Jack Hardy's Hauskonzert in Waldkraiburg

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Waldkraiburg - Die eigenen Erfahrungen weitergeben, ein schönes Ziel. Manche schreiben Bücher, manche predigen, andere machen Musik.

Ein Mann mit genug Lebenserfahrung, weit gereist, vom Schicksal nicht verschont und dennoch nicht unterzukriegen, stattete dem Haus der Kultur am Donnerstag Abend einen Besuch ab. Jack Hardy ist einer der wichtigsten und einflussreichsten Singer/Songwriter der vergangenen 40 Jahre. Nichts ist ihm zu banal, kein Thema ist ihm zu heiß und er reißt den Mund schon auch mal weit auf, wenn ihm was über die Leber läuft.

In Waldkraiburg war er zahm, vielleicht ein wenig zu zahm, wenn auch nur oberflächlich betrachtet. Denn ein Singer/Songwriter ist kein Rockstar, der mit Posen und großen Bewegungen und Sprüchen auf sich aufmerksam machen oder von seinen Schwächen ablenken will, sondern überzeugt mit seinen Texten. Und das gelang Hardy, begleitet von seinem Bruder Christopher an der Fiddle und Kirk Siee am Kontrabass.

Dabei rief er eine der wichtigen Eigenschaften eines aufmerksamen Künstlers spielend ab und reagierte spontan auf die nur knapp 30 Gäste, indem er das Konzert zum "Hauskonzert" deklarierte, was ja unheimlich trendy sei und einen gewissen elitären Charme für die Besucher habe. Egal, ob es Liebeslieder sind, die Hardy & Co mit "The yellow dress" oder "White shoes" präsentiert, oder kritische und melancholischen Songs wie "Rust bell town", ein Stück über eine aussterbende Stadt in Indiana: Jack Hardy kreiert mit zum Teil umfangreichen Texten Metaphern und Bilder. Wer glaubt, moderne Rapper würden schnell sprechen, hat Jack Hardy noch nicht gehört. Sein Wortwitz ist ebenso bestechend wie sein Talent zahllose Silben in einen Takt zu reimen. Aber man muss schon genau zuhören, um hinter das Geheimnis des einen oder anderen Titels zu kommen. So verbindet Hardy in "20th century" eine Zugfahrt schlicht genial mit den Ereignissen des 20. Jahrhunderts.

Und so kamen die Hauskonzertbesucher neben Folkmusic auf höchstem Niveau auch in den Genuss von Western Swing und anderer Derivate der amerikanischen Songwriter-Musik: ohne Netz und doppelten Boden. Geradeaus und sicher genau richtig für ein ausgewähltes Publikum an einem Novemberabend.

Mühldorfer Anzeiger

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