vogel abzurichten", erklärt Sax sein Hobby, "kostet sehr viel Zeit und Nerven. Die Falknerei besteht ja aus der Jagd, der Pflege, der Zucht und dem Abtragen der Tiere. Das Wort Abtragen kommt daher, dass man den Vogel mit einem Spezialhandschuh auf der Hand trägt." Ob es angesichts der wenigen Falkner in Deutschland schwer ist, überhaupt an einen Falken zu kommen? "Nein", meint Sax. "Züchter gibt es in ganz Deutschland. Das geht preislich bei 400 Euro los und hat nach oben hin keine Grenze." Im Gespräch mit Sax merkt man schnell, dass ihm die Falknerei mehr ist als nur ein Hobby. Eher eine Berufung: "Wenn der Vogel fliegt und mit 300 Kilometer pro Stunde auf dich zukommt, ist das einfach nur faszinierend."

Für Menschen sind Falken oder Bussarde auch kaum gefährlich. Bis auf einen Spezialhandschuh sind keine weiteren Sicherheitsvorkehrungen notwendig.

In Zentralasien galten Falken schon vor rund dreieinhalb Jahrtausenden als ausgezeichnete Jäger. Und auch der deutsche Kaiser Friedrich II. (1194-1250), der die Falkenjagd von den Arabern gelernt hatte, war von den Vögeln so begeistert, dass er seine Beobachtungen über die Tiere in seinem Werk "De arte venandi cum avibus" (Von der Kunst, mit Vögeln zu jagen; Anm. d. Red.) niederschrieb.

"Der Gerfalke zum Beispiel jagt alles, was fliegt, von der Krähe bis zur Gans", erklärt Sax. "Falken sind Langstreckenjäger und verfolgen die Beute auch schon bis zu zehn Kilometer." Für den Fall, dass ein Tier nach einer so langen Jagd den Weg zurück nicht mehr findet oder vom Wind weggetrieben wird, trägt mittlerweile jeder Vogel einen Sender.

"Wüstenbussarde sind dagegen Kurzstreckenjäger", fährt Sax fort. "Wenn sie ihre Beute nicht erwischen, fliegen sie zum nächsten Baum oder in den Wald und warten."

Überhaupt spielen Bäume und Wälder eine wichtige Rolle bei der Jagd mit Greifvögeln. Auf raffinierte Weise machen sich die Jäger nämlich das Verhalten der Beutetiere zunutze, die sich, wenn sie einen Greifvogel sehen, meist in eine Baumkrone flüchten - aus dieser muss sie der Jäger dann verscheuchen, damit der Jagdvogel zuschlagen kann.

Momentan betreibt Sax die Falknerei noch als Hobby neben seiner zweiten Lehre als Holzbearbeitungsmechaniker im elterlichen Betrieb. Dass er eines Tages hauptberuflich als Falkner tätig sein wird, schließt er aber keinesfalls aus.

mlo/Mühldorfer Anzeiger

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