Geothermie: Startklar für Anfang September

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Der Geothermie-Experte ist zuversichtlich: Bereits im Frühjahr nächsten Jahres könnte Waldkraiburg Energie aus warmem Wasser beziehen, sagte Professor Johann Goldbrunner.

Waldkraiburg - Wenn alles planmäßig verläuft, dann werden die Waldkraiburger im nächsten Frühjahr Energie aus warmem Wasser beziehen können.

Das Geothermieprojekt ist mittlerweile so weit gediehen, dass Anfang September mit den Bohrungen begonnen werden könnte. Professor Dr. Johann Goldbrunner stellte im Rahmen des zweiten Energie-Symposiums des Landkreises das Geothermieprojekt im Haus der Kultur vor und äußerte sich auch zum Zeitplan. Bereits bei der Begrüßung der Symposiums-Teilnehmer sagte Bürgermeister Siegfried Klika, dass Waldkraiburg die erste Gemeinde Deutschlands gewesen sei, die eine Erdgasversorgung hatte. Aus dem so genannten Ampfinger Feld werden heute rund 80 Prozent der Waldkraiburger mit Erdgas versorgt.

Schon bald von öl und Gas unabhängig?

Dort gibt es aber auch viel heißes Wasser, was schließlich zu der Idee des Geothermieprojektes geführt hatte. Klika bekräftigte, dass die Stadt beschlossen habe, dieses Projekt zusammen mit dem Landkreis zu machen. Ein Projekt, das rund zwölf Millionen Euro kosten wird und dafür sorgen kann, dass die Stadt Waldkraiburg "kein Öl und kein Gas mehr brauchen wird", wie es Norbert Weigl, der Leiter der Waldkraiburger Stadtwerke formulierte.

Ein Schritt also in die Richtung, die Professor Dr. Wolfgang Seiler, einer der renommiertesten Klimaforscher Deutschlands, forderte. Er macht sich stark für eine verstärkte Dezentralisierung der Energieversorgung: "Die vier Besatzungszonen, die wir in Deutschland haben, müssen weg", fordert er und meint damit, dass sich möglichst viele Kommunen unabhängig von den vier großen Energieversorgern Eon, RWE, Vattenfall und EnBW machen sollen.

Mit dem Geothermieprojekt ist Waldkraiburg auf einem guten Weg dorthin. Professor Dr. Johann Goldbrunner stellte die technischen Daten und geologischen Voraussetzungen für dieses Projekt vor. So führte er aus, dass das so genannte Süddeutsche Molassebecken mit seinem Malmkalk und Dolomitgestein hervorragende Voraussetzungen für die Geothermie biete. Das heißt, heißes Wasser wird aus großen Tiefen an die Oberfläche gefördert und für die Versorgung mit Wärme genutzt.

Dazu werden zwei "Brunnen" gegraben, in Waldkraiburg sind sie südlich der Kläranlage geplant. Der eine werde, so Goldbrunner, in rund 2100 Metern und der andere in etwa 3200 Metern 100 Grad heißes Wasser anzapfen. Nach den Berechnungen des Geothermie-Experten werden etwa 80 Liter pro Sekunde an die Oberfläche kommen. Das entspricht einer thermischen Leistung von 12 bis 14 Megawatt. So freut sich Stadtwerkeleiter Weigl, dass "große Teile Waldkraiburgs bald CO2-frei mit Wärme versorgt werden könnten". Professor Goldbrunner zeigte, dass jedes Bohrloch praktisch ein Kreislauf ist. Heißes Wasser und die dort enthaltenen Gase werden an die Oberfläche gefördert. Dort wird die Wärme genutzt und das abgekühlte Wasser wieder zurückgeführt.

So entstehen keine Verluste, das Wasser kann sich wieder auf 100 Grad aufheizen und erneut genutzt werden. Es war dem Fachmann bei seinem Vortrag anzusehen, dass er froh ist, nach "langen Vorbereitungen und vielen Schwierigkeiten" einen neuen Energieabschnitt für Waldkraiburg einzuläuten; die umweltschonende und regionale Versorgung mit Wärme.

Wie es heißt, steht der Vertragsabschluss mit einer Bohrfirma vor dem Abschluss, erwartet die Stadt bald die Genehmigung der Regierung.

Wenn alles planmäßig verläuft, wird laut Goldbrunner Anfang September südlich der Kläranlage mit den beiden Bohrungen begonnen. Erst wird in rund 40 Meter Tiefe gebohrt, dann das Bohrmaterial nach oben geschafft und die Wände mit Beton stabilisiert. Dann wird auf 600 Meter Tiefe weitergebohrt. Von dort geht es schräg bis in 2100, beziehungsweise 3200 Meter Tiefe hinunter. Die erste Bohrung wird etwa 55 Tage dauern, die Bohrung des zweiten tieferen Loches rund 60 Tage. Wenn die Bohrung abgeschlossen ist, erfolgt ein Pumpversuch und im Frühjahr, so ist Goldbrunner zuversichtlich, kann "die fertige Dublette an Waldkraiburg übergeben werden".

hsc

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