Nach jahrelangem Streit

In Rekordzeit und einstimmig: Stadtrat bringt Architektenwettbewerb für Waldbad auf den Weg

Die Sanierung des Waldbads geht voran: Im Oktober sollen die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs vorgestellt werden.
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Die Sanierung des Waldbads geht voran: Im Oktober sollen die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs vorgestellt werden.

Einstimmig und in Rekordzeit hat der Stadtrat in seiner Sondersitzung am Dienstag den Architektenwettbewerb für die Generalsanierung des Waldbads auf den Weg gebracht. Wenn alles nach Plan läuft, könnten die Ergebnisse des Wettbewerbs im Oktober öffentlich präsentiert werden, sagte Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG)

Waldkraiburg – Die Zeit drängt, denn wenn die Baumaßnahme nicht bis 31. Dezember 2024 abgeschlossen ist, verliert die Stadt einen Bundeszuschuss in Höhe von 1,6 Millionen Euro.


Gremium folgt Votum der Projektgruppe

Bereits im Oktober hatte der Stadtrat entschieden, die Sanierung des Bades am bestehenden Standort umzusetzen, und war damit, wie Pötzsch betonte, dem Votum der Projektgruppe gefolgt, an der sich auch einige Bürger und Vereinsvertreter beteiligt hatten. Gleichzeitig wurde der Kostenrahmen für den Architektenwettbewerb vorgegeben: 12,6 Millionen Euro sollen im Haushalt für das Bad bereit gestellt werden.


Hier nachlesen:

„Sehr ehrgeiziger Zeitrahmen“ - Waldbad-Sanierung wichtigen Schritt weiter

Sanierung des Waldbad in jedem Fall teurer als geplant

Es geht um umfassende Sanierung und Teilneubau

Für den Architektenwettbewerb, den nicht die Stadt, sondern die Stadtwerke GmbH auslobt, wurde nun der vorläufige Text der Ausschreibung vom Stadtrat abgesegnet. Es geht um eine umfassende Sanierung, beziehungsweise um den Neubau großer Teile der Anlage, die nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspricht. Dies gilt für die Technik ebenso wie für diverse Funktionsräume, die heute gebraucht oder von Besuchern erwartet werden.

Die Eckpunkte der Ausschreibung

Der Bürgermeister referierte in der Sitzung wesentliche Inhalte des Ausschreibungsentwurf:

  • Beckenprogramm: Vorgegeben wird für den Wettbewerb ein 50-Meter-Sport-Becken (1060 Quadratmeter Wasserfläche) mit acht Bahnen und wettkampfgerechter Ausstattung, ein wettkampfgerechtes Sprungbecken mit einem 10 Meter-Sprungturm (330 Quadratmeter) am bestehenden oder an einem neuen Standort, ein Erlebnisbecken (rund 500 Quadratmeter) mit vielfältigen Wasserattraktionen und Großrutsche, ein Kinderplanschbecken (130 Quadratmeter) mit Aufenthaltsbereich für Eltern sowie ein Wasserspielbereich (200 Quadratmeter) ohne Becken, aber mit diversen Erlebniselementen und Installationen.
  • Hauptgebäude/Eingangsbereich:Das Hauptgebäude ist so zu planen, dass es süpäter um ein weiteres Stockwerk aufgestockt werden kann. Der neue Eingangsbereich ist unter anderem mit einer Drehkruezanlage und einem Kassenautomaten für Schlechtwettertage zu versehen. Neben Personal-, Büro- oder Erste-Hilfe-Räumen sind drei je 40 Quadratmeter große Räume für Vereine vorzusehen.
  • Umkleiden/Sanitärbereich: Die sanitären Anlagen, bisher unterdimensioniert werden bedarfsgerecht erweitert. Es soll zudem drei je 30 Quadratmeter große Sammelumkleiden mit zusätzlich fünf Einzelkabinen geben, dazu 50 Einzelumkleiden, die saisonweise vermietet werden können.
  • Liegewiese: Die Liegeweise ist parkähnlich zu gestalten, der Baumbestand zu erhalten. Auch auf der Liegewiese soll es Wechselkabinen zum Umkleiden geben sowie einen Kleinkinderspielbereich (150 Quadratmeter) mit Sand-/Matsch-Spielplatz.
  • Weitere Räumlichkeiten: Der Kiosk (200 Quadratmeter) ist neu zu bauen, mit einem etwa 100 Quaratmeter großen Außensitzbereich.
  • Bauweise: Eine zentrale Vorgabe ist der barrierfreie Zugang zu allen Gebäuden und Freianlagen. Das ist bislang ein großes Manko des Bades. Der Energiebedarf und damit die Energie- und Betriebskosten müssen deutlich reduziert werden.
  • Parkplätze: Zu den bestehenden 100 Parkplätzen sollen 100 weitere auf dem Badgrundstück kommen, 200 Fahrrad- und Motorradstellplätze sollen so nah wie möglich am Eingang angeordnet werden.

