Ein Geben und Nehmen in Waldkraiburg

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In der "Weihnachtsbäckerei" im AWO-Seniorenheim: Kindergartenkinder und Seniorinnen backen gemeinsam Plätzchen.

Waldkraiburg - Mehr als sieben Jahrzehnte liegen zwischen ihnen. Doch Edeltraud Gogesch und Jan sind ein gutes Team. Die 79-Jährige rollt den Teig, der fünfjährige Bub sticht Plätzchen aus.

"Kinder und Senioren - das passt", freut sich Charlotte Konrad. Sie ist Leiterin des Kindergartens Maria Schutz, der seit einigen Jahren guten Kontakt mit dem nahen Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt pflegt. In der zweiten Etage des AWO-Seniorenheims in der Riesengebirgsstraße duftet es nach Weihnachten. Fleißige Plätzchenbäcker sitzen da an einem großen Tisch, formen Kipferl, stechen Sterne aus, verzieren Gebäck, füllen große Bleche mit Leckereien. Jan und Maria, Angelina, Carmen und Lucy sind an diesem Vormittag vom Kindergarten Maria Schutz herüber gekommen, um mit Bewohnern des Heimes gemeinsam zu backen.

"Früher habe ich viel gebacken, alles was es gibt", erzählt Susanne Ledig und legt das nächste Vanillekipferl aufs Blech. Nicht alle Seniorinnen machen so eifrig mit wie sie. Manche sind einfach nur gekommen, um zuzuschauen, beim Backen, den Kindern.

"Ich habe Kinder so gerne", sagt eine 89-jährige Dame und lächelt. Ihre Familie wohnt weit entfernt, in den neuen Ländern. "Das macht manchmal traurig", sagt sie und freut sich umso mehr, wenn die Kinder aus dem Kindergarten kommen.

Sie kommen seit einigen Jahren, immer öfter. Zur großen Freude im Haus. Sozialdienstleiterin Marion Schimm, die zusammen mit ihrer Vorgängerin Gabriele Burgermeister und der Erzieherin Sandra Guttenthaler vom Kindergarten das generationsverbindende Projekt organisiert: "Wir machen sehr gute Erfahrungen mit diesen Aktionen. Unsere Senioren sind glücklich darüber, erinnern sich an die eigenen Enkel und an ihre eigene Kindheit zurück."

Die Initative ging von Gabriele Burgermeister aus. Es begann mit gegenseitigen Besuchen bei den Sommerfesten. Daraus wurde bald mehr. Ein Kunstprojekt vor zwei Jahren zum Beispiel. Jeweils ein Kindergartenkind und ein Heimbewohner gestalteten gemeinsam eine Collage. Schimm: "Das war ein wunderschönes Miteinander." Was Kinder und Seniorennen miteinander teilen können, wird bei diesem Projekt deutlich. Sogar Tanzen und Turnen. Die Kinder haben mit ihrer Turnstunde Leben ins Haus gebracht, die Seniorinnen und Senioren haben ihnen gezeigt, wie sie im Sitzen turnen.

"Das ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen", meint Tanja Hipp, Leiterin des Seniorenheims. Die Kindergartenkinder, die in der Regel noch deutlich jüngere Großeltern haben und nur in Ausnahmefällen in Großfamilien leben, erleben hier Senioren mit Krankheiten, Behinderungen, Grenzen. Es gehe auch darum, den Kindern die Scheu davor zu nehmen.

Beim Backen und Basteln, Singen und Geschichten Hören oder beim gemeinsamen Einkaufen auf dem Markt in der Stadtmitte kommt man sich näher. Fünf bis sechs Kindergartenkinder und etwa zehn Bewohner aus dem Pflegeheim sind bei den Projekten, die etwa einmal im Monat stattfinden, dabei.

Zu den großen Festen und Aktionen kommen mehr. An Sankt Martin, wenn die Kinder mit den Laternen in die Riesengebirgsstraße kommen. Oder beim Ostereiersuchen. Charlotte Konrad: "Das ist für alle ein Riesenspaß. Die Kinder laufen und suchen. Die Alten halten die Körbchen und freuen sich mit."

hg/Mühldorfer-Anzeiger

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