An Ostern gibt es Fisch statt Fleisch

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Aus dem Hobby für den Eigenbedarf wurde eine eigene Zucht - Jürgen Voggenreiter hat an Ostern viel zu tun.

Waldkraiburg - Seit 15 Jahren betreibt Jürgen Voggenreiter eine Forellenzucht: 1000 bis 1500 Fische wird er über Ostern verkaufen. Denn da kommt Fisch auf den Tisch.

Eine Hand voll Fischgranulat wirft Jürgen Voggenreiter in seinen Weiher. Sofort kommt Bewegung ins Becken seiner Forellenzucht in Au bei St. Erasmus. 1000 bis 1500 Fische wird er über Ostern verkaufen. Denn da kommt Fisch auf den Tisch.

Begonnen hatte alles mit einem kleinen Weiher und ein paar wenigen Forellen für den Eigenbedarf, doch daraus ist längst eine große Leidenschaft im Leben von Jürgen Voggenreiter (45) geworden. Vor 15 Jahren erwarb er die über 30 Jahre alte Weiheranlage in Au bei St. Erasmus.

Das Wasser aus den dort liegenden Quellen ist optimal für die Forellenzucht. Bei einer Temperatur zwischen acht und 17 Grad fühlen sich die Tiere am wohlsten, hier herrscht auch im Sommer eine Wassertemperatur von zehn Grad.

Zweimal täglich muss ein vollständiger Wasserdurchlauf in den Becken gewährleistet sein, damit genügend Sauerstoff für die sensiblen Fische vorhanden ist.

Die Lage, nur wenige Meter vom Inn entfernt, birgt aber auch ein Risiko für die Zucht. Dreimal musste Voggenreiter bereits ein Hochwasser überstehen. Die Becken werden vom ablaufenden Bach überspült, schon bevor das eigentliche Hochwasser die angrenzenden Felder überflutet. Der mitgeführte Schlamm führt meist zum Ersticken der Forellen.

Doch wenn alles rund läuft, kann sich der Elektriker vor allem an Weihnachten, Aschermittwoch und Ostern über viele Kunden freuen. "Einer kommt sogar extra aus München, holt sich seinen Steckerlfisch und fährt wieder heim", lacht Voggenreiter.

Hauptsächlich sind es aber Stammkunden und Vereine, die seine Forellen kaufen. Etwa 1000 bis 1500 Stück verkauft er über die Osterfeiertage - beim Blick ins Becken eine riesig anmutende Anzahl. Er könnte noch mehr verkaufen, sagt der Züchter, schließlich merkt auch er die wachsende Nachfrage nach frischem Fisch aus der Region; es soll aber immer noch ein Hobby bleiben.

Die Forellenzucht Trasen verkauft Forellen und Saiblinge.

Ganze zweieinhalb Jahre dauert es, bis die Forelle ihr Optimalgewicht von 400 bis 500 Gramm erreicht - und die Zeit sollte man ihr auch geben, damit das Fleisch schön fest ist, erklärt der Experte. Der Saibling, eine Art Edelforelle, brauche sogar noch ein halbes Jahr länger. Zubereitet werden kann die Forelle auf unterschiedlichste Weise. Voggenreiter räuchert selbst oder bereitet den grillfertigen Steckerlfisch für seine Kunden vor. Aber auch "Forelle Müllerin Art" ist für ihn eine schmackhafte Alternative, vor allem außerhalb der Grillsaison.

Doch warum essen wir gerade an Karfeitag so häufig Fisch? Lars Schmidt-Lanzerath, evangelischer Pastor in Waldkraiburg, erklärt den Sinn der Fastenzeit so: Beim Fasten soll man vor allem auf Dinge, Gewohnheiten oder Einstellungen verzichten um neue Wertschätzung für alltäglich gewordene Dinge zu erlangen. Früher lag vor allem der Verzicht auf üppiges Essen, wie Fleisch nahe. Statt Fleisch wurde so eben Fisch gegessen. Für Schmidt- Lanzerath ist es jedoch vor allem wichtig, den Karfreitag so schlicht und einfach wie möglich zu gestalten, da darf es statt einem Fischgericht auch gerne nur ein einfacher Salat sein.

Ähnlich sieht es auch Elisabeth Naurath, Seelsorgehelferin im katholischen Pfarrverband. Karfreitag, als Gedenktag an den Tod Jesu, soll ein Fastentag sein, der ursprünglich für den Verzicht auf Fleisch stand. Ob der Verzehr eines aufwendigen Fischgerichts wirklich im strengen Sinne dieser Tradition steht, ist für sie, wie für Schmidt-Lanzerath zumindest fraglich. Bei ihr gibt es Pellkartoffeln mit Butter und einem Kräuterquark.

Der Fischkonsum in Deutschland steigt stetig an. Etwa 16 Kilo Fisch und Meeresfrüchte isst der Deutsche pro Jahr laut dem Fisch-Informationszentrum (FIZ) in Hamburg. Die wachsende Beliebtheit von Fisch erfreut jedoch vor allem die Ernährungswissenschaftler, wie Dr. Martina Melzer von der Apotheken-Umschau. Fisch enthalte neben wichtigen Vitaminen, wie das Vitamin D, leicht verdauliches Eiweiß. Auch fette Fische seien wegen ihrer ungesättigten Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren) gut für das Herz-Kreislauf-System.

Doch es gibt auch die zweite Seite der Medaille. Viele Fischarten sind bereits überfischt oder werden in unwürdigen Verhältnissen gezüchtet. Umweltorganisationen wie der WWF geben hierfür bereits Einkaufsratgeber heraus, mithilfe derer sich Verbraucher informieren können, welchen Fisch sie mit gutem Gewissen kaufen können.

Für Voggenreiter ist die Lösung einfach: Am besten beim regionalen Züchter des Vertrauens vorbeischauen.

sas/Waldkraiburger Nachrichten

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