Gasleitung betrifft auch Stadt

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Ein Rohrstrang wird in den Graben abgesenkt.

Waldkraiburg - Die Regierung von Oberbayern leitete Mitte Dezember das Raumordnungsverfahren für die Gashochdruckleitung von Burghausen nach Finsing ein. Die Leitung wird durch den Landkreis Mühldorf verlaufen.

Vertreter der Bayerngas GmbH stellten im Stadtentwicklungs-, Bau- und Umweltausschuss die Trassenführung vorbei an Kraiburg, Waldkraiburg und Aschau vor.

Eine neue Gasleitung sei nötig, um die Netzkapazität für den bestehenden und zukünftigen Bedarf an Transportkapazitäten zu erhöhen und eine Versorgungssicherheit zu gewährleisten, erklärte Projektleiterin Christine Böhmert von der Bayerngas GmbH.

Die Trassenvorbereitung: Der Oberboden wird abgetragen.

Es gebe im Gasnetz Versorgungsengpässe und dementsprechend Kraftwerksanfragen aus der Region. So ist eine neue Gashochdruckleitung von Burghausen nach Finsing, nördlich von München, geplant. In Burghausen gebe es Anbindungen an österreichische Leitungen, etwa die Tauerngasleitung. In Haiming gebe es eine Verdichteranlage, allerdings könne man mit den bestehenden Leitungen nur ein Viertel der Gasmengen abtransportieren, so Böhmert.

Oberbauleiter Heinrich Beerhorst erklärte die Umsetzung. Es handle sich um eine Linienbaustelle, bei der rund 85 Kilometer zu bewältigen seien. "Am Stück sind immer 30 Kilometer in Bearbeitung, 500 Meter werden pro Tag verlegt", so Beerhorst. Daher müsse man rund 60 Arbeitstage für die gesamte Strecke einrechnen, was drei bis vier Monaten entspreche.

Die Leitungen werden in rund 1,20 Meter Bodentiefe verlegt. Die einzelnen Rohre werden zu einem mehrere hundert Meter langen Rohrstrang verschweißt. Unter Aufsicht des TÜV werden die Schweißnähte durch Röntgen oder Ultraschall überprüft.

Schweißnähte der Rohre TÜV-geprüft

Die Rohrleitung wird mit Kunststoff ummantelt und beim Aushub des Grabens werden vorhandene Fremdleitungen berücksichtigt, erklärte der Bauleiter. Nachdem die Rohrstränge verlegt wurden, wird der Graben wieder mit Erde zugemacht. Für die Druckprüfungen werde Wasser aus dem Inn gepumpt und anschließend auch wieder zurückgepumpt.

"Um keinen Ärger mit den Landeigentümern zu bekommen, wird der Boden, der sich durch die schweren Maschinen verdichtet hat, noch einmal aufgelockert, bevor der Mutterboden wieder aufgezogen wird", erklärt er.

Die Vertreter der Bayerngas rechnen mit einer Schutzstreifenbreite von insgesamt zehn Metern. In diesem schmalen Bereich sei später keine Bebauung mit Gebäuden möglich. Im freien Gelände sei der Arbeitsstreifen 28 Meter breit und im Forst rund 20 Meter. Der landwirtschaftliche Sachverständige Franz Thielmann erklärte, dass nach den Arbeiten im Wald wieder aufgeforstet werden könne. "Im Grunde gibt es später keinen Waldverlust."

Beerhorst besprach die geplante Trassenführung von Taufkirchen kommend südlich an Kraiburg vorbei, dann werden Inn und Innkanal gekreuzt, weiter geht es südwestlich an Waldkraiburg vorbei und schließlich über Aschauwerk weiter nach Gars.

Der Inn werde vermutlich offen gekreuzt und der Kanal unterquert. Hier fragte Gremiumsmitglied Gerd Ruchlinski genauer nach. Laut Christine Böhmert sei man sich bei der Bauweise am Inn noch nicht einig. Das Wasserwirtschaftsamt habe sich noch nicht endgültig geäußert. Allerdings sei eine "geschlossene Bauweise" bei dem kiesigen Boden problematisch. Bei der "offenen Bauweise" grabe man je nach Wassertiefe im Profil des Flusses. Dafür müsste der Inn auch nicht trockengelegt werden, das Wasser könnte weiter durchlaufen.

Bayerngars macht eine eigene Artenkartierung

Eva Köhr wollte wissen, ob bei der Trassenplanung über Kraiburg die Bodendenkmäler schon berücksichtigt seien. Böhmert versicherte, man stehe mit dem Denkmalamt in Kontakt und ein Archäologe werde die Bauarbeiten möglicherweise begleiten.

Ruchlinski warf auch ein, dass es für Waldkraiburg noch keine fertige Artenschutzkartierung gebe. "Das ist unwichtig für uns", so der landwirtschaftliche Sachverständige Thielmann. Bis Mai soll das Vermessen beendet und die Pläne fertig sein. Für den Trassenverlauf mache die Bayerngas selbst eine Umweltverträglichkeitsprüfung und eine eigene Kartierung.

Rainer Zwislsperger bemerkte, die Trasse führe sehr nah am Ortsteil Asbach vorbei. "Sind da die Anwohner in ihren privaten Bauvorhaben eingeschränkt?", wollte er wissen. "Nur im Bereich des Schutzstreifens und der beträgt zehn Meter Breite", wurde noch einmal betont. "Wir versuchen, sämtliche Wohnbebauungen zu umgehen", so Projektleiterin Böhmert. Es sei immer noch möglich, die Trasse geringfügig zu verschieben, damit möglichen Hoferweiterungen nichts im Wege stehe.

Um verärgerten Anwohnern den Wind aus den Segeln zu nehmen - bisher hat die Bayerngas lediglich die Bitte ausgesprochen, alle betroffenen und tangierten Grundstücke im Bereich von 300 Metern zur Vermessung betreten zu dürfen - betonte Thielmann, dass man Wert darauf lege, das Projekt so zu verwirklichen, dass Friede bei den Anwohnern herrsche.

Einstimmig fasste der Ausschuss den Beschluss, dass das Vorhaben so befürwortet wird. Allerdings müsse die Planung der endgültigen Trassierung in Abstimmung mit der Linienplanung für eine mögliche Verbindungsstraße zwischen dem Knotenpunkt der Staatsstraße 2352 und MÜ25 am Kreisverkehr und der Kreisstraße MÜ19 erfolgen.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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