Die Firma, die Waldkraiburg baute

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Die Baufirma Antosch ist mit Waldkraiburg gewachsen. Im November 1959 feierte sie ihr zehnjähriges Bestehen. Das Luftbild zeigt das Firmengelände an der Aussiger Straße fast zehn Jahre später, im Juli 1968. An derselben Straße hatte das Unternehmen ein weiteres Betriebsgelände (Stand 1968!).

Waldkraiburg (WN) - Eine Waldkraiburger Vorzeigefirma, die eng mit der rasanten Entwicklung in der Stadt verbunden ist, feiert zehnjähriges Jubiläum: das Bauunternehmen Antosch.

Die Zeitung berichtet in der Woche vor 50 Jahren über dessen eindrucksvolle Bilanz.

Waldkraiburg und die Welt - Ingenieur Anton Antosch, der aus Reichenberg im Sudetenland stammt, war nach der Vertreibung bei der Firma Elaston als Werkbaumeister tätig. Mit sechs Arbeitern machte er sich 1949 selbstständig, fand Arbeit bei den Betriebserweiterungen der Firmen Lode, Elaston und der Eisengießerei Klein. Schon 1951 war das Unternehmen an zwölf Bunkerumbauten beteiligt und erstellte 33 Wohneinheiten für die Genossenschaft. 1952 folgten 87 Wohneinheiten, das Kino "Scala", der Glockenstuhl der katholischen Kirche und der Umbau des Waldbades. Ein Jahr später war die Volksschule das Hauptprojekt. Wohnhäuser, Geschäftshäuser, Betriebshallen folgten, unter anderem die Mittelschule, das Haus Sudetenland, die Sparkasse. Insgesamt, so schließt die Zehn-Jahres-Bilanz des Unternehmens im Zeitungsbericht, wurden 356 Wohneinheiten für die gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft und darüber hinaus noch die VdK-Siedlung in Aschau erstellt. In nur zehn Jahren war die Firma auf 200 Mitarbeiter angewachsen.

Gute Nachrichten für die Zeitungsleser: Waldkraiburg bekommt die seit langem ersehnte Volkshochschule. "Weite Kreise der Bevölkerung begrüßen es, daß es nunmehr auch in Waldkraiburg möglich sein wird, wie an anderen größeren Orten, durch die Volkshochschule zu den Bildungsgütern Zugang zu finden." Als Eröffnungsveranstaltung wird eine so genannte "Schillerfeier" zum 200. Geburtstag des Klassikers angekündigt.

2000 katholische Christen kommen an Allerheiligen zur Andacht auf den Waldfriedhof. Dort haben bereits 450 Tote ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Eine "eigenartige Handlungsweise" der Kunden des Waldkraiburger Postamtes, die auch Menschen des 21. Jahrhunderts bekannt vorkommt, nimmt die Zeitung schon vor 50 Jahren aufs Korn. Selbstverständlich ist dort "eine Vorrichtung für das Abstellen der Fahrräder seit Jahr und Tag vorhanden". Doch benutzt wird der Radlständer in den seltensten Fällen. "Aus Bequemlichkeit werden die Fahrräder der meisten Postbesucher kurzerhand unmittelbar an das Mauerwerk, oft in gestaffelter Form, gestellt." Nicht nur die Mauer werde dadurch in Mitleidenschaft gezogen, ärgert sich der Waldkraiburger Berichterstatter, auch der Zugang zum Postamt und zum äußeren Briefkasten werde "unnötigerweise" verengt.

Pürten und seine Kirchengeschichte stehen im Mittelpunkt eines viel besuchten Vortrags, den der Heimatforscher Professor Schmalzl beim Männereinkehrtag hält. Der Pater aus Gars hatte intensive Nachforschungen in Salzburger Archiven und Bibliotheken angestellt. Sein Fazit: "Mit der Madonnenstatue und der Kanzel besitzt Pürten eine der schönsten und künstlerisch wertvollsten Kirchen der ganzen Umgebung."

Nur noch 539 Vertriebene leben im Oktober 1959 im Freistaat Bayern in staatlichen Massenunterkünften. Das teilt das bayerische Arbeitsministerium mit. Verblieben sind noch sieben staatliche Lager. 1946 waren nach Angaben des Ministeriums in 1381 Massenlagern noch 151000 Insassen untergebracht, zehn Jahre später gab es noch 114 Lager mit 18500 Insassen. In nichtstaatlichen Wohnlagern und Barackenunterkünften halten sich allerdings noch über 26000 Menschen auf.

Ein Teil der geräumten Lager wird zudem zur Aufnahme von Flüchtlingen aus der DDR und deutschen Spätaussiedlern wiederbelegt.

Bei einem nationalen Zeitungskongress in Düsseldorf stellt der Medienfachmann Professor Dovivat fest: Trotz Vordringens von Fernsehen, Rundfunk und Schallplatten seien diese Medien keine Konkurrenz für die Tageszeitungen.

Die Bundesbahn hat mit dem Vormarsch der Elektro- und Dieselloks seit 1952 mehr als 4400 Dampflokomotiven verschrottet. Das geht aus einer Statistik der Bahn hervor. hg

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