Internet-Fahnder: Der Mausklick bis zum Grauen

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Internetfahnder Rainer Richard: Medienkompetenz lässt sich durchsetzen.

Waldkraiburg - Er bot "harte Kost": Rainer Richard, Internet-Fahnder der Polizei, untermauerte einen Vortrag über "Jugendschutz und Internet - Multimedia ohne Grenzen?" mit aufrüttelndem und erschreckendem Ton- und Bildmaterial.

Im Rahmen des Bezirkselterntages der Realschulen Oberbayern und auf Einladung des örtlichen Elternbeirats gab Rainer Richard, Internetfahnder des Polizeipräsidiums München und Dozent der Hanns-Seidel-Stiftung, in der Aula der Realschule einen überzeugenden Einblick in das brisante Thema. "Die grausame Realität macht auch nicht Halt vor den Toren Waldkraiburgs", so der Referent. "Wir bekamen Aufnahmen zu sehen, die für Erwachsene fast nicht mehr zumutbar sind, geschweige denn für Kinder und Jugendliche", so Georg Zeiser vom Elternbeirat der Porsche-Realschule.

Das Internet liefert zweifellos umfassende Informationen und stellt weltweite Verbindungen her. Allerdings birgt es auch Gefahren in Form von Drogenangeboten, Kindesmissbrauch, Aufforderungen zur Bulimie bis hin zur Gewaltverherrlichung, der Darstellung von Tötungsdelikten, der Anweisung zur Selbsttötung und abstoßenden Pornos, selbst wenn man unbeabsichtigt auf solche Seiten gerät. Jeder könne problemlos und häufig auch kostenlos Gewalt- und rassistische Spiele, auch indizierte, herunterladen.

Gefahr durch Chatrooms

Waren es zum Beispiel im April 2008 rund 80 Millionen Pornodarstellungen, so kann man heute auf etwa 600 Millionen zurückgreifen. 42 Prozent der Elf- bis 13-Jährigen haben schon einmal solche Bilder angesehen, von den 17-Jährigen sogar fast 80 Prozent.

Eine besondere Gefahr stellt das Chatten in den über 100.000 Chatrooms dar. Rund 80 Prozent der Kinder nutzen sie, aber nur fünf Prozent der Eltern wissen davon. 33 Prozent der Jugendlichen haben darin schon ihre Fotos eingestellt, die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich jenseits der 50 Prozent.

Eine weitere massive Gefährdung kann sogar durch so genannte soziale Netzwerke entstehen. Denn selbst über sie kommt es häufig zu Nachahmungstaten. Nutzer nehmen das Leid anderer nicht mehr wahr. Die Privatsphäre wird missachtet. Man stumpft ab gegenüber Gewalt; ja selbst die berufliche Zukunft kann geschädigt werden, wenn persönliche Aufnahmen in falsche Hände geraten.

Was ist also zu tun, um den Kindern Schutz und Hilfe im Umgang mit dem Internet zu bieten? Die Grundregel lautet: Der PC ist genau so wenig Babysitter wie das Medium Fernsehen. "Nutzen Sie den Wissensvorsprung Ihrer Kinder und lassen Sie sich das Netz erklären! Zeigen Sie Interesse für das, was Ihre Kinder interessiert!", empfiehlt der Experte.

Im Bereich der technischen Vorkehrungen lasse sich derzeit wenigstens ein Teil des Missbrauchs verhindern: Eltern sollten die Kontrolle über die Beschäftigung ihrer Kinder am PC nicht verlieren.

Besonders aber lässt sich Medienkompetenz in der Erziehung durchsetzen: "Legen Sie mit dem Kind fest, wie viel Zeit es am Computer verbringt, begrenzen Sie die Auswahl der Seiten, der Chatrooms. Besprechen Sie unmissverständlich, dass Ihr Kind Sie über alles Beunruhigende, Seltsame umgehend informiert", so der Internet-fahnder. fis

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