Hoffnung auf den "kleinen Boom"

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Ferientraining beim Bezirksoberliga-U17-Team des VfL Waldkraiburg. Die Mädels trauen der deutschen Mannschaft den Titel zu, ihre sportlichen Vorbilder kommen aber nicht aus dem Frauenbereich.

Waldkraiburg - Am kommenden Sonntag um 18 Uhr startet die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft gegen Kanada in die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Beginnt damit ein neues Sommermärchen?

Nein, das können sich die B-Jugend-Kickerinnen des VfL Waldkraiburg nicht vorstellen. Doch einen "kleinen Boom" hält ihr Trainer Sebastian Schaumberger für möglich.

Die Stimmung an der Basis ist gut. Die Saison ist vorbei. Die B-Jugend hat den Klassenerhalt in der Bezirksoberliga geschafft und will in der nächsten Saison "eher vorne mitspielen", wie Trainer Sebastian "Schaumi" Schaumberger sagt. Mitten in den Ferien ist nur die Hälfte des 15-köpfigen Kaders da. Klar schauen sie alle die WM-Spiele der deutschen Mannschaft, sagen die Mädels.

Mit den Namen der WM-Spielerinnen aber hapert es noch gewaltig. "Wie heißt eigentlich der Torwart?", fragt eine. "Angerer, Nadine Angerer", weiß Milena. Alexandra Popp fällt ihnen noch ein, und Rekordnationalspielerin Birgit Prinz nennt Lisa. "Ich finde eine cool, die macht Werbung für Nike", sagt Una und meint Fatmire Bajramaj, wie sich herausstellt.

Die Idole, die sportlichen Vorbilder kommen für die Kickerinnen - noch - nicht aus dem Frauenfußball. Und auch bei der Frage nach den Clubs, die sie gut finden, fallen den B-Jugend-Spielerinnen nicht Vereinsnamen wie 1. FFC Frankfurt, Turbine Potsdam oder FCR 2001 Duisburg, sondern Bayern München oder Manchester United.

Da spiegelt sich auch bei den jungen Fußballerinnen wider, was in der ganzen sportinteressierten Öffentlichkeit nicht anders ist. Die Frauen stehen im Fußballland Deutschland trotz ihrer großen Erfolge, zuletzt zwei Weltmeistertiteln in Folge noch im Schatten der Männer. Doch das Interesse am Frauenfußball und die Anerkennung der sportlichen Leistungen wächst stetig.

In Sachen Schnelligkeit, Zweikampfverhalten und Technik haben die Fußballfrauen enorm zugelegt, sagt Trainer Schaumberger, der seit sechs Jahren weibliche Nachwuchsteams im VfL betreut. Von einer "wahnsinnig positiven Entwicklung" spricht Renate Otterbach. Die VfL-Geschäftsführerin, die selbst zu den Pionierinnen des Frauenfußballs zählt, kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, als dieser Sport für Frauen verboten war. Vereine im DFB durften keine Frauenfußballabteilungen gründen oder Sportstätten dafür zur Verfügung stellen. Erst 1970 hob der Deutsche Fußballbund dieses Verbot auf.

Der VfL zählte zu den ersten Vereinen in der Region, die sich dem Frauenfußball öffneten. Mit großem Erfolg. Mitte der 70er-Jahre wurde ein Team, dem neben Renate Otterbach auch die heutige Stadträtin Inge Schnabl angehörte, bayerischer Vizemeister und oberbayerischer Meister.

"Am Anfang wurde Frauenfußball belächelt", sagt Otterbach, die Libera und später im Mittelfeld spielte und auch für die Bayern-Auswahl auflief. Die Zeiten, als die Machos ihre Vorurteile auslebten, sind heute allerdings vorbei. In der Schule könne es zwar schon mal passieren, dass frau deshalb dumm angemacht wird, erzählt eine der B-Jugend-Kickerinnen. Aber mit früher ist das nicht mehr zu vergleichen.

Der Frauenfußball hat zugelegt, in jeder Beziehung, auch in Sachen Publikumsinteresse. Über fünfeinhalb Millionen Zuschauer sahen das letzte Vorbereitungsspiel gegen Norwegen im Fernsehen. Aber eine Euphorie ähnlich der des "Sommermärchens" bei der Heim-WM der Männer - das hält niemand für möglich.

Einen positiven WM-Effekt erwartet Trainer Schaumberger allerdings. "Je weiter die Deutschen kommen, umso populärer wird der Frauenfußball. Nach der WM kommt ein kleiner Boom." Wie Renate Otterbach hofft er darauf, dass es dann auch viele Mädchen zum VfL treibt. 32 spielen derzeit in der U13- (C-Jugend) und in der U17- Mannschaft (B-Jugend). Dazu kommen eine Damenmannschaft, die gerade den Aufstieg von der Kreisliga in die Bezirksliga geschafft hat, und eine Reihe von jüngeren Mädchen, die bis zum Alter von 13 bei den Buben mitspielen dürfen.

"Cool wär's auf alle Fälle, seine Kohle mit Fußball zu verdienen", meint Una. Aber so recht daran glauben mag sie nicht, dass nach der Weltmeisterschaft das Profitum im Frauenfußball Einzug halten kann. "Dazu sind die Zuschauerzahlen noch zu gering", sagt Renate Otterbach. Ein Halbprofitum hält sie aber für möglich.

"Ich hoffe doch, dass Deutschland es packt", sagt Otterbach, die aber auch den USA viel zutraut. Brasilien ist für Sebastian Schaumberger Favorit. Nix da. "Deutschland wird Weltmeister", ist sich sein Team ziemlich sicher. Bis zum Titel ist noch viel Zeit, sechs Spiele, die im Fernsehen übertragen werden, und viel Gelegenheit für Prinz, Popp und die anderen, auf sich aufmerksam zu machen. Damit bald nicht nur die Bezirksoberliga-B-Jugend, sondern ganz Deutschland die Aufstellung im Schlaf beherrscht.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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