1,5 Milliarden Umsatz, 5000 Mitarbeiter

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Seit eineinhalb Jahren an der Spitze der IGW: Vorsitzender Ulli Maier.

Waldkraiburg - Sie ist drei Jahre älter als die Stadt . Allein daran zeigt sich, welche Bedeutung die Industriegemeinschaft Waldkraiburg-Aschau hatte, als sie vor 65 Jahren gegründet wurde.

"Der Industriegemeinschaft kam sehr bald eine Art "Mädchen-für-alles-Funktion" zu. Sie darf regelrecht als Vorgänger-Institution der 1950 gegründeten Gemeinde Waldkraiburg angesehen werden", schreiben Stadtarchivar Konrad Kern und Unternehmer Peter Schmidt in ihrem Beitrag für das aktuelle Stadtbuch.

Mit dem Wachstum der Stadt veränderte sich naturgemäß die Rolle der IGW, deren Geschichte von Unternehmerpersönlichkeiten und -familien geprägt wurde, die trotz globaler Präsenz der Unternehmen Standort und Stadt eng verbunden blieben. Unverändert stehe der Verein aber für die große Bedeutung der Industrie für Waldkraiburg, Aschau und Umgebung, so der Vorsitzende Ulli Maier. Die IGW repräsentiert eine enorme Steuerkraft "und stabilisiert damit Stadt und Landkreis".

Mit 65 denken viele an Ruhestand. Davon soll bei der Industriegemeinschaft keine Rede sein. "Wir schauen nach vorne", so Maier.

Fakten, Zahlen, Themen, Anliegen

Mitglieder: In der IGW sind derzeit 29 Betriebe aus Waldkraiburg, Aschau und Jettenbach organisiert. Der Verein setzt sich aus Unternehmen unterschiedlicher Größe und verschiedenster Branchen zusammen: vom Chemiebetrieb über Maschinenbauer, Automobilzulieferer, Energieversorger bis hin zur Brauerei, zum Musikinstrumentenbauer, Weiterbildungs- und Qualifizierungszentrum.

Mitarbeiter: Die 29 Mitgliedsbetriebe der Industriegemeinschaft beschäftigen rund 5000 Mitarbeiter.

Auszubildende: Die Mitgliedsbetriebe bieten 37 verschiedene Ausbildungsberufe vom Betriebsinformatiker bis zum Zerspanungsmechaniker an. Derzeit beschäftigen sie 275 Auszubildende in allen Lehrjahren.

Umsatz: Rund 1,5 Milliarden Euro.

Gewerbesteuer: 22 Mitgliedsfirmen der IGW haben für das Jahr 2011 in der Stadt Waldkraiburg 11,4 Millionen Euro Gewerbesteuer aufgebracht (nur etwa 40 Prozent davon verbleiben in der Stadt). In der Gemeinde Aschau zahlten sechs IGW-Mitglieder 850000 Euro (2011).

Zusammenarbeit mit der Stadt: Der IGW-Vorsitzende ist stimmberechtigtes Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtmarketing GmbH. Darüber hinaus dränge die Industrie auf "eine verstärkte Kommunikation mit der Stadt im Hinblick auf wichtige wirtschafts- und standortpolitische Fragen und Entscheidungen", sagt Ulli Maier. Er spricht sich für regelmäßige Gesprächsrunden von IGW-Delegierten mit dem Bürgermeister und der Spitze der Stadt aus. "Die Stadt sollte permanent auf dem Laufenden sein, was die Firmen planen, die Unternehmen sollten frühzeitig über die Vorhaben der Stadt informiert sein, die strukturelle und möglicherweise finanzielle Auswirkungen auf die Unternehmen haben".

Anliegen: "Wir brauchen eine bessere Verkehrsanbindung über die Autobahn und den zweigleisigen Bahnausbau, das ist bekannt, liegt aber nicht in unserer Hand." Ein Problem für die Firmen sieht Maier auch darin, dass es "zu wenig Bauland in Waldkraiburg gibt". Das sei aber eine Voraussetzung, damit qualifizierte Arbeitskräfte auch in der Stadt wohnen können. Ein weiteres Problem seien die Preise für Gewerbegrundstücke, die zum Teil fast doppelt so hoch wie im Umland sind. Das kommt daher, dass die Entwicklungsflächen Waldkraiburgs im Staatsforst liegen. Dieses Problem müsse politisch gelöst werden.

Interne Kommunikation: Die Belebung der Kommunikation und Zusammenarbeit in der Industriegemeinschaft sieht Maier derzeit als wichtigen Schwerpunkt der Arbeit an. IGW-Stammtische und Betriebsbesichtigungen seien gut besucht. Neben dem Geschäftsleiterkreis gibt es auch thematische Arbeitskreise, zum Beispiel zum Thema Personal.

Interkommunale Zusammenarbeit: Gemeinsam mit dem Industrie- und Wirtschaftsverbund Mühldorf organisiert die IGW jedes Jahr einen Neujahrsempfang, der nächste findet am 27. Januar in Waldkraiburg statt.

Gewerbesteuererhöhung? Bei der IGW sehe man "die Kostenentwicklung in Stadt und Landkreis sehr kritisch", sagt der Vorsitzende. Das Thema Gewerbesteuererhöhung, das im vergangenen Jahr in der Diskussion war, aber nicht zum Tragen kam, werde in der Industrie aber durchaus differenziert gesehen. Es gebe Kritiker einer Erhöhung ebenso wie Befürworter, die eine moderate Anhebung im Hinblick auf die finanzielle Situation von Stadt und Landkreis und wachsenden Aufgaben etwa im Bereich der Kinderbetreuung für nachvollziehbar halten.

Fachkräftemangel: Die IGW könne mithelfen, ein positives Image der Industriebetriebe als Arbeitgeber zu prägen, so Maier. Das passiert unter anderem über einen modernen Internetauftritt.

Lehrlingsmangel: Die IGW bemüht sich um die Auszubildenden. So gibt es neuerdings zum Beispiel einen Lehrlingsausflug. Und sie bemüht sich um Kontakte mit allen Schulen in der Stadt. "Das Ziel ist es, dass sich Waldkraiburger Schüler auch bei Waldkraiburger Unternehmen bewerben." Aus einem Gespräch mit der Schulleitung des Gymnasiums habe man zum Beispiel die Information mitgenommen, dass etwa 20 Prozent der Schüler sich mit dem Thema "duales Studium" befassen. In einigen Waldkraiburger Firmen gibt es bereits duale Studenten. "Das wird sich in den nächsten Jahren sicherlich verstärken." Im Gymnasium bekomme die IGW ein Info-Board, wo sie Informationen publizieren kann. Außerdem sei die Industriegemeinschaft dabei, alle Praktikumsstellen zu erfassen. Maier: "Wir wollen Jugendliche frühzeitig animieren, bei unseren Unternehmen Praktika zu machen."

Wie jedes Jahr ehrt die IGW ihre besten Lehrlinge in einer Veranstaltung; damit verbunden ist in diesem Jahr auch die Feier zum 65-jährigen Bestehen.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

Zurück zur Übersicht: Region Waldkraiburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser