Was geschah in der Tiefe?

Waldkraiburg/Kraiburg/Wels - Am 2. August 2009 starb der 24-jährige Feuerwehrmann Wolfgang E. bei einem tragischen Tauchunfall am Attersee. Jetzt stand der Tauchlehrer vor Gericht.

Der tragische Tauchunfall am Attersee, bei dem am 2. August 2009 der 24-jährige Feuerwehrmann Wolfgang E. ums Leben kam, wurde nun vor dem Landesgericht Wels in Österreich verhandelt. Der Tauchlehrer wurde wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Umständen zu vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Wolfgang E. war Jugendwart bei der Kraiburger Feuerwehr und machte bei der Waldkraiburger Wehr eine Feuerwehrtauchausbildung bei dem angeklagten Feuerwehrtauchlehrer. Dieser wurde nun vom Landesgericht Wels wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Umständen zu vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. "Ein salomonisches Urteil der Richterin, das fast einem Freispruch gleichkommt", wie der Verurteilte der Zeitung erzählt. Ob er nun Schuld habe, oder nicht, mit dem Tod des Kameraden müsse er leben.

Der 32-jährige Feuerwehrtauchlehrer war mit seinem Schützling nach sechs erfolgten Pooltauchgängen im Waldkraiburger Waldbad zum Attersee ins Tauchgebiet Steinbach zum ersten Freiwassertauchgang gefahren - ein weiterer Schüler war mit im Wasser. Beim Tauchgebiet Steinbach gibt es Plattformen in verschiedenen Tiefen, auf denen etwa das Maske ausblasen oder Tarieren geübt wird.

Der Tauchgang endete für den 24-jährigen Wolfgang E. tödlich. In einer Tiefe um die 30 Meter riss sich der junge Mann die Vollgesichtsmaske vom Gesicht und ertrank. Trotz Notaufstieges und einstündiger Reanimierung konnte er nicht mehr gerettet werden und starb in den Armen seines Tauchlehrers (wir berichteten).

Ein Gerichtsgutachten belastete den Waldkraiburger Tauchlehrer, bemängelt Standardverfehlungen, etwa wie tief der Ausbilder mit dem Verunglückten tauchte. Der Gutachter zitierte die Feuerwehrdienstvorschrift, die besagt, man soll als ausgebildeter Feuerwehrtaucher der Stufe 1 eine Tiefe von zehn Metern nicht überschreiten. Eine Sollvorschrift in den Augen des Angeklagten, der Gutachter sah es anders.

Ein erstelltes Tauchprofil sollte den Hergang des Unglückes rekonstruieren, allerdings wird demnach ab der Tiefe von 15 Metern unklar, was sich wirklich abgespielt hat. Der Tauchlehrer gab an, dass der 24-Jährige in der Tiefe von 27 Metern Probleme bekam und ihn an der Flosse zupfte. Der Schüler tauchte hinter dem Lehrer, die beiden hatten keinen Sichtkontakt.

Keine Obduktion des Verunglückten

Der Gutachter stufte seine Aussagen als insgesamt unglaubwürdig ein. Es soll Spuren auf der 30-Meter-Plattform gegeben haben, die Notfallflasche des Verunglückten war nach der Sicherstellung durch die Staatsanwaltschaft Wels leer, der Bleigurt wurde auf der 22-Meter-Plattform gefunden. Die Ausrüstung des Tauchschülers habe keine technischen Mängel aufgewiesen. Wahrscheinlich ist, dass sein Atemgerät vereist ist, wird in Taucherkreisen vermutet. Der Tauchlehrer bemängelt Ermittlungsfehler seitens der Behörden. "Es gab keine Obduktion, die medizinische Seite wurde nicht abgeklärt", berichtet er. Für ihn ist die Unfallursache nach wie vor nicht geklärt, die Tiefe hält er nicht für unfallursächlich. Der Gutachter attestiert ihm ein Fehlverhalten.

Die Tauchgruppe wurde seit dem Unfall laut Bernhard Vietze, Kommandant der Feuerwehr Waldkraiburg, auf Eis gelegt. Der Tauchlehrer werde in seiner alten Verantwortlichkeit nicht mehr eingesetzt.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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