"Gegen Stalker gibt es Gesetze"

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Nahm die Herausforderung nach dem Studium an: Anastasia Ott arbeitet als Sozialpädagogin für den Frauennotruf von "Frauen helfen Frauen" und hilft misshandelten Frauen in Beratungsgesprächen weiter. 2009 wurden 215 Frauen im Alter zwischen 18 und 50 Jahren beraten. Die meisten stammen aus dem Landkreis Mühldorf, aber der Verein zieht keine Grenzen und hilft allen Anfragenden.

Waldkraiburg (WN) - "Frauen helfen Frauen" in Waldkraiburg hat vor einem halben Jahr ein neues Gesicht bekommen: Anastasia Ott.

Die 25-jährige Sozialpädagogin betreut das Notruftelefon und damit Frauen, die Opfer von Gewalt jeglicher Art wurden. Ihre erste Bilanz: "Ich hatte einen guten Einstieg in die Arbeit."

Anastasia Ott hat als Beraterin bei "Frauen helfen Frauen" täglich mit Gewalt gegen Frauen zu tun - sei es körperlicher, psychischer oder sexueller Natur.

Frau Ott, wie war Ihr Einstieg nach dem Studium in die Arbeit bei "Frauen helfen Frauen"?

Es war eine Herausforderung für mich, nach dem Studium in so ein verantwortungsbewusstes Feld einzusteigen. Aber ich habe es gut gemeistert und mich gut auf die Frauen, die ich berate, eingestellt. Sie waren sehr offen. Während ich an der Staatlichen Fachhochschule in Pasing studiert habe, habe ich Praktika im Frauenhaus in Burghausen gemacht und so erste Erfahrungen mit "Frauen helfen Frauen" gemacht.

Welche ist die häufigste Art der Misshandlung, mit denen die Opfer zu Ihnen in die Beratung kommen?

Das ist die sexualisierte Gewalt, die sich allerdings eng mit psychischer und körperlicher Gewalt verzahnt. Oft kommen auch Frauen, die in der Vergangenheit, etwa in der Kindheit, Missbrauchserfahrungen gemacht haben. Ich versuche sie aufzufangen, der Prozess ist oft lang und schwierig.

Welche Rolle spielt die Verdrängung in solchen Fällen?

Verdrängung ist ein gutes Schlagwort. Jede Frau verarbeitet solche Erfahrungen anders. Manche verdrängen diese Dinge während des Heilungsprozesses. Aber irgendwann kommt es an die Oberfläche - nach zehn oder 20 Jahren. Eine Aufarbeitung ist sehr wichtig, sonst trägt man es immer mit sich herum. Wer nicht aufarbeitet, trägt das Problem in viele Lebensbereiche hinein. Es könnte auch Auswirkungen auf die Partnerschaft haben, weil man die Sache für sich noch nicht geklärt hat.

Wie helfen Sie den Frauen?

Wenn Frauen zu uns kommen, machen sie oft parallel eine Therapie. Teilweise hift es den Frauen ungemein, wenn sie sich über ihren Alltag aussprechen können. Wir begleiten sie bei der Scheidung und helfen etwa den Aufenthaltsstatus zu klären und was sonst so anfällt an Hilfestellung.

Arbeiten Sie auch mit anderen Einrichtungen zusammen?

Wir haben ein gutes Netzwerk mit anderen Institutionen, sodass wir den Frauen das Bestmögliche anbieten können. Wenn unser Bereich etwas nicht abdeckt, verweisen wir auf andere Stellen.

Welche Rolle spielt das Frauenhaus in Burghausen für die Beratungsarbeit?

Wir können die Frauen dorthin verweisen, weil es in Waldkraiburg keine Möglichkeit gibt, sie im Notfall unterzubringen. Das betrifft vor allem Frauen, die nicht mehr zu Hause bleiben können, weil ihre Männer jede Art von Gewalt anwenden, oder Frauen, die bei der Polizei Schutz suchen. Auch die Sicherheit für die Kinder muss gegeben sein.

Wie schaffen es die Betroffenen, wieder in ein geregeltes Leben zu finden?

Im Frauenhaus werden sie sozial-pädagogisch betreut, werden auf den Alltag alleine vorbereitet und auch auf die Abspaltung von den Männern. Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses helfen mit, dass die Kinder wieder einen geregelten Schulalltag haben und auch bei der Jobsuche, bei der Wohnungssuche, beim Aus- und Umzug, beim Errichten eines eigenen Kontos. Wir bieten Prozess- und Behördenbegleitungen an, unterstützen die Frauen, dass sie wieder ein eigenständiges Leben führen können.

Kommen auch Migrantinnen in die Beratung?

Der Ausländerinnenanteil war im Jahr 2009 sehr ausgewogen. Es kommt darauf an, wie gut die Frauen integriert sind. Manche trauen sich vielleicht nicht her, weil sie Angst vor der Sprachbarriere haben. Wir versuchen das mit verschiedensprachigen Flyern etwas abzufedern.

Stalking ist ein immer größer werdendes Problem. Wie sehr hilft es Ihrer Arbeit, dass es jetzt Gesetze dagegen gibt?

Das ist eine große Erleichterung. Man hat ein Gesetz im Rücken und das gibt den Frauen eine gewisse Sicherheit. Man rennt bei den Behörden nicht mehr gegen Wände, wenn man gestalkt wird. Die Hemmschwelle bei den Frauen, etwas dagegen zu unternehmen, ist gesunken. Das Gesetz kennt das als Straftat an. Wir raten den Opfern, zur Polizei zu gehen.

Gibt es einen Tipp für junge Frauen, von vornherein nicht in eine Opferrolle zu geraten?

Man braucht Selbstbewusstsein und muss an sich als Frau glauben. Man sollte das Machtverhältnis nicht aus der Hand geben, denn eine gesunde Partnerschaft findet auf Augenhöhe statt. Ein guter Anfang, Selbstbewusstsein aufzubauen, ist etwa ein Selbstverteidigungskurs. Da wird deutlich, was in einem steckt.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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