Hausverbot für Wasserwachts-Kreisvorstand

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Ohne Boote keine Schnelleinsatzgruppe: Nach einem eskalierten Streit zwischen der Wasserwachtortsgruppe Waldkraiburg und der Kreisleitung mit Maximilian Kammermeier zog dieser aus Waldkraiburg die komplette Ausrüstung samt Booten ab und nahm auch Privatgegenstände mit. Die Ausrüstung ist wieder in Waldkraiburg, die Wogen noch nicht ganz geglättet. Im Bild ist Ortsgruppenleiter Jürgen Szczuka im Boot bei einem früheren Einsatz zu sehen.

Mühldorf/Waldkraiburg - Ein Streit zwischen der Wasserwacht Ortsgruppe Waldkraiburg und dem Kreisvorstand ist eskaliert. Die Situation gipfelte in einem Hausverbot.

Lesen Sie hier den Originalbericht aus den Waldkraiburger Nachrichten:

Hausverbot für Kreisvorstand

Waldkraiburg/Mühldorf - Zwischen der Wasserwacht Ortsgruppe Waldkraiburg und dem Kreisvorstand ist ein Streit eskaliert, der mit einem Hausverbot etwa gegen den Kreisvorsitzenden Maximilian Kammermeier seinen Höhepunkt fand. Der Grund: Weil er unvollständige Inventardaten erhielt, zog er die gesamte Ausrüstung aus Waldkraiburg ab.

"Kammermeier ist über's Ziel hinaus geschossen", sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Marc Elsner. Der Kreisvorstand - Maximilian Kammermeier ist der Vorsitzende - hat vergangenes Wochenende den Waldkraiburgern die komplette Ausrüstung abgezogen, auch Privatsachen wurden mitgenommen. Es sollte wohl ein Warnschuss sein, mutmaßt Elsner. Vorausgegangen sei eine Diskussion um unvollständige Daten in Fahrtenbüchern oder Inventarlisten, darauf folgte diese "Erziehungsmaßnahme".

Ein Affront gegen die größte Ortsgruppe der Wasserwacht im Landkreis - 74 Aktive tun hier ihren Dienst. Die Waldkraiburger drohten mit einer Strafanzeige, Elsner kümmerte sich darum, die Wogen zu glätten und sprach dem Kreisvorstand gegenüber ein Hausverbot für alle Räume des BRK in Waldkraiburg aus. Doch damit nicht genug. Kammermeier habe die Einsatzbereitschaft der Waldkraiburger bei der Bereitschaftsleitung in Traunstein eigenmächtig abgemeldet und Elsner komplett übergangen, berichtet dieser. "Unsere Einsatzbereitschaft muss sichergestellt sein. Zu diesem Zeitpunkt war unser Versorgungsauftrag von Ebing bis Haag nicht mehr gewährleistet", so der Kreisgeschäftsführer. Die Einsatzmittel dürfen nicht weggenommen werden. Der Bezirksverband pflichtete bei, dass der Abzug der Mittel nicht zulässig war.

Auf Nachfrage der Zeitung erklärt Kammermeier in seiner Funktion als Kreisvorsitzender, er habe die Ausrüstung nur zur "Inventarisierung umgelagert" und nicht abgezogen. Grund seien die mangelhaften Datenlisten gewesen, die er seit November mehrmals schriftlich vollständig angefordert habe. "Diese Daten sind meldepflichtig, es geht etwa um fehlende Seriennummern und TÜV-Daten. Wir als Kreisleitung stehen in der Haftung", so Kammermeier, der in der Angelegenheit allerdings keinen eskalierten Streit sehe, sondern eine sachliche Klärung. Privat verstehe man sich gut, das andere sei auf rein sachlicher Ebene geschehen.

Die Privatgegenstände haben sich in den Einsatzfahrzeugen befunden und waren damit in seinen Augen "zur Nutzung zur Verfügung gestellt".

Dass die Ausrüstung vorübergehend aus Waldkraiburg weggeholt wurde, könne für niemanden eine Überraschung gewesen sein, schließlich sei ein monatelanger Emailverkehr vorausgegangen, auch Elsner sei über mögliche Konsequenzen informiert gewesen.

Das vorübergehende mündlich ausgesprochene Hausverbot gelte für den gesamten Vorstand und alle Beteiligten, die dabei waren, als die Ausrüstung weggeholt wurde. Kammermeier sehe es allerdings mehr als "eingeschränktes Zugangsrecht". Etwas Schriftliches gebe es nicht.

"Da ist insgesamt ein großer Vertrauensbruch entstanden", findet Kreisgeschäftsführer Elsner. Für ihn sei es absolut ausgeschlossen, dass eine so aktive Ortsgruppe, die bald ihr 60-jähriges Bestehen feiere, ihre Arbeit niederlege. Hier lauert nämlich schon der nächste Streitpunkt. 40 Ehrenamtliche haben ein Misstrauensvotum gegen Kammermeier unterschrieben, wollen nicht mehr ihm und dem restlichen Kreisvorstand unterstellt sein. Auf dieser Basis wollten sie nicht mehr weitermachen.

So wurde ein Kompromiss ausgehandelt. Elsner fungiert als Mittelsmann zwischen der Ortsgruppe und dem Kreisvorstand. "Der Handlingsweg läuft über Elsner. Aber wir sind immer noch die Kreisleitung. Unser Vorgesetzter ist die Bezirksleitung, nicht Elsner", so Kammermeier.

Froh, dass Marc Elsner den Waldkraiburgern eine derartige Unterstützung zukommen lässt, ist Ortsgruppenleiter Jürgen Szczuka. Der Kreisgeschäftsführer genieße das Vertrauen seiner Mannschaft. Andernfalls, so Szczuka, hätte sich die Ortsgruppe Waldkraiburg wahrscheinlich aufgelöst.

Alle Parteien sind an einer Klärung der Situation interessiert. "So ist es ja nicht zweckdienlich, wir sind als Wasserrettung für die Leute da und wollen eine vernünftige Zusammenarbeit", betont Kammermeier.

Allerdings gibt es weitere Kritikpunkte, die im Hintergrund schwelen. Etwa ein finanzielles Ungleichgewicht zu Ungunsten der Budgetverteilung für Waldkraiburg. "Kammermeier hat die Mittel stark Mühldorf-lastig verteilt und Waldkraiburg war klar benachteiligt", berichtet Elsner.

Und es gibt einen ominösen Förderverein, der vor einem Jahr in Mühldorf gegründet wurde. Elsner: "Die sammeln für die Wasserwacht Spenden. Wir wissen aber nichts über den Verein, noch sind wir gefördert worden." Durch das Spenden- sammeln tritt der Verein in Konkurrenz zur Wasserwacht, die selbst auch Spenden sammelt.

Kammermeier habe gesagt, so der Kreisgeschäftsführer, er wisse nichts über den Förderverein, dann sei herausgekommen, dass dessen Mutter im Vorstand sitze. Der Zeitung gegenüber wollte sich Kammermeier nicht zu dem Sachverhalt äußern, außer, dass Elsner sich demnächst damit auseinandersetzen werde. kla.

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