Hunden das Jagen vermiesen

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Bärbel Rödig-Brauch und Bärbel Lülf (im Hintergrund) beobachten, wie sich ihre Schüler an der langen Leine - der so genannten Schleppleine - bewähren.

Kraiburg - Wenn "Bello" mit einem Hasen im Maul zu seinem Herrchen zurückkehrt oder erfolgreich Jagd auf Radfahrer und Jogger macht, dann besteht für den Hundehalter Handlungsbedarf.

Die Hundeschule "Mit Hunden leben" bietet ein "Anti-Jagd-Training" an.

Das ist der Schrecken jedes Hundebesitzers. "Herrchen" oder "Frauchen" gehen mit ihrem vierbeinigen Liebling im Wald oder in den Innauen spazieren. Plötzlich saust ein Hase aus dem Unterholz und im Hund erwacht der Jagdtrieb. Ohne sich um die Rufe des Hundesbesitzers zu kümmern, nimmt er die Verfolgung auf. Schließlich liegt das Jagen jedem Hund im Blut. Mit diesem Verhalten sind aber Belastungen in der Beziehung Hund-Mensch praktisch vorprogrammiert. Doch was kann man dagegen tun? Die Hundeschule "Mit Hunden leben" hat ein Seminar entwickelt, bei dem den Hunden das Jagen ausgetrieben werden soll. Allerdings schränken Sabine Rödig-Brauch und Bärbel Lülf ein, dass dieses "Anti-Jagd-Training" seine Grenzen hat und nicht bei jedem Hund gleich wirke. "Nicht zu jagen bedeutet für den Hund viel Gehorsam. Zudem muss sein Besitzer spannende Alternativen bieten. Auch eine Belohnung kann Motivation sein", so Sabine Rödig-Brauch. Die beiden Besitzerinnen der Hundeschule haben, als sie ihre eigenen Hunde hatten, auch erst einmal eine Hundeschule besucht. Danach kam die Neugier und die Frage "Wie tickt ein Hund eigentlich". Eine praxisorientierte Ausbildung in Bayreuth schloss sich an. Und dort haben sich die beiden kennen gelernt. Ihr Ziel ist es, eine angst- und schmerzfreie Erziehung der Hunde anzubieten. Wobei die Hundebesitzer mindestens genau so viel lernen müssen wie ihre Vierbeiner. "Herrchen und Frauchen müssen verstehen, was ihr Hund warum macht", sagt Bärbel Lülf.

Deshalb haben sie bei dem Anti-Jagd-Training auch einen ganzen Theorietag vorgeschaltet. Dort bekommen die Teilnehmer erst einmal einen Einblick in Fragen wie "Warum jagt ein Hund" oder "Wie und wann ist eine Belohnung sinnvoll" oder "Wie funktioniert die Generalisierung". Danach geht es dann ans Praktische. Allerdings müssen die Hunde, die zu diesem Training kommen, bereits gewisse Grundlagen des Gehorsams beherrschen. Hier bemühen sich die beiden Hundetrainerinnen, homogene und überschaubare Gruppen zu bilden. "Sowohl die Hunde als auch die Halter sollten einigermaßen zusammen passen", erklärt Sabine Rödig-Brauch. Damit sei ein besserer und schnellerer Lernerfolg möglich. Zuerst lernt sich die Gruppe auf dem Übungsgelände in der Nähe von Pürten näher kennen. Danach geht es dann schon in medias res. Die Hunde lernen bestimmte Situationen kennen und sollen dabei eben nicht ihrem Jagdtrieb frönen, sondern sich lieber ihrem "Herrchen" oder "Frauchen" zuwenden. Das wird zuerst in einer möglichst ablenkungsarmen Umgebung geübt, dann wird die Ablenkung allerdings gezielt gesteigert.

Danach kommt die so genannte Schleppleine zum Einsatz. Eine rund fünf Meter lange Leine, durch die der Hund zwar Auslauf in einem bestimmten Radius hat, aber auch lernt, sich einem bestimmten Umkreis zu seinem "Herrchen" oder "Frauchen" aufzuhalten. So lernen die Hunde langsam aber sicher, den Anweisungen ihrer Halter Folge zu leisten, auch wenn andere Reize durchaus spannender sein können. So traf sich die Gruppe kürzlich im Wald zu ihrer siebten Übungseinheit. Dabei zogen Helfer überraschend ein Fell, das intensiv nach Hase duftete, über den Weg und die Hunde durften sich davon nicht beirren lassen.

Dabei erklären Sabine Rödig-Brauch und Bärbel Lülf übereinstimmend, dass der Erfolg bei jedem Hund individuell gesehen werden muss. "Bei einem Terrier ist es schon ein Erfolg, dass er der 'Beute' nur ein paar Meter nachhetzt, während sich der Golden Retriever gar nicht aus dem Konzept bringen lässt", so Sabine Rödig-Brauch. Sie wissen auch, dass dieses Anti-Jagd-Training "ein langer Prozess" ist, der auch viel Üben bedeutet. "Wir können nur anleiten, tun müssen es die Hundehalter selbst; mit der notwendigen liebevollen Konsequenz", fügt Bärbel Lülf hinzu.

hsc/Mühldorfer Anzeiger

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