Faschingsmisere wird zum Politikum

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Waldkraiburg (WN) - Die Absage des Faschingsauftakts durch die Waldburgia und die Entscheidung, nur mit einer Männergarde in die Faschingssaison zu gehen, sorgt jetzt auch für handfeste politische Diskussionen.

Ist die Absage des Faschingsauftakts durch die "Waldburgia" ein Politikum? SPD-Ortsvorsitzender Alexander Will ist davon überzeugt. In einem Brief an die Redaktion macht Will - ohne Namen zu nennen - die "Stadtoberen" und Vertreter der CSU-Mehrheit im Stadtrat und deren Einmischung in die Vorbereitung des Stadtballs dafür verantwortlich, dass sich die Faschingsgesellschaft "Waldburgia" zur Absage entschlossen hatte (wir berichteten). "Waldburgia"-Präsident Alex Burian, der die Absage mit der schwierigen Personalsituation des Vereins und dem Ausfall von Mitgliedern der Garde und des Hofstaats begründet hatte, weist dies ebenso zurück wie Bürgermeister Siegfried Klika und CSU-Stadträtin Inge Schnabl.

"Die Waldburgia hatte wie immer in den letzten Jahren ein Prinzenpaar, eine Garde und den Hofstaat sowie ihre hervorragende Männergarde, also was sollte einem zwanglosen Faschingstreiben noch im Wege stehen?", fragt dagegen Alexander Will.

SPD-Vorsitzender: Stadt und CSU für Absage verantwortlich

Nach seiner Überzeugung liegt die Absage an der harschen Kritik am ehemaligen Präsidenten in der vergangenen Saison und nicht zuletzt daran, dass für den Stadtball, "der nach alter Tradition der Inthronisationsball der Waldburgia war", ein Moderator aus "den eigenen städtischen Reihen" bestellt und dem neuen Präsidenten damit die Möglichkeit genommen wurde, "es anders zu machen". Volksvertreter, so Will weiter, "sollten dafür einstehen, Vereinen hilfreich und nicht bestimmend unter die Arme zu greifen".

Ähnlich äußert sich auch Thomas Liess, ehemaliger Faschingsprinz und bis vor einigen Jahren im Vorstand der Faschingsgesellschaft. Liess, der nach eigenen Worten noch immer guten Kontakt zu Vorstandsmitgliedern hat, macht in einem Brief an die Redaktion die Bevormundung des Vorstandes mitverantwortlich dafür, dass die Waldburgia "die Reißleine gezogen" habe. Der Juso-Ortsvorsitzende sieht diese Entwicklung auch im Zusammenhang mit der Diskussion um die Konzerte in der Schenkerhalle und ein selbst verwaltetes Jugendzentrum. Sein Appell: "Lasst die Vereine und Engagierten sich selber verwirklichen ohne bestimmende Aufsicht."

Dagegen erklärt Waldburgia-Präsident Burian: "Von zu viel Einmischung kann keine Rede sein." Er spricht von einer "Unterstützung in einem gesunden Maß". Der Präsident, der erst in diesem Frühjahr sein Amt antrat, ist Stadträtin Inge Schnabl dankbar, dass "sie mir mit ihrem großen Hintergrundwissen geholfen hat". Er habe kein Problem mit einer Stadtball-Moderation durch einen städtischen Mitarbeiter. "Ich fand die Idee nicht so schlecht."

Klika weist Vorwurf als Unsinn zurück

Als "totalen Blödsinn" bezeichnet Bürgermeister Siegfried Klika den Vorwurf der Einmischung. Aufgrund der Kritik am vergangenen Stadtball habe sich die Stadt mit der "Waldburgia" auf Veränderungen verständigt. Unter anderem betrafen diese die Moderation durch Norbert Meindl von der Stadtverwaltung. Dies sei "keine unzulässige Einmischung", so Klika, "sondern das Recht des Mitveranstalters".

Von einer "Selbstverständlichkeit" spricht auch CSU-Stadträtin Inge Schnabl. Schließlich sei der Stadtball eine offizielle städtische Veranstaltung und "der Bürgermeister der Einladende". Bei einem reinen Inthronisationsball der Faschingsgesellschaft könne die Waldburgia "schalten und walten wie sie will", so Schnabl, die Mitte der 90er-Jahre zusammen mit ihrer Fraktionskollegin Eva Köhr den Faschingszug wieder belebte und seitdem auch eng mit der Faschingsgesellschaft zusammen arbeitet.

"Wir haben auch gesagt, dass wir das Programm der Männergarde gerne vorab sehen wollen", bestätigt der Bürgermeister. Wenn die Faschingsgesellschaft damit Probleme gehabt hätte, so Klika weiter, hätte sich die Stadt als Veranstalter zurück gezogen und die Waldburgia einen reinen Inthronisationsball gemacht. Klika: "Auch dafür war die Unterstützung in der bisherigen Art und Weise zugesagt."

Hans Grundner/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © dpa

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