Übungen für zuhause

Fit trotz Corona: Waldkraiburger Trainerinnen bieten Workouts und Pilates für daheim an

Wo Renate Weyrich normalerweise ihre Kurse abhält, ist sie aktuell allein. Doch wer sich mit Pilates in Corona-Zeiten fit halten will, kann das auch via Internet.
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Wo Renate Weyrich normalerweise ihre Kurse abhält, ist sie aktuell allein. Doch wer sich mit Pilates in Corona-Zeiten fit halten will, kann das auch via Internet.

Fitnessstudios haben seit Wochen geschlossen, die Trainingsangebote der Sportvereine müssen ruhen, gleichzeitig steigt die Belastung für den Körper im Homeoffice. Doch wie kann man sich in Corona-Zeiten fit halten? Einige Fitnesstrainer haben kurzerhand ihr Trainingsangebot ins Netz verlegt.

Waldkraiburg/Aschau – Arbeiten im Homeoffice gehört für viele längst zum Corona-Alltag: Küchentisch statt Schreibtisch, Polsterstuhl statt Bürostuhl. Es dauert nicht lange und der Rücken zwickt. Doch gerade jetzt seinem Körper etwas Gutes zu tun, ist schwierig geworden. Aber nicht unmöglich.


Workout im Wohnzimmer

Sportmatte ausrollen, Laptop aufklappen und schon wird aus dem Homeoffice ein Homestudio. Denn die Workouts nach Feierabend kann man sich längst ins heimische Wohnzimmer holen: Pilates-Trainerin Renate Weyrich aus Aschau und die beiden Fitness-Trainierinnen Alexandra Schlesag und Michele Kayabas aus Waldkraiburg bieten ihre Kurse über das Internet an.


Mit einer Ausnahmegenehmigung dürfen Alexandra Schlesag und Emese Molcher-Perger zu zweit den Online-Kurse für „Alexandras Trainingsplatzl“ anbieten. Privat

„Unser Online-Stundenplan ist gut gefüllt“, sagt Alexandra Schlesag. Die meisten Kurse finden abends statt, aber für die Leute im Homeoffice gibt es auch mittags Kurse „für zwischendurch“. Wo sich sonst alle Teilnehmer im ganzen Fitness-Raum verteilen, sind für die Trainerinnen nun alle an einer großen Leinwand zu sehen. „Auf diese Weise lassen sich die Leute gut anweisen und auch motivieren“, sagt sie.

Aber auch sie brauchte erstmal einen kleinen Schubs. Ihre Teilnehmerinnen hatten sie ermutigt beim ersten Lockdown, ihr „Trainingsplatzl“ virtuell abzuhalten. Das Online-Training sei zwar etwas langsam angelaufen, aber längst gebe es immer mehr Zuspruch. „Es gibt gerade auch keine Alternative. Es ist besser als nichts.“

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Eine Ansicht, die auch Pilates-Trainerin Renate Weyrich teilt. „Online oder gar nichts.“ Mit ihren Online-Kursen setzte sie kurzerhand eine Idee um, mit der sie sich ohnehin schon eine Weile auseinandergesetzt hatte. Im Umgang mit der Technik war sie schnell versiert.

Was, wenn der geeignete Raum fehlt?

Seit März bietet sie ihre Kurse in der „Pilaterie“ an. Einen großen Vorteil sieht sie darin, dass die Leute flexibel sind. Doch die Online-Kurse haben auch Nachteile. „Es fehlt die Stimmung und die Energie. Über Video lassen sich die Haltungen der Teilnehmer nicht genau korrigieren“, sagt sie. Außerdem falle es schwer zu erkennen, wann die Übung am besten gewechselt werden soll.

Matte ausrollen und Sport treiben – nicht alle können so einfach daheim den Schalter umlegen. „für manche ist es nicht so entspannend, weil es keinen geeignete Raum gibt“, sagt Renate Weyrich. Etwa Prozent ihrer Kursteilnehmer sind geblieben, aber sie hat auch neue hinzugewinnen können.

Körper leidet im Homeoffice

Stundenlanges Sitzen am Küchentisch, kaum Bewegung: Der Körper leidet im Homeoffice. „Die Situation für die Gesundheit ist nicht gerade gut“, erzählt Michele Kayabas von „even flow“. Ihre Teilnehmer seien froh, dass es zumindest die Möglichkeit zum Online-Training gibt. Aber auch ihr ist klar, dass es das Präsenz-Training nicht ersetzt. „Man kann nicht hundertprozentig die Haltung korrigieren.“ Man passe sich der Herausforderung an und versuche, das Beste aus der Corona-Situation zu machen. „Die Mitglieder wollen etwas tun für ihre Gesundheit und wir sind froh, dass wir ihnen auch etwas bieten können. Denn unsere Situation ist gerade ziemlich eingeschränkt“, bedauert sie.

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Mit einem Online-Stundenplan versuche man, die Leute zu Bewegung zu animieren, damit sie nicht allein den inneren Schweinehund überwinden müssen. Denn gerade im Homeoffice sei es für manche schwierig, sich zu motivieren. „Die Couch nach Feierabend steht schon da.“

Mit kleinen Übungen auch im Homeoffice fit bleiben

Der Körper leidet unter dem Bewegungsmangel im Homeoffice. Michele Kayabas, Alexandra Schlesag und Renate Weyrich geben Tipps, wie man sich mit kleinen Übungen im Corona-Alltag daheim fit halten kann. Generell gilt: Zwischendurch viel bewegen und auch mal im Stehen arbeiten – zum Beispiel beim Lesen oder Telefonieren.

  • Mit dem angewinkelten Arm bis zum Ellbogen an eine Wand oder Türrahmen legen, jetzt den Oberkörper langsam nach vorne ziehen. Rücken dabei gerade halten. Man soll ein Ziehen im oberen Schulterbereich spüren, immer mehr in die Dehnung hineingehen. Übung mindestens 30 Sekunden halten.
  • Gerade an eine Wand oder Türrahmen stellen, die Fersen an die Wand. Dann versuchen, auch die untere Wirbelsäule an die Wand zu drücken ebenso die Schulterblätter, was sich einfach anhört ist nicht ganz so leicht. Sollten die Fersen nicht mit der Wand abschließen können, weil der Po im Weg ist, ein Bein leicht nach vorne stellen.
  • Öfter mal die Haltung ändern: Wer lange Zeit im Sitzen arbeitet, sollte sich möglichst viel auf dem Stuhl bewegen und dabei auch die Sitzhaltung verändern. Schneidersitz, Fersensitz oder den Stuhl einfach mal umdrehen. Alles ist erlaubt.
  • Aufrecht an der Stuhlkante sitzen, die Knie über die Fersen bringen. Beim Einatmen die Wirbelsäule aufrichten, Schultern nach hinten bringen, beim Ausatmen das Becken kippen, den Rücken rundmachen und abrollen.
  • Gerade hinstellen und den Körper Wirbel für Wirbel abrollen und wieder Wirbel für Wirbel aufrichten. Dabei tief durchatmen.
  • Alle Gelenke kreisen lassen. Ganz wichtig dabei: Immer rückwärts, um den Körper zu öffnen. Das Becken nach vorne und zurück kippen, den Kopf nach rechts und links neigen und halten.

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