Hund "Barkley" entzückt Bildungskunden 

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Empfangskomitee an der Peters-Pforte: Franziska Saxstetter und Barkley. Im Dezember holte sie den Rüden von einer Bildungskundin weg, die psychisch angeschlagen war und sich nicht kümmern konnte. Erst nahm sie in heimlich in die Arbeit mit - bis die beiden aufflogen. Doch die Geschäftsführung steht hinter ihnen.

Waldkraiburg - "Barkley" ist 17 Monate alt, streichwurstsüchtig und der heimliche Empfangschef des BFZ Peters. Der Jack-Russel-Rüde "wacht" an der Pforte über den Besuch.

Er begrüßt neben Frauchen Franziska Saxstetter, die ihn von einer Bildungskundin aus schlechter Haltung übernommen hat, jeden, der bei Peters ein- und ausgeht. Vielleicht staubt er ja ein Leckerli ab, scheint das aufgeweckte Kerlchen zu denken oder jemand wirft den gelben Tennisball durchs Foyer, so dass er flitzen kann. Gekrault wird er selbstverständlich auch. Geschäftsführerin Petra-Maria Klier steht hinter dem "Dream-Team".

Barkley ist der BFZ-Hund, seitdem ihn sein neues Frauchchen Franziska Saxstetter von einer Bildungskundin wegholte. Allerdings ist der springfreudige Knirps nicht der einzige Vierbeiner auf dem Peters-Gelände. Auf dem Areal gibt es zwei Apartmenthäuser, in denen nur Bewohner mit Hunden, Katzen und auch Wellensittichen leben.

"Wer für zwei Jahre hierher zur Umschulung kommt, müsste ja seinen besten Freund weggeben", sagt Geschäftsführerin Petra-Maria Klier. Man biete Kinderbetreuung an und eben, dass die Kunden ihre Tiere mit in die Appartments bringen. Derzeit leben 15 Katzen und zwölf Hunde auf dem Peters- Areal. Sogar ein braver Dobermann. Dem hat der kleine Jack Russel Barkley allerdings gleich gezeigt, wer hier der Boss ist. In seinem Empfangshäuschen hat nämlich kein anderer Vierbeiner was zu suchen.

Ansonsten ist Barkley eher der gutmütige Typ. In der Arbeit hat er einen eigenen Bürosessel. Da faulenzt er, während sich sein Frauchen Franziska Saxstetter um den Empfang kümmert und den Wohnbereich managt. Vor und nach der Arbeit geht sie rund drei Stunden mit dem Energiebündel auf den umliegenden Waldwegen Gassi.

Die 48-Jährige kommt aus Prien und lebt seit dem Winter in Waldkraiburg - und Barkley bei ihr. Seiner vorigen Besitzerin ging es nicht gut, sie musste sich in psychilogische Behandlung begeben und konnte sich nicht kümmern. Der kleine Hund war in desolatem Zustand, dünn, dreckig und zog zitternd sein Schwänzchen ein.

Da handelte Franziska Saxstetter, die das Elend mitbekam. Sie kümmerte sich um das Tier und weil sie Vollzeit an der Pforte arbeitet, nahm sie es heimlich mit zur Arbeit. "Sonst hätte er ins Tierheim gemusst." Prompt wurden sie von Geschäftsführerin Klier erwischt. Die Tierfreundin hörte sich die Geschichte an und entschied unbürokratisch, dass "Mister Barkley" - so nennt ihn die Chefin - bleiben darf. Jetzt ist er sowas wie der Firmenhund. "Wir übernehmen die Verantwortung für unsere Schüler und führten mit der Frau mediatorische Gespräche", berichtet Klier. Der Umschülerin ging es seelisch so schlecht, dass sie die Bildungsmaßnahme nicht fortführen konnte. Klier und ein Psychologe konnten sie überzeugen, dass sie erst gesund werden müsse, um Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu übernehmen.

Das Beste, was Barkley passieren konnte. Jetzt geht es ihm prima - er und sein Frauchen strahlen um die Wette. "Der Gleichklang zwischen Mensch und Tier funktioniert hier einfach", sagt ihre Chefin. Der kleine weiße Hund mit den schwarzen Schlappöhrchen sei der Erste, der einem in dem Bildungsinstitut begegne, die Zweite sei Saxstetter - "eine unschlagbare Kombination".

Wer zu Peters komme, gehe für 24 Monate weg von seinem Umfeld, sei nervös und verunsichert. Manche sind beeinträchtigt. Und da muntert sie Barkley auf, etwa vor den anstrengenden psychologischen Tests zu Beginn der Umschulung. "Der stupst sie an, fordert sie zum Ballspielen auf, solange, bis sie wieder gut drauf sind", so Saxstetter.

Auf dem Campus haben sich gemeinsame Gassi-Gruppen gebildet. Klier findet das schön, es schmiede die Leute zusammen. Sie kommen schneller ins Gespräch. Wer lieber auf Distanz zu Vierbeinern bleibe, habe auf dem großen Areal kein Problem. In den tierischen Apartments werden auch Platzkontrollen durchgeführt, damit alles seine Richtigkeit hat.

Wenn es hart auf hart kommt und ein Bildungskunde nachweislich in finanzielle Not gerät und etwa die Tierarztkosten nicht mehr tragen kann, gibt es den Peters-Sozialfonds. Die Erlöse aus den Flohmärkten, die die Mitarbeiter auf dem Betriebsgelände veranstalten fließen dort hinein. Schließlich will die Geschäftsleistung, dass es mit den Tieren und ihren Besitzern funktioniert, sonst klappt der ganzheitliche Reha-Ansatz, den sich das BFZ auf die Fahnen geschrieben hat, nicht.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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