Keine weitere Diskussion nötig

Ohne jede Diskussion hat der Stadtrat die Ausschreibung mit diesen und weiteren Eckpunkten einstimmig beschlossen. Nach drei Jahren zum Teil heftiger, bisweilen erbitterter Debatten wurde der nächste Schritt beim Waldbad einvernehmlich auf den Weg gebracht. Nach Vorgesprächen mit den Fraktionsvorsitzenden war in kaum 20 Minuten alles in trockenen Tüchern. Der Auslobungstext wird nun mit der Architektenkammer abgestimmt, ehe er in der Februar-Sitzung des Stadtrates endgültig beschlossen werden kann.

Stimmen zur Ausschreibung der Waldbad-Sanierung

Beim Waldbad ziehen nach den harten Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre wieder alle an einem Strang. Diesen Eindruck vermittelt die Abstimmung im Stadtrat und die Statements am Tag nach dem Beschluss:

Dr. Frieder Vielsack (UWG): „Der ursprüngliche Vorschlag der UWG, das Bad mit Aschau zu machen, hat nicht funktioniert. Ich bin mehr als einverstanden mit diesem Ergebnis. Das ist der demokratische Prozess. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse des Wettbewerbs. Der Auslobungstext lässt den Freiraum für gute Ideen und macht klare Vorgaben, damit uns die Betriebskosten nicht davonlaufen. Ich habe das Gefühl, die Emotionen sind endlich raus. Da tritt keiner mehr nach. Und ich bin froh, dass es jetzt losgeht. Es wird schwierig genug, den Zeitplan zu halten und die Finanzierung in diesen Zeiten sicherzustellen.“

Anton Sterr (CSU): „Ich bin sehr zufrieden. Der Ausschreibungstext entspricht genau dem, was wir wollen. Der Standort an der Reichenberger Straße ist klar. Alle Dinge, die in der Projektgruppe erarbeitet wurden, sind in der Ausschreibung enthalten. Die Formulierungen lassen auch die Möglichkeit offen, dass der Arena-Charakter des Sportbeckens erhalten bleibt. Ich erwarte von den Planern, dass sie dafür gute Gestaltungsvorschläge machen.“

Richard Fischer (SPD): „Das ist der richtige Weg. Die hervorragende Arbeit der Projektgruppe wurde vom Stadtrat mit diesem Beschluss gewürdigt. Das passt so.“

Jürgen Zabelt (Förderverein Waldbad): „Wir vom Förderverein sind froh, dass es endlich vorangeht. Unser Hauptziel hatten wir ja schon erreicht, den Erhalt des Standortes. Natürlich bleibt es unser Anliegen, dass das Sportbecken im Arena-Stil erhalten bleibt. Wir freuen uns auch, dass es einen einstimmigen Stadtratsbeschluss gibt. Jetzt fehlt uns nur noch eins: dass wir 2025 wieder reinspringen können.“

Und so geht’s weiter mit dem Waldbad

15 Bewerber sind teilnahmeberechtigt, fünf Architekturbüros werden gesetzt, zehn weitere werden im Mai aus den Bewerbungen ausgewählt. Bis Ende Juli sollen die Arbeiten eingereicht sein. Ende September tritt das Preisgericht zusammen, um die Preisträger festzulegen, Ende Oktober sollen die Ergebnisse öffentlich vorgestellt werden.

Die Stadtwerke werden einen der Preisträger mit der weiteren Planung beauftragen. Dieser Partner wird dann auch die Aufstellung eines Bebauungsplanes und die notwendige Änderung des Flächennutzungsplanes begleiten.

Das Preisgericht besteht aus fünf Fachpreisrichtern und vier ebenfalls stimmberechtigten Sachpreisrichtern. Die Stadt wird von Bürgermeister Robert Pötzsch und den Referenten Christine Graupner (Familie/Kinder/Schule/CSU), Andreas Marksteiner (Sport/UWG) und Christoph Arz (Jugend/Grüne) vertreten. Gesetzt ist als ständig anwesende stellvertretende Sachpreisrichterin ohne Stimmrecht Martina Arnusch-Haselwarter (SPD). Hinzu kommen von städtischer Seite Stadtwerke-Geschäftsführer Herbert Lechner, Robert Kratzenberg, bei den Stadtwerken für den Geschäftsbereich Sportanlagen zuständig, und Bauabteilungsleiter Carsten Schwunck als sachverständige Berater.

Die Wettbewerbssumme, die an die Preisträger ausgegeben wird, beträgt insgesamt 70 000 Euro. Nach dem Abschluss des Wettbewerbs werden im Jahr 2022 laut Bürgermeister die Planungen konkretisiert. In den Jahren 2023 und 2024 soll das Projekt dann realisiert werden.

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