Gewalt gegen Frauen kein Tabuthema

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Anna Markt ist seit einem Jahr Vorsitzende des Vereins "Frauen helfen Frauen". Den Verein gibt es mittlerweile seit 20 Jahren. Das Jubiläum wird mit einer Ausstellung im Landratsamt gefeiert.

Waldkraiburg - Wo gibt es die meisten Fälle von Gewalt gegen Frauen? Der Verein "Frauen helfen Frauen" muss es wissen - ein Interview:

Seit 20 Jahren gibt es den Verein "Frauen helfen Frauen". Er hat mitgeholfen, Dinge wie sexuellen Missbrauch oder Gewalt gegen Frauen aus der Tabuzone zu bringen. Mit einer Ausstellung, die sich mit dem Thema "Frauen" auseinander setzt, wird das Jubiläum gefeiert. Die Heimatzeitung unterhielt sich mit der aktuellen Vorsitzenden Anna Markt.

Frau Markt, den Verein "Frauen helfen Frauen" gibt es seit 20 Jahren. Was war der Grund für seine Gründung?

Der Verein wurde gegründet, um eine Anlauf- und Beratungsstelle für Frauen zu schaffen, die psychischer, physischer oder sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren. Das waren vor 20 Jahren noch sehr starke Tabuthemen.

Wo lagen und liegen die Schwerpunkte der Arbeit des Vereins?

Mit "Frauen helfen Frauen" wurde eine Hilfs- und Beratungsmöglichkeit für Frauen geschaffen. Mit ihnen werden Lösungen gesucht, die sie aus ihren eigenen Ressourcen auch umsetzen können. Ein weiterer Schwerpunkt war es, das Thema sexuelle Gewalt zu enttabuisieren.

Wie sieht die Arbeit des Vereins konkret aus?

Betroffene Frauen können sich bei uns melden. Mit der Sozialpädagogin Michaela Müller hatte der Verein elf Jahre eine kompetente Frau, die Betroffene beriet. Seit etwa einen Jahr hat der Verein mit der Sozialpädagogin Monika Binder eine hauptamtliche Mitarbeiterin. Sie führt die Beratungsgespräche, hält Kontakt zu Ämtern und Behörden, kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit und sorgt zudem für eine noch stärkere Vernetzung des Vereins.

Wie groß ist der Verein denn eigentlich?

"Frauen helfen Frauen" hat derzeit rund 80 Mitglieder. Dazu kamen im vergangenen Jahr noch einige Ärztinnen, Förderer sowie Personen oder Firmen, die Patenschaften übernommen haben. Alle eint das Interesse am Erhalt des Vereins.

Wie finanziert sich der Verein denn?

"Frauen helfen Frauen" finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Zuschüsse und Spenden. Dabei werden wir vom Landkreis und von zahlreichen Kommunen unterstützt.

Wie können die Frauen Kontakt mit dem Verein aufnehmen?

Betroffene bekommen unter Telefon 08638 / 83797 wenn sie wollen auch anonym, eine telefonische Beratung.

Was kostet betroffene Frauen eine Beratung und wie sieht so eine Beratung eigentlich aus?

Die Beratung ist kostenlos. Sie reicht von der einfachen Beantwortung einer Frage am Telefon bis hin zu einer mehrmonatigen Betreuung. Die Bandbreite reicht von der Beratung bedrohter oder betroffener Frauen bis hin zur Begleitung von Frauen, die von jugendlichem Missbrauch betroffen waren und diesen aufarbeiten müssen und wollen. Natürlich unterliegen alle Mitarbeiterinnen der Schweigepflicht.

Stehen Sie damit nicht in Konkurrenz zu staatlichen Stellen wie dem Jugendamt oder staatlichen Beratungsstellen?

Nein, ganz im Gegenteil. Wir pflegen einen regen Austausch und suchen intensiv die Zusammenarbeit mit Behörden, Institutionen und anderen Vereinen wie beispielsweise dem Kinderschutzbund.

Wie viele Beratungsgespräche werden beim Verein "Frauen helfen Frauen" jährlich geführt?

Im Schnitt sind es etwa 150 Beratungen pro Jahr; mit der Bandbreite vom Telefongespräch bis zur mehrmonatigen Betreuung.

Wo haben Sie die meisten Fälle zu betreuen?

Es gibt keinen speziellen Brennpunkt. Rund ein Viertel der betroffenen Frauen kommt aus Waldkraiburg, ein weiteres Viertel aus Mühldorf. Die übrigen Fälle kommen aus dem restlichen Landkreis.

Welches Resümee ziehen Sie aus der 20-jährigen Arbeit des Vereins?

Zehn Jahre haben wir gebraucht, um den Verein aufzubauen und bekannt zu machen. Zehn weitere Jahre, um ihn zu etablieren. Etablieren und stabilisieren sind auch die Ziele für die nächsten Jahre. Dabei haben wir es geschafft, den gesamten Themenkomplex Gewalt gegen Frauen aus seiner Tabuzone zu holen.

Mit dem tollen Benefizkonzert im Ahnensaal des Klosters Zangberg und dem Film über eine Betroffene im Studiokino haben Sie bereits zwei Veranstaltungen im Jubiläumsjahr organisiert. Ist noch eine weitere Veranstaltung geplant?

Ja. Dank des Engagements unserer stellvertretenden Vorsitzenden Eva Loserth sowie der Finanzspritze des Lionsclubs können wir noch eine Bilderausstellung im Landratsamt auf die Beine stellen.

Wer wird dort ausstellen und wie lange ist die Ausstellung zu sehen?

Sowohl Christine Löw als auch die kürzlich verstorbene Rosa Wagner-Lill haben sich Gedanken zum Thema "Frauen" gemacht und diese in Bildern zum Ausdruck gebracht. Die Ausstellung ist von 11. November bis 7. Dezember im Landratsamt in Mühldorf zu sehen.

Vielen Dank für das Gespräch.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

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