Mit dem Jäger auf der Pirsch

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24 Kinder wollten trotz des schlechten Wetters gestern unbedingt mit dem Jäger auf die Pirsch gehen. Organisatorin Angelika Vago (im Bild rechts hinten) von Treffpunkt Wildland berichtet, dass noch 49 Kinder auf der Warteliste standen.

Waldkraiburg/Jettenbach - "Die Fichte sticht, die Tanne nicht." Spätestens seit dem Waldbesuch mit zwei Jägern kennen viele Ferienkinder diesen Spruch.

Sie wissen wie Rehspuren aussehen, was der Jagdhund macht, wenn er ein Tier wittert und warum Jäger manchmal Tiere erschießen müssen.

Mit dem Jäger auf der Pirsch

Bevor es in den Wald bei Schrottwinkl in Jettenbach geht, stellen sich 24 Kinder, die am Waldkraiburger Ferienprogramm teilnehmen, im Kreis auf und lauschen den Worten von Eva von Lospichl. Die 21-Jährige ist Jägerin und absolviert derzeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Sie unterstützt die Biologin Angelika Vago von Treffpunkt Wildland, die diesen Waldausflug organisiert hat. Zusammen mit dem Revierinhaber Erich Darmann und Jagdhund Ferry begibt sich die Gruppe in den Wald.

Jägerin Eva von Lospichl blies ins Jagdhorn. Jäger Erich Darmann mit Hund Ferry ging mit den Ferienkindern auf Spurensuche im Rahmen des Ferienprogramms.

Es regnet, aber die Kinder und die drei erwachsenen Begleiter sind wetterfest gekleidet. Im Kreis stehend sollen die Kinder die Augen schließen und den Arm zur Faust geballt vorstrecken. Für jedes Geräusch, das sie hören, sollen sie einen Finger ausstrecken und anschließend davon berichten. Regentropfen trommeln auf die Kapuzen, weiter entfernt rauscht ein Auto auf der nassen Straße vorbei. Ein Vogel schimpft, die Leine von Hund Ferry ist zu hören sowie der eigene Atem.

Jetzt sind die Kinder fit für den Wald und haben soeben "die kleine Jägerprüfung" bestanden. Sie wissen, dass sie jetzt leise sein müssen, um die Tiere an den Geräuschen, die diese machen, zu erkennen.

Neben einem Futterstand für die Rehe wird Station gemacht und geklärt, welche Aufgaben ein Jäger hat. Die kleine Lucia sagt "Tiere erschießen, wenn es zu viele davon gibt. Sonst wird es im Wald zu eng." So bespricht die junge Jägerin Eva von Lospichl mit ihren Schützlingen etwa, wann ein Jäger zufüttert, warum er meist grün gekleidet ist, wofür er Hund und Fernglas braucht und vor allem wozu das Jagdhorn, das sie gerade aus ihrem Rucksack auspackt.

"Früher gab es kein Handy, um sich zu verständigen", erklärt sie den Knirpsen. Daher blies man verschiedene Musikstücke, wenn man sich als Jäger im Wald aufhielt, etwa um alle Jäger zum Sammeln zu rufen. Sie macht es vor. Da das Horn noch kalt ist, klingen manche Töne etwas schief. Die Kinder stört das nicht, sie horchen beeindruckt zu.

Natürlich muss ein Jäger die Pflanzen und Tiere in seinem Revier kennen. So erfahren die jungen Teilnehmer, wie man Tanne, Kiefer und Fichte unterscheidet. Besonders gewitzt ist die neunjährige Lorena. Sie hat in der Schule in der dritten Klasse im Heimat- und Sachkunde-Unterricht gut aufgepasst. Sie weiß, dass Tannennadeln stumpf sind und auf der Unterseite weiße Streifen haben, Wachsstreifen. Sie weiß auch, dass Tannenzapfen nicht einfach so von den Zweigen fallen, sondern an den Ästen verdorren.

Auf dem weichen Waldweg entdecken die Kleinen Spuren eines Rehs. Jäger Darmann erklärt: "Das sind zwei Schalen des Rehfußes". Sein Hund Ferry, ein einjähriger deutscher Drahthaar in Ausbildung, wittert einen Fuchs und steht vor. "Es fuchselt", sagt das 51-jährige Herrchen und erklärt, dass der Jagdhund ganz steif wird und die Vorderpfote hebt, wenn er Tiere wittert. "Dann steht er vor und darf sich erst wieder rühren, wenn ein Schuss gefallen ist. Dann apportiert er das Tier." Das demonstriert er später mit einer Kunststoffente.

Eigentlich hatte er für die Wanderung präparierte Tiere im Wald platziert, damit die Kinder sehen, wo sie vorkommen. Der starke Regen zwang ihn, sie wieder einzusammeln. Zur Brotzeit macht die Gruppe Halt im Heustadel eines Bauernhofes, wo die Präparate schon aufgebaut sind. Im Trockenen können die Kinder in Ruhe Fuchs, Eichelhäher und etwa Eichhörnchen begutachten. Später dürfen sie noch auf einen Hochstand klettern und bekommen erklärt, wie ein Fuchs- und Dachsbau aufgebaut sind.

Angelika Vago von Treffpunkt Wildland freut sich über die große Teilnehmerzahl. Im nächsten Jahr will sie zwei Veranstaltungen dieser Art anbieten, damit auch alle interessierten Kinder mitgehen können.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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