"Ich habe dem Tod ins Auge geschaut"

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Von Mure verschüttet: Die österreichischen Zeitungen waren voll mit Berichten über den schrecklichen Unfall und die glückliche Rettung des Mladen Tursan. "Ich habe dem Tod ins Auge geschaut", sagt der 68-jährige Waldkraiburger. "Aber Gott wollte, dass ich weiterlebe."

Waldkraiburg - Mladen Tursan wurde auf der Autobahn von einer Mure verschüttet und "mit Gottes Hilfe" gerettet, wie er selbst sagt.

Mladen Tursan ist ein gläubiger Mensch. Und deshalb ist es für ihn kein Zufall, es ist Gottes Fügung, dass er noch am Leben ist. Der 68-jährige Waldkraiburger war dem Tod schon ganz nahe. Mladen Tursan wurde vor fünf Wochen auf der Tauernautobahn bei Flachau von einer Mure verschüttet - und schwer verletzt gerettet. "Ich habe keine Angst mehr vor dem Tod, ich habe ihm ins Auge geschaut."

Am 21. Juni ist es passiert. Zusammen mit seiner Frau Hildegard war er auf dem Rückweg aus dem Urlaub in Kroatien, wo die Tursans ein kleines Ferienhaus besitzen. "Wunderbar" war das Wetter noch bis zum Tauerntunnel, erinnert er sich. Danach wechselte es urplötzlich. Ein fürchterliches Unwetter ging über dem Salzburger Land nieder. Mit nur 60, 65 Kilometern in der Stunde kroch der Opel Astra Caravan über die A10, als das Ehepaar kurz nach 21 Uhr - etwa zwei Kilometer nach dem Tunnel - den Eindruck hatte, es liege Schnee oder Hagel auf der Straße. Der 68-Jährige bremste. Doch es war schon zu spät. Wasser, Steine, Hölzer, Geröllmassen drängten und rollten auf die Fahrbahn, erfassten das Auto. Er habe nur geschrien: "Raus! Raus!", erinnert sich Mladen Tursan.

Wie Experten später feststellten, hatten sich die Geröllmassen etwa 500 Höhenmeter über der Autobahn gelöst. Durch die Wucht des Aufpralls, der auch durch die Leitplanken kaum gebremst wurde, wurde das Auto um 180 Grad gedreht. Bis zu den Fenstern reichten die Schlammmassen. Auch andere Autos wurden von der Mure erwischt, keines so schwer wie das Fahrzeug des Waldkraiburgers.

Dass er seine Tür noch aufreißen konnte, hätte ihn fast das Leben gekostet. Den Kopf, seinen rechten Arm und sein rechtes Bein konnte er mit großer Mühe zurückziehen. Doch sein linkes Bein war eingeklemmt. Der Fuß steckte zwischen Auto und Leitplanke.

Lastwagenfahrer, die in der Gegenrichtung unterwegs waren, leisteten sofort Hilfe, schlugen die Scheibe ein und holten seine Frau aus dem Wagen. Sie hatte einen Schock und leichtere Verletzungen erlitten. Ihn konnten die Brummi-Fahrer nicht befreien.

"Ich war wie in Trance." Wie ein Zuschauer habe er sich selbst beobachtet. "Ich habe mich schon aufgegeben." Immer wieder komme ihm bis heute dieses Bild in den Sinn, erzählt Tursan, auf eine Krücke gestützt. Noch immer kann er sich nicht ohne die Gehhilfe fortbewegen. Noch immer hat er Schmerzen, ist fast jeden Tag beim Arzt oder in der Reha. Er habe innere Quetschungen, schwere Blutergüsse und Prellungen am ganzen Körper davongetragen. Sein linkes Bein wurde von einem Ast durchbohrt. Bis heute ist eine offene Wunde zurück geblieben.

Etwa 20 Minuten lag er im Auto, ehe die Feuerwehr mit schwerem Gerät anrückte und sich zu ihm vorarbeitete. "Ich war sicher, dass sie mein Bein durchtrennen müssen, damit ich rauskomme..."

Etwa zwei Stunden später, kurz vor Mitternacht erwacht Mladen Tursan auf dem Operationstisch im Krankenhaus Schwarzach. "Die Ärzte haben getan, was sie konnten", sagt der 68-Jährige dankbar. Nicht nur medizinisch wurde er versorgt, auch psychologische Betreuung haben er und seine Frau in dieser schlimmen Situation erfahren. Sieben Tage später konnte er die Klinik verlassen und wurde vom ADAC heimgebracht. Seitdem geht es langsam wieder aufwärts. In der Reha und von seinen Ärzten, dem Chirurgen Dr. Hauser und Hausarzt Dr. Wroblewski, fühlt er sich bestens betreut. Spätestens in einem halben Jahr kann alles wieder in Ordnung sein.

Möglicherweise muss er beim Autofahren auf Automatik umsteigen. Sein alter Opel ist längst verschrottet. Geld von der Versicherung wird er vermutlich nicht dafür sehen. "Naturkatastrophe, das ist höhere Gewalt." Ganz hat er die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben.

"Ich hatte riesiges Glück", sagt der gebürtige Kroate, der seit den 60er-Jahren in Deutschland lebt, über seine Rettung. Für einen wie Mladen Tursan, der sich als tiefgläubiger Mensch versteht, ist das nicht einfach nur Zufall, sondern Fügung.

Freunde hatten ihm vor der Abfahrt in Kroatien ein Marienmedaillon vom Wallfahrtsort Maria Bistrica mit auf den Weg gegeben. Er hatte es ans Lenkrad gesteckt. Er ist fest davon überzeugt, "mit Gottes und Marias Hilfe" dem Tod entronnen zu sein.

Am 7. August feiert der Rentner Geburtstag. Doch der 21. Juni wird in Zukunft wohl "mein zweiter Geburtstag" sein, und wie ein zweiter Hochzeitstag... Während ihr Mann von den Rettungskräften befreit und später operiert wurde, hat Hildegard Tursan, die seit 41 Jahre mit ihm verheiratet ist, um ihn gezittert und gebetet. "Die Liebe war immer groß", sagt Tursan. "Aber diese Erfahrung hat uns noch enger verbunden."

hg/Mühldorfer Anzeiger

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