Ein funkelnder Edelstein

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Mit dem Durchschneiden des roten Bandes eröffneten Landrat Georg Huber, Dr. Albrecht Gribl, Museumsleiterin Elke Keiper, Kulturreferentin Gertraud Kesselgruber und Bürgermeister Siegfried Klika das Glasmuseum. Fotos

Waldkraiburg - Das Glasmuseum ist fertig. Mit der Eröffnung des zweiten Teiles ist jetzt auch die Geschichte der Glasherstellung und -veredelung deutlich herausgearbeitet worden.

Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Glasherstellung und -verarbeitung ein wichtiger Wirtschaftszweig der Stadt Waldkraiburg. Bis nach Amerika wurde Glas aus Waldkraiburg exportiert. "Heute ist der Industriezweig nur noch ein Teil der Stadtgeschichte", sagte Bürgermeister Siegfried Klika mit leichtem Bedauern in der Stimme. Mitte der 70er- Jahre wurde die letzte Glashütte in Waldkraiburg dicht gemacht. Das und vieles mehr kann man jetzt in dem Glasmuseum sehen und erfahren, das am Sonntagnachmittag feierlich der Öffentlichkeit übergeben wurde.

Eigentlich nur der zweite Teil, denn der erste Teil wurde bereits Anfang des Jahres eröffnet. Doch mit dem zweiten Teil ist jetzt aus der Glasausstellung ein "gelungenes und gut gestaltetes Spezialmuseum geworden", lobte Dr. Albrecht Gribl, der Leiter der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen.

In seinem launigen Grußwort lobte er die schnelle Fertigstellung. Er sei im Januar zum ersten Mal hier gewesen und habe dem Bürgermeister durch die Blume gesagt, dass er sich freuen würde, wenn auch der zweite Teil möglichst schnell umgesetzt werden könnte. Schließlich könne - so Gribl auf Altbairisch - ein "Dreiquartel-Museum nicht lange so bleiben".

Daher drückte er auch seine Freude aus, dass "man heute nicht nur den zweiten Abschnitt, sondern die Fertigstellung des Glasmuseums feiern kann". Dabei lobte er die engagierte Arbeit des Museumsteams um Museumsleiterin Elke Keiper, die Stadt für die finanziellen Mittel; und ein bisschen auch die Landesstelle, die ja immerhin Fördermittel in Höhe von 35.000 Euro locker gemacht hatte.

Trotz angespannter Haushaltslage hat der Stadtrat die schrittweise Umsetzung des Glasmuseums mitgetragen und den Gesamtkosten von rund 110.000 Euro zugestimmt, sagte Bürgermeister Klika. Dabei dankte er Gribl für die Fördermittel, aber auch dem Förderverein Glasmuseum, der mit seinen 15.000 Euro ebenfalls maßgeblich zum Gelingen des Museums beigetragen habe.

Die Geschichte der Glasherstellung und -veredelung in Waldkraiburg ist im neuen Glasmuseum zu sehen.

Jetzt, im zweiten Schritt, werde auch die Bedeutung der Glasherstellung und -veredelung für die Stadt Waldkraiburg entsprechend dargestellt. Der erste Teil des Museums, der im Januar für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, rückte die Arbeit an den Glasfachschulen Haida und Steinschönau in den Mittelpunkt des Betrachters. Jetzt wurden die historischen Aspekte des Werkstoffes Glas mit der Herstellung und Veredelung speziell in den Waldkraiburger Glashütten klar herausgearbeitet. So wird jetzt ein großer Bogen gespannt von dem ältesten Glas des Museums aus dem Jahr 1717 bis hin zu Gläsern aus den Waldkraiburger Glashütten in den 60er-Jahren. "Das Museum erklärt den Stoff und die Veredelung, aber auch den historischen Wandel von Glas", so Museumsleiterin Elke Keiper in ihren einführenden Worten. Dabei machte sie auch darauf aufmerksam, dass Glas ein filigraner und empfindlicher Stoff sei, der den "Menschen nicht nur dienen, sondern auch sein Herz erfreuen soll".

Die Museumsleiterin hatte aber auch eine Überraschung für die Gäste der Eröffnungsfeier vorbereitet. Museumsvolontär Dietrich Maurer hatte Zeitzeugen über die Arbeit in den Waldkraiburger Glashütten befragt. Daraus wurde ein 15-minütiger Film, der den Gästen vorgeführt wurde. Da erfuhr man allerlei Wissenswertes über die Arbeit in den Glashütten. So herrschte beispielsweise am Arbeitsplatz der Glasbläser eine Temperatur von rund 90 Grad. Mehr oder weniger schwere Verbrennungen waren praktisch an der Tagesordnung. Die Zuhörer erfuhren aber auch, welche Aufgabe ein "Absprenger" hatte. Der Film ist auch im Museum zu sehen.

Stadtarchivar Konrad Kern, der gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Glasmuseum ist, meinte in Vertretung für den erkrankten Vorsitzenden, Altbürgermeister Jochen Fischer, das Museum sei "ein funkelnder Edelstein für Waldkraiburg und Umgebung". Der Förderverein sei im Jahr 1988 gegründet worden und habe sich seither unbeirrbar für die Erweiterung der Glassammlung eingesetzt.

Die Glassammlung begann mit dem Vermächtnis des ehemaligen Zweiten Bürgermeisters Erich Kieslich. Dessen Töchter übergaben Kieslichs private Glassammlung der Stadt. In den Folgejahren wurden immer wieder Stücke dazugekauft, so dass eine stattliche Sammlung entstand, die bereits im Jahr 1993 ausgestellt wurde.

Kern versicherte, dass die Stadt auch weiter auf den Förderverein bauen könne. Gleichzeitig regte er an, eine Zusammenarbeit mit dem Haidaer Glasmuseum zu suchen.

Das Glasmuseum im Haus der Kultur ist von Dienstag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Natürlich sind auch Sonderführungen für Schulklassen und Gruppen möglich.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

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