Feuerwehr ist personell am Limit

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Die Feuerwehr wird sich aufgrund ihrer personellen Situation in Zukunft stärker auf ihre Pflichtaufgaben wie Brand- und Unfalleinsätze konzentrieren müssen und freiwillige Tätigkeiten wie die Absicherung von Großveranstaltungen und Umzügen nur dann übernehmen können, wenn freie Kräfte zur Verfügung stehen.

Waldkraiburg - Durchschnittlich 240 Einsätze hat die Freiwillige Feuerwehr Waldkraiburg im Jahr zu bewältigen. Sie stößt damit personell langsam an ihre Grenzen.

"Es ist 5 vor 12", sagt Kommandant Bernhard Vietze. Ihre Pflichtaufgaben, Unfall- und Katastropheneinsätze, kann die Wehr erfüllen, Abstriche wird es bei freiwilligen Leistungen wie Verkehrssicherung von Veranstaltungen geben.

Was die Freiwillige Feuerwehr Waldkraiburg leistet, das zeigte Vietze in einem Situationsbericht im Stadtrat auf. 219 Einsätze weist der Jahresbericht für 2010 aus, darunter 24 Brände, 119 technische Hilfeleistungen etwa bei Unfällen. Alle Schulungen, Übungen, Arbeitsdienste und Besprechungen mitgerechnet, kommen insgesamt über 10.000 geleistete Stunden in nur einem Jahr zusammen, das der Kommandant als "vergleichsweise ruhig" einstuft. Diese Einsatz- und Arbeitsstunden werden auf immer weniger Schultern verteilt. Dies sei kein spezifisches Waldkraiburger Phänomen, sondern ein landesweites Problem, wie Vietze betonte.

Für ihren hohen Ausbildungsstandard und ihre gute Ausstattung mit Fahrzeugen und technischem Gerät ist die Waldkraiburger Wehr bekannt. Und mit dem Personalstand von 69 Aktiven (zum 31. Dezember 2010), darunter acht Frauen, könne die Feuerwehr "noch leben", so der Kommandant.

Doch diese Zahl steht auf dem Papier, wegen Urlaubs, Krankheit und vor allem weil eine ganze Reihe von Feuerwehrleuten auswärts arbeitet. 36 Leute bräuchte es, um alle Einsatzfahrzeuge besetzen zu können. Nachts liegt die Ausrückstärke bei 30 bis 35, manchmal 40 Einsatzkräften. Tagsüber kann die Feuerwehr aber nur auf 20 bis 22 Mann zurückgreifen, die Besatzung eines Löschzuges.

Ihre Pflichtaufgaben wird die Feuerwehr weiterhin erfüllen können, betonte der Kommandant. Dazu gehören laut Feuerwehrgesetz neben den Brandeinsätzen auch technische Hilfeleistungen bei Unfällen, Überschwemmungen und ähnlichen Ereignissen sowie so genannte Sicherheitswachen, zum Beispiel bei Veranstaltungen im Haus der Kultur.

Freiwillige Tätigkeiten sind dagegen - oft recht personalintensive - Verkehrsabsicherungen bei Umzügen und Freiluftveranstaltungen, wie Faschingszug und Stadtlauf, Martinszüge und Volksfestauszug, Fronleichnamsprozession, Maikundgebung und diverse Sportveranstaltungen. Schon jetzt leisten Feuerwehrleute aus den Ortsteilen dabei Unterstützung. "Die Feuerwehr sträubt sich nicht, Veranstaltungen abzusichern", sagte Vietze, machte aber zugleich deutlich: "Das geht nur, wenn genügend freie Kräfte zur Verfügung stehen."

Wegen des beruflichen Engagements und weil kaum damit zu rechnen sei, dass die Bereitschaft der Jugendlichen wächst, in der Feuerwehr aktiv zu sein, "wird sich die Personalsituation nicht verbessern", glaubt Bürgermeister Siegfried Klika. Bei den Gesprächen über Absperrungsmaßnahmen für eine geplante Triathlon-Großveranstaltung sei zuletzt deutlich geworden, wie schwer es ist, solche Großereignisse noch mit Feuerwehr und Polizei abzusichern.

Laut Stadträtin Inge Schnabl findet die "Blade Night" mit Rücksicht auf die Situation der Feuerwehr seit zwei Jahren nicht mehr statt. Sollen solche Veranstaltungen in Zukunft ausfallen? Bürgermeister Klika: "Wir müssen einen dritten Weg suchen."

Ein Patentrezept sieht auch er nicht. Eine Möglichkeit wäre, mehr aktive Feuerwehrleute bei der Stadt zu beschäftigen. Allerdings könnte es bei Ausschreibungen wegen des Antidiskriminierungsgesetzes Probleme geben, heißt es. "Da müsste der Gesetzgeber nachbes- sern."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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