Gestalten wie aus Mittelerde

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Die Raunachtsfürsten in voller Montur so als wären sie gerade einem Fantasy-Epos entsprungen

Waldkraiburg - In voller Montur sehen sie aus, als seien sie aus "Herr der Ringe": Die "Raunachtfürsten" pflegen das Brauchtum der Perchtenläufe:

Wenn die Nächte länger, die Tage neblig und düster werden, dann beginnt die Zeit der finsteren Gesellen. Rund um Weihnachten, um die so genannten Raunächte herum, ist ihre "Saison".

In schaurigen Kostümen, mit Glocken, Scheppern und Rasseln ziehen sie dann durch die Nächte, um den Winter zu verjagen, böse Geister und Dämonen zu verscheuchen, gewissermaßen den Teufel mit Beelzebub auszutreiben. Vorchristliche, magische Vorstellungen stecken hinter diesem wilden Treiben, das in großen Perchtenläufen seinen Höhepunkt findet. Gute Ernten und Kindersegen und vieles mehr werden dem Auftritt der Perchten zugeschrieben.

Die furchterregenden Masken, das schaurige Spektakel hat Christian Sterba von jeher fasziniert. Der Waldkraiburger hat 2007 die Initiative ergriffen und sich mit mehreren Familienmitgliedern und anderen Interessenten zusammengetan, um als so genannte "Schiachperchten" dieses Brauchtum aus den Bergen selbst zu pflegen. Seit einem Jahr sind die "Raunachtfürsten" ins Vereinsregister eingetragen. 26 aktive Mitglieder zwischen zwölf und 55 Jahren zählt der Verein heute: zwölf Perchten, zwei Hexen, ein Kraxenmandl, mehrere Ordner und Helfer sowie zwei Nikoläuse und ein Engerl.

Die Rauchnachtsfürsten ohne Masken

Die Raunachtsfürsten treten auch mit dem Nikolaus auf, der mit einem eigenen Schlitten vorfahren kann. Zusammen mit den Krampussen kann er auch als Nikolausdienst gebucht werden. Auch Weihnachtsfeiern von Vereinen und Schulen besuchen die "Fürsten".

Auf fünf bis zehn Termine pro Saison kommt die Gruppe laut Obmann Christian Sterba. Höhepunkt ist dabei natürlich der Auftritt bei den großen Perchtenläufen, wo oft mehrere hundert Grusel-Masken zusammenkommen, in Freilassing, Oberndorf bei Laufen oder - am 17. Dezemebr - in Altenmarkt bei Trostberg. Mit Glocken, Fackeln und bengalischem Feuer sorgen sie dann für "Raunachtatmosphäre", wie Sterba sagt. Auch Rauchpulver haben sie dabei. Unheimliche Musik begleitet manchen ihrer Auftritte. Mit ihrem wilden Treiben wollen sie die Leute mitreißen und begeistern. Dabei gibt es freilcih auch Grenzen. "Wir sind nicht die, die die Sau rauslassen", stellt Sterba klar.

Manche Vereine zeigen durchchoreografierte Showtänze. So weit sind die Raunachtfürsten noch nicht. "Aber wir arbeiten dran."

Ihr Auftritt kann sich trotzdem sehen lassen. Dafür sorgen schon die eindrucksvollen, gruseligen Masken und Kostüme. Sie machen das Perchtenbrauchtum zu einem nicht ganz billigen Hobby für die aktiven Mitwirkenden. Tausend Euro kostet laut Sterba ein typisches Outfit im Schnitt. Schließlich sind die Masken aus Zirbenholz Handarbeit.

Wer sich von den Raunachtfürsten schrecken lassen will, hat dazu im Landkreis schon am Freitag, 18. November, um 20 Uhr Gelegenheit: bei einer Veranstaltung unter dem Motto "Winterzauber" in Oberarbing 3 bei Niedertaufkirchen.

Weitere Informationen gibt es unter www.rauhnachtsfuersten-waldkraiburg.de auf der Homepage des Vereins.

hg

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